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München (ots) -
- Blitzumfrage unter Einkaufsleitern von 19 produzierenden
Unternehmen: Momentaufnahme der aktuellen Versorgungssituation
- 79% der befragten Unternehmen berichten von deutlicher Zunahme von
Lieferengpässen in den vergangenen Wochen
- 74% bezeichnen die Situation als "kritisch" oder "sehr kritisch";
Produktionseinschränkungen sind wahrscheinlich
- 69% erwarten keine dauerhafte Verschärfung der Lage durch die
Störung der Transportketten im Zusammenhang mit dem Vulkanausbruch
Lieferengpässe im produzierenden Gewerbe gefährden zunehmend den
wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland. In den vergangenen Wochen
hat sich die Versorgungssituation in vielen Unternehmen drastisch
verschlechtert, mit der Folge, dass der normale Ablauf der Produktion
zunehmend bedroht ist. Die Gründe dafür liegen sowohl im
Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage als auch im verzögerten
Zusammenspiel der Wertschöpfungsketten. Den Vulkanausbruch auf Island
und die damit verbundenen Störungen im Flugverkehr sehen die meisten
Unternehmen dagegen nicht als verschärfenden Faktor. Das ist das
Ergebnis einer Blitzumfrage, die Roland Berger Strategy Consultants
unter Einkaufsleitern im produzierenden Gewerbe durchgeführt hat.
"Unsere Umfrage zeigt, dass Lieferengpässe zunehmend zur Gefahr
für den beginnenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland
werden", sagt Thomas Rinn, Partner im Kompetenzzentrum Operations
Strategy bei Roland Berger Strategy Consultants. "Auch wenn unsere
Umfrage nur eine Momentaufnahme ist und sich nicht eins zu eins auf
die Gesamtwirtschaft übertragen lässt, zeigt sie: Viele Unternehmen
spüren zwar eine deutlich anziehende Nachfrage, aber gleichzeitig
haben die Lieferengpässe in den vergangenen Wochen dramatisch
zugenommen." Etwa drei Viertel (74%) der Unternehmen bezeichnen die
Situation bereits als kritisch. Hinzu kommt, dass sich die Situation
durch Verzögerungseffekte in der Wertschöpfungskette eher noch
verschärfen wird. "Damit werden Produktionseinschränkungen immer
wahrscheinlicher, was wiederum insgesamt den Aufschwung verlangsamen
dürfte", sagt Rinn.
Gründe für Lieferengpässe
Besonders häufig treten Versorgungsprobleme bei
Elektronikkomponenten, Guss- und Schmiedeteilen sowie bestimmten
Rohstoffen auf, wobei in den meisten befragten Unternehmen gleich
mehrere Warengruppen betroffen sind. Die Experten von Roland Berger
haben unterschiedliche Gründe für die derzeitige Häufung von
Lieferengpässen ermittelt: Auf der Angebotsseite wurden in der Krise
durch Kurzarbeit, Personalabbau oder Fabrikstillegungen Kapazitäten
abgebaut. "Die stillgelegten Kapazitäten müssen die Unternehmen jetzt
erst wieder hochfahren", sagt Roland Berger Projektmanager Sebastian
Durst. "Das braucht Zeit, zumal viele Unternehmen noch zurückhaltend
sind, weil sie Zweifel an der Nachhaltigkeit des Aufschwungs haben."
Dazu kommt eine bewusste Verknappung des Angebots, um die Preise zu
erhöhen oder stabil zu halten.
Auf der anderen Seite steht eine deutliche Zunahme der Nachfrage:
95% der befragten Unternehmen spüren eine Belebung ihres Geschäfts
und benötigen entsprechend wieder mehr Rohstoffe und zugelieferte
Teile. "Dass viele Unternehmen nicht mit einem so deutlichen
Aufschwung gerechnet haben, verschärft die Situation zusätzlich",
sagt Durst. Dazu komme, dass die Nachfrage je nach Produkt zum Teil
heftig schwanke. "Die Ursachen für Lieferengpässe sind je nach
Warengruppe unterschiedlich stark ausgeprägt", sagt Durst.
Vulkanausbruch spielt untergeordnete Rolle
Zwei weitere Gründe für die Lieferengpässe betreffen die
Wertschöpfungskette insgesamt: Einerseits haben alle Beteiligten
während der Krise die Sicherheits- und Pufferbestände abgesenkt und
dabei teilweise überreagiert. Andererseits ist jetzt ein
gegenläufiger Effekt zu beobachten: "Vor dem Hintergrund der
Lieferengpässe bestellen oder reservieren die Unternehmen jetzt zum
Teil mit deutlichen Sicherheitsaufschlägen, um so ihre eigene
Versorgung zu sichern." Das sorgt für zusätzliche Engpässe. Der
Vulkanausbruch auf Island und das dadurch ausgelöste Chaos bei der
Luftfracht beeinflusst die Lieferketten dagegen der Umfrage zufolge
nur am Rande. Am ehesten betroffen hiervon sind Unternehmen der
Automobilindustrie. Dagegen erwarten rund 70% der Unternehmen nicht,
dass sich die Lage durch die vulkanbedingten Lieferstörungen
zusätzlich dauerhaft verschlechtert. "Der Vulkanausbruch in Island
hat ein Problem noch einmal verschärft und in den Blickpunkt des
Interesses gerückt, das vorher auch schon da war. Die Probleme mit
ihren Lieferketten hatten viele Unternehmen aber vorher auch schon -
und werden sie in den kommenden Monaten auch noch haben, wenn niemand
mehr über den Vulkan redet", sagt Rinn.
Die Experten von Roland Berger haben Ansatzpunkte zur Überwindung
der Lieferengpässe erarbeitet: Dazu gehören unter anderem ein
nachfragegerechter Kapazitätsaufbau, ein realistisches
Bestellverhalten und der Verzicht auf eine "künstliche" Verknappung.
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Originaltext: Roland Berger Strategy Consultants
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