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Frankfurt/Main (ots) - Die chemische Industrie in Deutschland hat
eines der schwierigsten Jahre in ihrer Geschichte hinter sich
gebracht. Der Einbruch der Chemieproduktion in 2009 von 10 Prozent
gegenüber dem Vorjahr, der alle Geschäftsfelder erfasste, lässt sich
nur mit dem Rückgang in der ersten Ölkrise vor 35 Jahren vergleichen.
In der Branche überwiegt jetzt jedoch wieder Zuversicht, die
Unternehmen hoffen auf bessere Geschäfte. Der Verband der Chemischen
Industrie (VCI) geht davon aus, dass die Produktion im nächsten Jahr
um 5, der Umsatz um 6 Prozent steigen wird. Dabei spiele der
Basiseffekt allerdings eine große Rolle: "Wir kommen aus einem tiefen
Tal. Der Weg zurück zum Gipfel, auf dem die Chemie noch im ersten
Halbjahr 2008 stand, wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen", betonte
VCI-Präsident Prof. Dr. Ulrich Lehner vor der Presse in Frankfurt.
Auch wenn in der zweiten Jahreshälfte die meisten der
vorübergehend abgeschalteten Anlagen wieder angefahren worden seien,
dürfe die Krise "noch nicht zu den Akten gelegt werden", erklärte
Lehner. Die branchenweite Kapazitätsauslastung liege mit aktuell 77
Prozent weiterhin deutlich unter dem in der Chemie üblichen Niveau
von 83 bis 85 Prozent.
Umsatz
Der Gesamtumsatz der deutschen chemischen Industrie verfehlte 2009
das Vorjahresniveau um 12,5 Prozent und sank auf 154,4 Milliarden
Euro. Das Geschäft mit Kunden im Ausland zeigte sich dabei etwas
stabiler als der Inlandsumsatz: Der Auslandsumsatz sank um 12 Prozent
auf 85,4 Milliarden Euro. Der Inlandsumsatz brach um 13,5 Prozent auf
69,0 Milliarden Euro ein.
Preise
Die Chemikalienpreise sind 2009 auf breiter Front gesunken. Sie
lagen im Durchschnitt um 2,5 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.
Stark rückläufige Rohstoffkosten für Öl und Gas und die schwache
Nachfrage zogen die Preise nach unten. Ab Mitte des Jahres
stabilisierte sich die Situation.
Beschäftigung
Die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche ging verglichen mit dem
starken Einbruch der Produktion nur wenig zurück: Die deutsche
Chemieindustrie beschäftigte 2009 mit durchschnittlich 435.000
Mitarbeiter rund 1,5 Prozent weniger Personal als ein Jahr zuvor.
"Kurzarbeit und flexible Instrumente aus dem Tarifvertrag haben einen
stärkeren Stellenabbau verhindert. Das gesamte verarbeitende Gewerbe
in Deutschland hat in derselben Zeit fast doppelt so viele
Arbeitsplätze verloren", erklärte der VCI-Präsident.
Investitionen
Im Zuge der Weltwirtschaftskrise sowie der Kostensenkungsprogramme
haben die Chemieunternehmen ihre Investitionen im Jahr 2009 deutlich
zurückgefahren, berichtet der VCI. Kleinere Investitionsvorhaben
wurden verschoben, mit der Planung größerer Projekte hielten sich die
Firmen stark zurück. Dadurch sanken die Investitionen der Chemie um
10 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Angesichts der niedrigen
Kapazitätsauslastung wurde besonders auf Erweiterungsinvestitionen
verzichtet. Die geringe Auslastung der Produktionsanlagen spricht
nach Ansicht des VCI dafür, dass die Unternehmen ihre Investitionen
2010 nicht ausdehnen werden. VCI-Präsident Lehner: "Wir gehen
allerdings davon aus, dass das Investitionsniveau in etwa gehalten
wird."
Exporte und Importe
Die Exporte, die neben den Auslandsumsätzen der Chemieunternehmen
auch Re-Exporte sowie Chemieexporte anderer Wirtschaftszweige ins
Ausland enthalten, sanken 2009 um 12 Prozent auf 123,2 Milliarden
Euro. Angesichts der schwachen Industriekonjunktur waren die Importe
chemischer Erzeugnisse stark rückläufig. Sie lagen mit 86,8
Milliarden Euro rund 11 Prozent niedriger als in 2008.
Trotz der globalen Wirtschaftskrise erzielt die chemische
Industrie auch 2009 einen Außenhandelsüberschuss von mehr als 36
Milliarden Euro, schätzt der VCI. Über 55 Prozent ihrer Produktion
verkauft die Branche heute in andere Länder. Dies zeige, dass "Chemie
made in Germany" ein weltweit geschätztes Qualitätssiegel darstelle,
unterstrich Lehner. In den letzten Jahren agierte keine andere
Chemienation auf dem Weltmarkt erfolgreicher als die deutsche
Branche: Mit zuletzt 12,6 Prozent sicherte sie sich den größten
Anteil an den Weltexporten für chemisch-pharmazeutische Waren. Dabei
stellt die Europäische Union den mit Abstand wichtigsten Exportmarkt
für die deutschen Chemieunternehmen dar. Fast zwei Drittel ihrer
Ausfuhren gehen in die übrigen 26 Mitgliedsstaaten der EU.
Ob die Chemie ihre historische Exportstärke auch zukünftig
beibehalten werde, hängt für Lehner wesentlich von der
internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Chemieunternehmen am
Standort Deutschland ab. Hierfür brauche die Branche die
Unterstützung der Politik und geeignete Rahmenbedingungen.
"Angestammte Marktanteile gibt es für keine Nation im globalen
Wettbewerb. Die Karten werden jetzt in den Industriestaaten für die
Zeit nach der Krise neu gemischt", betonte der VCI-Präsident.
Originaltext: Verband der Chemischen Industrie e.V.
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