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Mittwoch, 11. November 2009


Frankfurt am Main (ots) - Ein vermeintliches Schönwetter-Thema
entpuppt sich in stürmischen Zeiten als Gewinner: Die Unternehmen
setzen auf Green Logistics als probates Mittel zur Kostensenkung.
Und: Aktivitäten in Sachen Umweltschutz sind obendrein gut für das
Image. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des
Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME),
Frankfurt, in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Paul Wittenbrink von der
Dualen Hochschule Baden-Württemberg Lörrach zeigt. 171 Unternehmer,
darunter Verlader und Dienstleister aller Branchen, waren im
September und Oktober 2009 zu ihren Green-Logistics-Aktivitäten
befragt worden. Sie erwirtschaften einen Gesamtumsatz von rund 453
Mrd. Euro.

81% der befragten Firmen wollen ihre Umweltschutz-Maßnahmen
unverändert vorantreiben oder sogar steigern. Nur 1,4% von ihnen
planen, die Aktivitäten zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes aufgrund
der schwierigen Konjunkturlage vorerst einzustellen. Damit ist klar:
Green Logistics ist kein zeitweiliges Modethema, das in schlechten
Zeiten schnell wieder an Bedeutung verliert. "Es ist vielmehr ein
langfristiger Trend, der auch in Krisenzeiten hohe Relevanz hat. Die
Prozess-Optimierung ist dabei das Gebot der Stunde. Sie wirkt wie ein
Katalysator, der die anderen Maßnahmen zur Bewältigung der Finanz-
und Wirtschaftskrise sinnvoll ergänzt", sagt BME-Hauptgeschäftsführer
Dr. Holger Hildebrandt.

Betrachtet man den Bereich Einkauf/Logistik/Prozesse näher, zeigt
sich ein differenziertes Bild. Die Prozessoptimierung (99% der
Befragten - das ist der höchste Wert der Studie) und die Optimierung
des Einkaufs (94%) sind bei fast allen Unternehmen bereits umgesetzt
oder in Planung. Eine entscheidende Rolle spielen auch die
Logistikdienstleister. Für die meisten Unternehmen haben die
gemeinsame Prozessoptimierung (98%) und die Neuverhandlungen der
Preise (89%) eine höhere Relevanz als die Neuausschreibung (82%) oder
gar ein Wechsel des Dienstleisters (52%). "Hier steht der Wunsch,
einen guten Dienstleister möglichst zu halten, ohne auf die
Kostensenkungen verzichten zu wollen", betont Prof. Wittenbrink.

Die BME-Studie ging auch der Frage nach, warum sich die
Unternehmen für den Umweltschutz engagieren. Für 33% sind die
CO2-Emissionen heute schon ein bedeutender Kostenfaktor. 56%
erwarten, dass die CO2-Emissionen in Zukunft teurer werden. "Insofern
will man sich schon heute auf mögliche Kostensteigerungen in der
Zukunft vorbereiten", erläutert Prof. Wittenbrink. Entscheidend ist
für die Unternehmen aber der Kundenwunsch. Drei Viertel der
Unternehmen geben als Grund für ihre Umweltschutzaktivitäten ein
steigendes Umweltbewusstsein der Kunden an. Schon wegen des
wachsenden Umweltbewusstseins der Bevölkerung (46%) und der positiven
Wirkungen auf das Image des eigenen Unternehmens (84,8%) ist es
wichtig, sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen. Umweltschutz
entwickelt sich auch bei den Verladern somit zunehmend zu einem
Wettbewerbsfaktor.

