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Berlin (ddp-bln). Berlin will Modellstadt für Elektromobilität in
Deutschland und Europa werden. Wenige Tage vor einem Gipfel bei
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb der Regierende Bürgermeister
Klaus Wowereit (SPD) beim Bund um Unterstützung für das Projekt
«E-tropolis». Berlin sei der «beste Ort für einen nationalen ´Show
room´ zur Elektromobilität», schrieb der Regierungschef in einem am
Mittwoch verbreiteten Brief an die Kanzlerin. Nur die Hauptstadt
besitze die entscheidende internationale Ausstrahlungskraft.
Zu dem Spitzentreffen über Elektromobilität hat die Kanzlerin für
Montag (3. Mai) die Privatwirtschaft eingeladen. Der Bund hat sich
das Ziel gestellt, Deutschland zu einem Leitmarkt in diesem Bereich
mit einer Million Fahrzeugen bis 2020 zu entwickeln.
Wenn Deutschland seine Marktführerschaft im Bereich der Mobilität
behalten möchte, sollte der Bund alle verfügbaren Mittel
konzentrieren und zielorientiert einsetzen, betonte Wowereit in dem
Brief. Eine Zersplitterung in viele Teilmärkte mache keinen Sinn.
Derzeit gibt es bundesweit acht Modellregionen mit rund 100 kleineren
Projekten - neben Berlin unter anderem in Wolfsburg, Stuttgart und
Köln. International konkurriert Deutschland bei dieser Technologie
vorrangig mit China.
Berlin sei im Unterschied zu den Automobilstandorten ein
«neutraler Markt», an dem sich alle Unternehmen beteiligen könnten,
sagte die Staatssekretärin in der Wirtschaftsverwaltung, Almuth
Nehring-Venus. Das sei ein Vorzug der Hauptstadt, die zugleich mit
ihrem Wissenschaftspotenzial, darunter an der Technischen
Universität, sowie der Verkehrsinfrastruktur die besten
Voraussetzungen für ein Referenzprojekt biete. Die Stadt habe schon
heute mit insgesamt mehr als 500 Ladestationen für
Elektroauto-Batterien, darunter 100 auf öffentlichem Straßenland, die
bundesweit höchste Dichte in diesem Bereich.
Die Daimler AG habe angekündigt, am Standort Marienfelde
Elektromotoren für Hybridfahrzeuge bauen zu wollen. Berlin sei zudem
bereit, nach der Schließung des Flughafens Tegel dort ein
Entwicklungszentrum für Elektromobilität anzusiedeln. Damit könne die
Stadt die bisher noch nicht ausgereifte Technologie von der Forschung
bis zur Produktion abdecken.
Berlin erhofft sich dazu weitere Fördermittel. «Wir würden es gut
finden, wenn der Bund die Forschungsgelder an einem Standort
bündelt», sagte Senatssprecher Richard Meng. Der Senat könnte sich
unter anderem durch die Bereitstellung von Flächen einbringen. Die
über das Konjunkturpaket II geflossenen Forschungsgelder laufen Ende
2011 aus. Bis dahin erhält die Hauptstadt für Modellprojekte jeweils
rund zehn Millionen Euro vom Bund und aus der Privatwirtschaft.
Insgesamt stehen laut Nehring-Venus für diesen Bereich in Berlin etwa
50 Millionen Euro zur Verfügung.
Auch die CDU sieht für Berlin mit Blick auf den Klimawandel große
Chancen in der Elektromobilität. Die Hauptstadt sei sehr geeignet für
einen Großversuch, weil es eine hohe Kaufbereitschaft für solche
Autos gebe, heißt es in einem am Mittwoch vorgestellten Konzept. Die
Kernidee sei, dass Berlin 2011 eine Großbestellung von rund 20 000
Fahrzeugen organisiere, die 2013/14 geliefert werden sollten. Das
würde allen Seiten Investitionssicherheit geben. Die private
Nachfrage könnte auch durch Privilegien wie die Nutzung der Busspur
angeregt werden.
(ddp)
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