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Rückblick: Island und die Finanzkrise |
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Sonntag, 8. März 2009 |
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Island und die Bankenkrise
Landläufig wird der Beginn der weltweiten Finanzkrise auf den Herbst der Jahres 2008 gesetzt, als sich die Nachricht vom Zusammenbruch der amerikanischen Bank Lehmann Brothers wie ein Lauffeuer verbreitete. Doch die ersten Anzeichen gab es schon ein halbes Jahr zuvor, als die Finanzwelt von Island stark ins Wanken geriet.
An der Börse wurden Wetten abgeschlossen, bei denen man von einem Konkurs der größten Unternehmen des Landes ausging. Den Managern der vierzig beteiligten Hedgefonds unterstellt man sogar ganz offen, dass mit Gerüchten gearbeitet wurde, deren einziges Ziel es war, die Gewinne der Fonds zu erhöhen und die dem isländischen Finanzwesen mit ihren Spekulationen stark geschadet haben. Die Fondsmanager sollen angeblich von der amerikanischen Bear Stearns Bank bereits im Januar auf diesen hoch spekulativen Kurs eingeschworen worden sein.
In den Monaten nach diesem Treffen der Fondsmanager rutschte die isländische Krone im Forex Trading immerhin um mehr als dreißig Prozent ab, was der Wirtschaft des Landes zusätzliche Schwierigkeiten einbrachte, denn dieser niedrige Kurs wirkte sich mit einer Steigerung sehr deutlich bei den Kosten für die auf dem Weltmarkt einzukaufenden Rohstoffe und Dienstleistungen aus. Dadurch stieg in Island die Inflationsrate dramatisch an. Um diesen Vorgang aufzuhalten, entschloss sich die Isländische Zentralbank zu einer neuerlichen Erhöhung der Leitzinsen, die durch das gigantische Wirtschaftswachstum der vorangegangenen Jahre ohnehin schon mit fünfzehn Prozent zu den Spitzenreitern der Welt zählten.
Das führte in der Folge dazu, dass die großen isländischen Banken sich ihr benötigtes Fremdkapital zunehmend auf dem ausländischen Kreditmarkt besorgten. Wieder spielten die Hedge Fonds eine sehr negative Rolle. Nachdem die Leitindizes der isländischen Aktien um mehr als ein Fünftel fallen, beginnen die Manager der Hedge Fonds damit, ihr auf isländischen Sparkonten deponiertes Geld in gigantischen Größenordnungen abzuziehen. Auch das Volumen der Carry Trades wird deutlich dezimiert.
Der Abzug des Fremdkapitals und der damit verbundene Umtausch im Forex Trading in andere Währungen lässt die Isländische Krone weiter ins Bodenlose fallen. Einer der Gewinner im Forex Trading ist zu diesem Zeitpunkt der Euro. Bei den Banken werden erste finanzielle Engpässe sichtbar. Zu den Betroffenen gehört unter anderem die Kaupthing Bank, weil ein massiver Run der ausländischen Anleger auf ihre Spareinlagen einsetzt. Noch geht man von Seiten der Beobachter und Politiker davon aus, dass Island auf Grund der in den Wachstumsjahren angelegten finanziellen Polster die entstandene Situation meistern könnte.
Doch spätestens in den ersten Oktobertagen 2008 muss man diese Hoffnung endgültig begraben. Die Kaupthing Bank muss in den USA darum betteln, einen Zahlungsaufschub eingeräumt zu bekommen. Der Ministerpräsident Islands Geir Haarde schätzt öffentlich ein, dass die wirtschaftliche Lage des Landes deutlich ernster sei, als man bisher angenommen hatte. Am 6. Oktober 2008 werden auf Grund massiver und teils gewalttätiger Proteste der aufgebrachten Bürger die rechtlichen Regelungen des Notstandes in Kraft gesetzt.
Bereits am nächsten Tag titelt der Nachrichtensender ntv mit der Schlagzeile „Island vor dem Bankrott“. Inhalt der veröffentlichten Mitteilung ist, dass die isländische Regierung mit einem im Eilverfahren in Kraft getretenen Gesetz die Kontrolle über die Banken des Landes übernommen habe. Von Seiten der Politiker wird erstmals offen eingeräumt, dass die riskanten Spekulationen der drei führenden isländischen Banken eine entscheidende Rolle bei der Entstehung dieser Finanzkrise gespielt haben.
