ots: Berenberg Bank / Berenberg/HWWI-Studie: Verdeckte Staatsschulden ...
Dienstag, 30. Juni 2009


Hamburg (ots) - Die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise beschert
Deutschland eine Phase sprunghafter Staatsverschuldung, so das
Ergebnis der heute vorgestellten Studie "Strategie 2030 -
Staatsverschuldung", die gemeinsam von der Berenberg Bank und dem
Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut HWWI erarbeitet wurde.

Die historische Entwicklung der deutschen Staatsschulden weist
zwei prägende Phasen auf, in denen sich der Schuldenstand drastisch
erhöht hat: Phase 1 fiel in die 70er-Jahre, als der deutsche
Wohlfahrtsstaat auf- bzw. ausgebaut wurde. In Phase 2 wurde die
deutsche Wiedervereinigung finanziert. Die Bewältigung der aktuellen
Wirtschafts- und Finanzkrise wird den deutschen Staatsschulden einen
dritten Schub geben: Die Große Koalition hat Staatshilfen für ganze
Branchen bis hin zur Abwrackprämie für einzelne Autos bewilligt. "Mit
einer Flucht in die Staatsschulden sollen die Folgen der schwersten
Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit abgefedert werden", sagt
HWWI-Direktor Prof. Dr. Thomas Straubhaar. Die deutschen
Staatsschulden werden damit 1,8 Billionen Euro erreichen und von 66 %
des Bruttoinlandsproduktes (BIP) 2008 auf 80 % im Jahr 2010 steigen.
Zum Vergleich: Schulden-Weltmeister Japan liegt bei 200 %, die USA
gehen auf 100 % zu, allerdings ist dank niedriger Steuer- und
Abgabenlast dort das Potential zur Einnahmensteigerung groß.

"Neben diesen 'offiziellen' Zahlen gibt es in fast allen
Industrienationen verdeckte bzw. implizite Schulden" so Dr. Jörn
Quitzau, Volkswirt der Berenberg Bank. Bei deren Ermittlung wird
berechnet, welcher Teil von Leistungsversprechen und Verpflichtungen
nicht durch entsprechende künftige Einnahmen gedeckt sind. "Auch wenn
der Konsolidierungsbedarf der Staaten deshalb noch höher ist, als die
offiziellen Zahlen suggerieren, ist die Sorge vor kurzfristigen
Staatsbankrotten großer Industrienationen überzogen." Dennoch:
Vertrauen ist ein Grundpfleiler für die Finanzierung von
Staatsdefiziten. "Die Politik muss klarmachen, dass sie bereit ist,
die Staatsverschuldung konsequent zurückzuführen", fordert Quitzau.

Die Staatsfinanzen sind zum Streitthema des Bundestagswahlkampfs
geworden, konstatiert auch Straubhaar: "Die einen wollen Steuern
erhöhen, um die Schulden einzufangen; die anderen wollen die Steuern
senken, um die Konjunktur anzukurbeln." Beides ist schwierig. Eines
steht jedoch fest: Es wird kein Weg daran vorbeiführen, die
Staatsausgaben von ihren Höchstständen herunterzuholen. "Der Staat
wird sich als Nothelfer zurückziehen müssen - lieber früher als
später." Langfristig wird es nicht ohne eine ganz grundlegende
Steuerreform gehen, fordert Straubhaar. "Sie wird zu deutlich mehr
Steuereinnahmen, einem weiteren Abbau von Subventionen und wesentlich
weniger Staatsausgaben führen müssen."

Folgen für die Kapitalmärkte

Wenngleich die Angst vor einer liquiditätsgetriebenen Inflation
kurzfristig übertrieben ist, so kann der Liquiditätsüberhang bei
Anspringen der Konjunktur zu stärkerem Preisdruck führen - "Wir
rechnen spätestens 2011 damit", so Berenberg-Volkswirt Quitzau. Im
Rahmen breit diversifizierter Portfolios sind folgende
Sicherungsstrategien für Kapitalanleger ratsam:

- TIPS (Inflationsgeschützte Anleihen) eignen sich aufgrund des
Substanzerhalts vor allem für Vermögensanlagen und
Altersvorsorge
- Kürzer laufende Floater
- Unternehmensanleihen (mit Abstrichen)
- Unternehmen in regulierten Sektoren (wie Energie,
Telekommunikation)
- Unternehmen mit Bindungen an Realvermögen (Rohstoffe)
- Unternehmen in moderater Schuldnerposition
- Direktinvestments in Rohstoffe wie Gold, Silber, Platin, Öl
- Immobilien - in Deutschland liegen die Immobilienrenditen
deutlich über dem Anstieg der Verbraucherpreise
- Farmland und Forstinvestments

Originaltext: Berenberg Bank
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/56380
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_56380.rss2

Pressekontakt:
BERENBERG BANK
Karsten Wehmeier
Direktor Unternehmenskommunikation
Neuer Jungfernstieg 20
20354 Hamburg
 
Telefon + 49 40 350 60 - 481
Telefax + 49 40 350 60 - 907
E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie es sehen können
www.berenberg.de

Mehr Ressorts und Meldungen:

DIHK: Bad-Bank-Modell schafft Spielraum für Unternehmenskredite

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat das Bad-Bank-Modell der Bundesregierung als «richtigen Schritt» begrüßt. «Ohne eine Lösung der Bankenprobleme führt kein Weg aus der derzeitigen Krise heraus«, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer ...

Was passiert mit den «Gift»-Papieren der Banken?

Die «toxischen» Wertpapiere im Volumen von mehreren hundert Milliarden Euro sollen aus den Bilanzen der deutschen Banken verschwinden. Dies ist nötig, um eine Kreditklemme in Deutschland zu verhindern. Dabei soll ...

Zeitung: Rupprecht gegen Staatshilfen für VW Bank

Der Vorsitzende des parlamentarischen Kontrollgremiums des staatlichen Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin), Albert Rupprecht (CSU), lehnt Staatshilfen für die Volkswagen-Bank ab. ...

EZB will Ausstieg aus Finanzhilfen quartalsweise prüfen

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird beim Ausstieg aus den außerordentlichen Liquiditätshilfen für Geschäftsbanken von Quartal zu Quartal entscheiden. «Es geht jetzt nicht darum, schon einen Zeitpunkt zu nennen», sagte Direktoriumsmitglied ...

Postbank plant angeblich eine Bad Bank

Das Bad-Bank-Konzept der Bundesregierung stößt offenbar auf reges Interesse der Finanzwirtschaft. Wie der «Spiegel» am Samstag berichtete, haben bereits mehrere Banken beim Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) ihr Interesse bekundet, eine Bad ...

Zeitung: EU will Großbanken nicht grundsätzlich retten

In Schieflage geratene Großbanken sollen offenbar nach dem Willen der EU künftig nicht mehr um jeden Preis gerettet werden. Im Notfall müsse es auch möglich sein, ein grenzüberschreitend tätiges Geldinstitut ...


 
< zurück   weiter >

Zufallsartikel