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Bonn (ots) -
Was bedeutet heute Heimat, in Zeiten der Globalisierung und der
Wirtschaftskrise? Diese Frage wurde einen Tag lang intensiv beim 8.
Petersberger Forum am 25. Juni 2009 diskutiert. Der Verlag für die
Deutsche Wirtschaft AG hatte 500 Gäste, hochkarätige Referenten und
junge Dichter zum Poetry Slam geladen.
Klaus Töpfer, Bundesumweltminister a. D., stellte "die Renaissance
des Regionalen im globalen Tumult" vor. Aktuelle Tumulte sieht er in
der Wirtschaftskrise, der Klimakrise und in der Globalisierung. Die
Wirtschaftskrise sei eine Folge des Diktats der Kurzfristigkeit. Sie
führe zu einem neuen Schuldenrekord und zu einer Verlagerung der
mittel- und langfristigen Kosten an die nächsten Generationen. "Wir
müssen in Kreisläufen entscheiden, zwei Krisen mit einer Klappe
schlagen: Die Wirtschaftskrise und die Klimakrise", so Töpfer. Das
jetzige kurzfristige Verhalten könne auf Dauer nicht in eine
friedliche Welt führen. Langfristiges Denken und Entscheiden sei
notwendig. "Die Globalisierung ist nur erfolgreich, wenn wir die
regionale Identität bewahren können. Eine Renaissance der Identitäten
ist das, was wieder notwendig sein wird", so der ehemalige Direktor
des Umweltprogramms der Vereinten Nationen in Nairobi. Jeder brauche
die emotionale Qualität der Heimat, sie sei leistungsfähig genug,
Identität zu schaffen.
Der Verleger und Autor Dr. Florian Langenscheidt hielt ein
Plädoyer für einen entspannten Umgang mit unserem Land. "Wir tragen
die Verantwortung für Deutschland. Wir sind Deutschland. Nur der kann
andere lieben, der auch sich selbst liebt", so Langenscheidt. Es gehe
nicht um dumpfen Nationalstolz, sondern um Dankbarkeit, um eine
konstruktive Sicht auf uns selbst, um Gelassenheit. Für den Verleger
und Autor konstituiert sich die Wirklichkeit von innen heraus: " Im
Stau können Sie beobachten, wie rechts von Ihnen sich jemand ärgert
über den Zeitverlust und links sehen Sie jemanden Mozart genießen.
Wir Deutschen sitzen zu oft im rechten Auto". Noch nie sei ein Volk
so reich und so unglücklich gewesen. Doch Glück sei lernbar und es
gäbe soviel, was wir lieben könnten: eine starke, gewachsene
Demokratie, die Wiedervereinigung, die innere Sicherheit, die es so
nur in 10-15 % aller Länder gebe. "Ja, wir haben fehlendes
wirtschaftliches Wachstum und zu viele Arbeitslose. Doch eine
einseitige Fokussierung hilft uns nicht. Wir brauchen einen gesunden
Optimismus" so das Fazit von Langenscheidt.
Gastgeber und Verlagsvorstand Helmut Graf meint "es ist gar nicht
so einfach mit der Heimat. Der Versuch einer einfachen Definition ist
per se zum Scheitern verurteilt". Er zitierte die verschiedensten
Definitionen zum Thema Heimat, von Jacob und Wilhelm Grimm "Dem
Christen ist der Himmel die Heimat, im Gegensatz zur Erde, auf der er
als Gast oder Fremdling weilt" über Karl Jaspers "Heimat ist da, wo
ich verstehe und wo ich verstanden werde" bis zu Renate Künast "In
meiner Jugend war Heimat ein Schreckenswort. Ein verbaler Knüppel,
mit dem man Leuten wie mir drohte". Nach der Frage "Und wurde uns
eigentlich im Westen nach 20 Jahren deutscher Einheit, 60 Jahre nach
der Gründung der Bundesrepublik dieses besiegte, befreite und jetzt
wieder vereinte Land zur Heimat?" äußerte Graf Zweifel an der
Bejahung ob der vielfältigen TV-Sendungen zum Auswandern. Er kenne
Verlagskollegen, die ob der geplanten Gesetzgebung der großen
Koalition Unternehmensbereiche ins Ausland verlagern wollen, um das
Unternehmen und die Mitarbeiter in Sicherheit zu bringen. "Heimat ist
höchstaktuell", war sich der Verlagsvorstand sicher.
Im Poetry Slam stellten sich junge Dichter dem Thema Heimat und
der Jury, dem Publikum. In sechs Beiträgen zeigten sie ihre Welt und
ihre Sicht auf den Begriff, auf das Gefühl Heimat. Sie sprachen über
Zweifeltürme, world wide weg, google dich doch selbst und ich bin
weg. Der Gewinner Tommy Tesfu verband Heimat mit Nietzsche, er sah
sich als Tourist auf Lebenszeit und "bin auf immerdar verzweisamt".
Die beiden Zweitplatzierten Jan Coenen und Nadja Schlüter fragten
"Warum in die Ferne schweifen, wenn das Schlechte liegt so nah?" bzw.
sie sind "weg, um weg zu sein, und weg, um wiederzukommen".
Die Thesen der Referenten und Slammer sorgten für anregende
Diskussionen, die mit großem Fingerspitzengefühl von dem Schweizer
Risikoforscher Prof. em. Dr. Matthias Haller moderiert wurden. Die
Zahl der Teilnehmer und der starke Applaus zum Abschluss der
Veranstaltung belegten erneut die Bedeutung des Petersberger Forums.
Originaltext: Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
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, Internet: www.vnr.de,
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