Die erste Oktoberwoche 2008 wird erneut zu einem wahren Fiasko für die isländische Krone. Der Forex Chart im Vergleich zum Euro bricht erneut massiv ein. Seit dem Auftreten der ersten Anzeichen für die drohende Krise hat die Landewährung gegenüber dem Euro im Forex Trading fast drei Viertel ihres ursprünglichen Wertes verloren. Noch hofft man in Island, dass man die Reserven aus dem Pensionsfonds für die erfolgreiche Abwendung einer weiteren Ausbreitung der Finanzkrise einsetzen kann.
Am 8. Oktober 2008 wird bekannt, dass Island den russischen Präsidenten Putin um einen Kredit in Höhe von vier Milliarden gebeten hatte. Nachdem man in ersten Verlautbarungen behauptete, dieser hätte dem Staatsdarlehen bereits zugestimmt, wurde dieses im Laufe des Tages von russischer Seite dementiert. Ziemlich zeitgleich gewährt Schweden der Kaupthing Bank einen Notfallkredit, teilte aber gleichzeitig mit, dass der schwedische Teil der Kaupthing Bank zur Disposition stehen würde. Binnen weniger Stunden büsste die Aktie einen Drittel ihres Wertes ein und wurde aus dem Handel genommen. Die isländische Regierung hatte zuvor bereits die Landsbanki in staatliche Obhut übernommen und kündigte diesen Schritt auch schon für die Glitnir Bank an, die ebenfalls zu den größten des Landes gehörte.
Der 9. Oktober 2008 wird zu einem schwarzen Tag für die Anleger, die ihre Einlagen bei der Deutschen Filiale der Kaupthing Bank getätigt hatten. Die Bankenaufsicht BaFin sperrt mit sofortiger Wirkung den Zugriff auf die Konten und löst damit eine Welle der Empörung unter den betroffenen Kunden aus. Auch unterlag diese Filiale nicht dem deutschen Bankensicherungsfonds, so dass nach dem geltenden isländischen Recht nur knapp mehr als 20.000 Euro pro Person im Falle eines Konkurses der Bank von der isländischen Regierung erstattet werden würden. Österreich zog noch am gleichen Tag mit einer Sperrung der Konten der in ihrem Land ansässigen Filiale der Kaupthing Bank nach.
Inzwischen sucht der Staatschef des kurz vor einem Konkurs stehenden Landes beim Internationalen Währungsfonds um Hilfe nach. Am 14. Oktober 2008 wird dieses Hilfeersuchen offiziell übergeben. Parallel bleibt dennoch der Handel an den isländischen Börsen komplett ausgesetzt. Zu sehr waren die Kurse binnen kurzer Zeit durch panikartige Verkäufe ins Bodenlose geschlittert. Die einzig positive Nachricht, dass die Bürger des Landes trotz rasanter Teuerungsraten trotzdem an ihrem Konsumverhalten nichts ändern würden, verhallte fast ungehört. Am 21. November 2008 kommt aus Insiderkreisen endlich die erleichternde Nachricht für die isländische Regierung. Der IWF gewährt aller Wahrscheinlichkeit nach einen Notkredit. Auch die skandinavischen Länder signalisieren, dass sie zu einer Unterstützung des in Not geratenen Inselstaates bereit sind. Auch mit der EU werden Verhandlungen über eine mögliche Unterstützung aufgenommen.
Über den Jahreswechsel lernen auch die ersten Isländer den Begriff Arbeitslosigkeit kennen, der dort vorher überhaupt keine Rolle gespielt hatte. Die Hauptstadt wird zum Schauplatz massiver Demonstrationen, die man so seit fünfzig Jahren nicht mehr kannte und in denen der Rücktritt der amtierenden Regierung gefordert wurde. Als Folge kündigte Ministerpräsident Haarde vorgezogene Neuwahlen an. Im Februar 2009 treten erste Spitzenkräfte aus Politik und Wirtschaft zurück und noch immer ist nicht klar, welche Leistungen die Gläubiger der Kaupthing Bank erwarten dürfen.
Die in Island mit hoher Wahrscheinlichkeit durch zielgerichtete Spekulationen ausgelöste Krise ist noch lange nicht zu Ende. Mit dem Zusammenbruch der Lehmann Brother Bank aus den USA wurde der Startschuss für eine weltweite Finanzkrise gegeben, in deren Ergebnis sich jetzt auch die Staaten in Bedrängnis sehen, die noch im Sommer 2008 zur Hilfen für Island bereit und in der Lage gewesen waren.
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