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Berlin (ddp-bln). Die SPD drängt bei Gesundheitssenatorin Katrin
Lompscher (Linke) auf eine zügige Vorlage des neuen Berliner
Ladenöffnungsgesetzes. Die Gespräche mit den Beteiligten wie Kirchen
und Gewerkschaften seien seit langem abgeschlossen, sagte
SPD-Fraktionsgeschäftsführer Christian Gaebler. Zudem sei der zu
regelnde Sachverhalt nicht so kompliziert. Lompscher solle deshalb
«ein bisschen Dampf geben». Streit gibt es in der rot-roten Koalition
auch um die Öffnungszeiten im Hauptbahnhof.
Der Entwurf für das Gesetz werde derzeit mit anderen
Senatsverwaltungen wie Wirtschaft und Justiz abgestimmt, sagte
Lompschers Sprecherin Marie-Luise Dittmar. Er solle Anfang bis Mitte
Mai vom Senat beschlossen werden und werde anschließend ins Parlament
eingebracht. Details zu den Neuregelungen wollte die Sprecherin noch
nicht nennen.
Die Novellierung ist notwendig, weil das seit 2006 geltende
Berliner Ladenöffnungsgesetz Ende 2009 vom Bundesverfassungsgericht
in Teilen gekippt worden war. Die Karlsruher Richter sahen
insbesondere die erlaubte Öffnung an allen vier Adventssonntagen als
verfassungswidrig an. Gegen das bundesweit liberalste Gesetz, das
insgesamt bis zu zehn Ladenöffnungen an Sonn- und Feiertagen pro Jahr
gestattete, hatten die Kirchen geklagt.
Beim Hauptbahnhof befürworteten die SPD-Wirtschaftsexperten indes
eine Sonderregelung nach dem Vorbild des Flughafens Tegel, sagte
Gaebler. Dort dürfen die Geschäfte auch sonntags Waren des täglichen
Bedarfs anbieten, während im Hauptbahnhof derzeit nur der Verkauf von
Reisebedarf wie Zeitungen oder Stadtplänen erlaubt ist. Viele
Ladeninhaber befürchten dadurch massive Umsatzeinbußen.
Lompscher lehnt die Übernahme der Tegel-Regelung als «Aushöhlung
des gesetzlichen Sonntagsschutzes» ab. Es gebe rechtlich dann aus
Gründen der Gleichbehandlung keine Möglichkeit mehr, Einkaufszentren
in der Nachbarschaft von Bahnhöfen die weitergehenden Öffnungszeiten
zu versagen. Diese Auffassung werde vom Handelsverband
Berlin-Brandenburg geteilt.
Dagegen sagte Gaebler, der Hauptbahnhof habe eine «ähnlich
herausgehobene Position» im Reiseverkehr wie der Flughafen Tegel, so
dass eine Einzellösung «vertretbar» sei. Um den Vorgaben des
Bundesverfassungsgerichts zu entsprechen, könnten die Öffnungszeiten
auf die Nachmittage beschränkt werden, schlug er vor. Eine komplette
Freigabe der Öffnungszeiten für alle Fernbahnhöfe, wie es die FDP
verlangt, lehnte er dagegen ab.
(ddp)
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