Die Verlagerung von Sendungen auf Bahn oder Binnenschiff aus
Umweltgründen ziehen 13,2% in Betracht. Für 67,5% ist der Wechsel des
Verkehrsträgers keine Option, um CO2 einzusparen. Vielmehr scheinen
der Einsatz zukunftsorientierter Umwelttechnik und organisatorischer
Maßnahmen beim Straßengüterverkehr eine wesentliche Rolle zu spielen.
Fast die Hälfte (49%) plant, durch aerodynamische Maßnahmen den
Kraftstoffverbrauch und damit den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Noch
mehr Unternehmen setzen auf Leichtlaufreifen oder
Reifenfülldrucküberwachungssysteme. Zunehmend machen sich die
Unternehmen auch Gedanken über den Einsatz einer
Start-Stopp-Automatik in ihren Verteilerfahrzeugen. Für 68,1% ist die
Telematik in Zukunft ein Thema. 63% haben die Fahrerschulung schon
umgesetzt. Prof. Wittenbrink: "Die Beispiele zeigen, dass sich bei
den Unternehmen zunehmend die Erkenntnis durchsetzt, dass sich mit
Energieeinsparung Kosten und Emissionen senken lassen und
Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit kein Zielkonflikt sein muss."

Green Logistics als Wettbewerbsfaktor

Dienstleister mit besonderem Umwelt-Engagement stehen bei den
Unternehmen hoch im Kurs. 88,9% würden zwar keine höheren Preise
bezahlen, diesen Anbietern aber dennoch den Vorzug geben. Bei einer
ähnlichen BME-Umfrage vor zwei Jahren lag dieser Wert bei 81%. Damit
hat sich erneut bestätigt: Green Logistics als Wettbewerbsfaktor
setzt sich durch. 5,6% sind sogar bereit, höhere Preise zu
akzeptieren, wenn sich damit CO2-Emissionen reduzieren lassen. Prof.
Wittenbrink: "Diese Ergebnisse decken sich mit der Erfahrung, dass
Green Logistics auch bei Ausschreibungen eine zunehmende Rolle
spielt."

Strategien zur Krisenbewältigung

Die Logistik-Branche versucht, mit vielfältigen
Anpassungsstrategien der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise
entgegenzuwirken. Für 75,7% ist eine schnellere Auftragsabwicklung
ein wichtiger Hebel, der gegenwärtigen Konjunkturflaute zu begegnen.
87,7% setzen auf die stärkere Bündelung ihrer Sendungen.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass schon mehr als die
Hälfte der Befragten mit Unternehmen aus derselben Region kooperieren
und sogar 54,5% innerhalb der eigenen Branche den Zusammenschluss
suchen. Noch deutlicher ist der Wille innerhalb des eigenen Konzerns,
Einsparungen durch verstärkte Kooperation zu erzielen (76%). "Gerade
die regionale Zusammenarbeit ist für den BME der Schlüssel zum
unternehmerischen Erfolg. Wir unterstützen diesen Gedanken und
ermuntern unsere Mitglieder, es anderen gleichzutun", betont
BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Holger Hildebrandt.

Reserven bei Transport-Verlagerung

Unzureichender Kundenservice hält so manches Unternehmen davon ab,
Transporte von der Straße auf die Schiene und das Wasser zu
verlagern. Kritik trifft vor allem die Bahn. Sie sei zu unflexibel
und nicht schnell genug. Gerade diese beiden Faktoren werden in
Zeiten sinkender Lagerbestände immer bedeutender. Daher ist es nicht
verwunderlich, dass 67,5% der Umfrage-Teilnehmer in den nächsten drei
Jahren keinen Gedanken an eine Verlagerung ihrer Sendungen auf die
Schiene verschwenden. Immerhin 13,2% spielen mit dieser Option.

Bahnverkehr muss attraktiver werden

Die Gründe dafür liegen insbesondere in der zu geringen
Schnelligkeit und Flexibilität des Verkehrsträgers Schiene. Diese
Faktoren gewinnen gerade in Zeiten sinkender Lagerbestände an
Relevanz. Nach wie vor wünschen sich die Unternehmen einen besseren
Kundenservice vonseiten der Güterbahnen (44,2%). Dieser hat für die
Unternehmen eine höhere Relevanz hat als die Preise. Interessant: Im
Vergleich zur gleichlautenden Frage bei der BME-Umfrage 2007
unterscheiden sich die Ergebnisse kaum. Demnach besteht weiterhin
Handlungsbedarf bei der Schiene. 35% gaben an, dass ihr eigenes
Sendungsvolumen zu gering ist, um ganze Waggons oder Wechselbrücken
für einzelne Relationen zu füllen. Hier sind die
Logistik-Dienstleister gefragt. Sie müssen Sendungen bündeln bzw. den
Transport auf die Schiene organisieren. Leider bieten dies noch zu
wenig an.

CO2-Reduktion: Stärkerer Einfluss der Politik gefragt

Um eine deutliche Senkung der CO2-Emissionen im Güterverkehr zu
erreichen, fordern fast zwei Drittel der Befragten den Einsatz
marktwirtschaftlicher Instrumente wie Preise und Steuern. Fast ein
Viertel der Unternehmen verlangt zudem eine Einbeziehung des
Güterverkehrs in den Emissionshandel. Vielen reichen die aktuellen
staatlichen Maßnahmen nicht aus. Wie schon bei der BME-Umfrage 2007
fordern auch 2009 wieder über 80% zusätzliche Anstrengungen.
Lediglich 13,8% halten die aktuellen Maßnahmen für ausreichend, 2007
waren es noch 16%.

IT-Dienstleister profitieren von der Krise

IT-Dienstleistungen werden stark nachgefragt. 88,5% der
Umfrage-Teilnehmer wollen die Krise in den Griff bekommen, indem Sie
unter anderem ihren IT-Service verbessern.

Fach- und Führungskräfte sind wieder begehrt

Fach- und Führungskräfte stehen wieder hoch im Kurs. 41,8% denken
darüber nach, Logistik-Profis einzustellen, 18,4% haben dies bereits
getan. Ein weiterer Trend: 65,7% versuchen, ihr eigenes Personal
möglichst zu halten und auf Entgeltkürzungen zu verzichten (58,4%).
Entlassungen haben als probates Mittel zur Krisenbewältigung an
Bedeutung verloren. Dafür trifft es externe Kräfte wie die
Zeitarbeiter. 76,3% gaben an, sich von diesen Mitarbeitern bereits
getrennt zu haben oder dies zu beabsichtigen. Die aktuelle
Auftragslage wird genutzt, um die eigenen Mitarbeiter weiterzubilden
(80,7%).

Wirtschaftliche Perspektiven hellen sich auf

Die Krise dürfte ihren Höhepunkt bereits überschritten haben. 80%
glauben, dass es nicht weiter bergab geht bzw. deutlich besser wird.
Nicht zuletzt wegen der globalen Konjunktureinbrüche stellt sich die
Situation für fast alle Befragten heute schlechter oder zumindest
nicht besser dar als noch vor 2 Jahren (zusammen 96%).

Grafiken finden Sie unter www.bme.de (News)

Die komplette Studie ist ab Dezember 2009 beim BME erhältlich.

Weitere Infos:
Prof. Dr. Paul Wittenbrink
Professor für Transport und Logistik
Duale Hochschule Baden-Württemberg Lörrach
Tel.: 01 78/78 55 45 4
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie es sehen können

Gunnar Gburek
Bereichsleiter Logistik
Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)
Bolongarostraße 82
65929 Frankfurt
Tel.: 0 69/3 08 38-1 21
E-Mal: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie es sehen können

Originaltext: Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V.
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Pressekontakt:
ANICHTSEXEMPLARE/WEITERE INFOS:
Sabine Ursel
Leitung Kommunikation
Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)
Bolongarostraße 82, 65929 Frankfurt
Tel. 0 69/3 08 38-1 13, mobil 01 63/3 08 38 00
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www.bme.de

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