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Donnerstag, 8. April 2010


Düsseldorf/München (ots) - Laut der Deloitte-Studie "2010 Global
Survey of Health Care Consumers" muss das Gesundheitswesen stärker
auf Konsumentenbedürfnisse ausgerichtet werden. Deloitte untersuchte
Zufriedenheit und Einstellung der Bürger zum Gesundheitssystem in
Deutschland, der Schweiz, Frankreich, UK, Kanada sowie den USA.
Jeweils mindestens eintausend Bürger wurden hierfür zu ihrem
Konsumverhalten sowie zum nationalen Gesundheitssystem befragt:
Obwohl in Deutschland 62 Prozent zufrieden sind, erwarten sie dennoch
deutliche Verbesserungen in der Versorgung sowie Kostensenkungen im
System. Insbesondere nach der Wirtschaftskrise schätzen deutsche
Bürger die staatliche Finanzierung des Gesundheitssystems mittel- bis
langfristig als unzureichend ein - ihre privaten Ausgaben steigen.
Das Internet wird zunehmend für Informationsbeschaffung und
Kostenvergleiche genutzt; die Mehrheit der Befragten wünscht sich
überdies eine systemgestützte Hilfe bei Auswahl und Interaktion mit
Leistungserbringern. Die internetbasierte Verwaltung elektronischer
Patientenakten sehen die Deutschen jedoch aufgrund des Datenschutzes
kritisch. Im internationalen Vergleich belegt Deutschland die
hinteren Ränge, wenn es um persönlichen Gesundheitszustand,
Systemzufriedenheit und Offenheit für neue Services geht.

"Das deutsche Gesundheitswesen darf Bürger nicht länger als
Patienten sehen, sondern muss sie vielmehr als Kunden wahrnehmen",
sagt Prof. Dr. Peter Borges, Partner im Bereich Gesundheitswesen bei
Deloitte. "Die Bevölkerung erwartet mehr Dienstleistung bei sinkenden
Kosten - doch dazu müssen die Deutschen mehr auf ihren Lebensstil
achten, Behandlungspläne einhalten und aktiver an Prävention sowie
Behandlungsvor- und -nachsorge beteiligt werden."

Gesundheit und Vorsorge der Deutschen

Laut Selbsteinschätzung der Befragten in Deutschland ist ihr
Gesundheitszustand mehrheitlich gut (39%) bis ausreichend (31%), die
Altersgruppe 45 bis 64 hingegen beurteilte die persönliche Gesundheit
als überwiegend ausreichend oder sogar schlecht (48%). Über die
Hälfte hat eine oder mehrere chronische Krankheiten - im
internationalen Vergleich ist dies die höchste Prävalenz. Dennoch
besuchte 2009 lediglich knapp ein Viertel der Betroffenen ein
Behandlungsprogramm für chronisch Kranke - eine geringe Zahl im
Vergleich etwa zu Kanada, wo immerhin ein Drittel der Befragten diese
Programme absolvierte. Die Mehrheit der Deutschen fordert finanzielle
Anreize oder Prämienabschläge beim Besuch strukturierter
Behandlungsprogramme - dies würde die Teilnahmebereitschaft um rund
84 Prozent erhöhen.

Mäßige Zufriedenheit mit Gesundheitssystem

Das deutsche Gesundheitssystem wird lediglich von 17 Prozent der
Befragten mit "sehr gut" oder "gut" beurteilt. Besonders mit der
Infrastruktur und Informationstechnologie medizinischer Einrichtungen
sind die Deutschen zufrieden. Verbesserungsbedarf besteht laut Studie
vor allem bei Zugang und Wartezeiten für Behandlungen. 51 Prozent
unterstützen überdies eine Optimierung der Behandlungs- und
Servicequalität deutscher Praxen und Krankenhäuser. Ferner steigen
die privaten Ausgaben für die Gesundheitsversorgung: 44 Prozent der
Teilnehmer gaben an, 2009 mehr für medizinische Produkte und
Dienstleistungen gezahlt zu haben, als in vergangenen Jahren. Die
Mehrheit beurteilt die staatliche Finanzierung des Gesundheitssystems
kritisch und setzt zunehmend auf private Vorsorge - 51 Prozent
fordern deshalb sinkende Kosten für medizinische Grundversorgung und
Medikamente. Die Umfrageteilnehmer äußern sich außerdem kritisch zum
Umbau des deutschen Gesundheitssystems bei damit verbundenen Kosten.
Obwohl ihnen die Grenzen der finanziellen Systembelastbarkeit bewusst
sind, sprechen sich nur 30 Prozent für eine zusätzliche
Leistungserbringung in privater Trägerschaft aus.

Trends im deutschen Gesundheitswesen

Das Internet bietet neue Möglichkeiten zur Gestaltung der
medizinischen Versorgung: 40 Prozent der Deutschen haben Interesse an
internetbasierten Systemen wie der elektronischen Patientenakte oder
Lösungen zur Verwaltung von Arztterminen und
Medikamentenbestellungen. Über die Hälfte zeigt zudem
Nutzungsbereitschaft für telemedizinische Lösungen zur Kommunikation
mit ihrem Arzt. Ebenfalls wichtiger werden Online-Hilfsmittel, um
Preise und Qualität von medizinischen Produkten und Dienstleistungen
zu vergleichen oder zu bewerten sowie für gesundheitsbezogene
Informationen. Bisher nutzen deutsche Konsumenten solche Dienste noch
wenig, denn 52 Prozent haben Bedenken bezüglich des Datenschutzes.
Eine allgemeine Verfügbarkeit der elektronischen Gesundheitskarte als
Träger dieser Mehrwertdienste würde die Unsicherheit bei rund 20
Prozent der Befragten reduzieren. Weiterhin lässt sich ein Trend zu
alternativen Behandlungsmethoden wie Akkupunktur oder Homöopathie
feststellen - jeder fünfte Befragte in Deutschland nutzt alternative
Medizin zusätzlich zur traditionellen schulmedizinischen Behandlung
oder ersetzt diese sogar ganz.

"Die Deutschen haben im internationalen Studienvergleich eine
kritische Einstellung zur Qualität ihres Gesundheitssystems. Obwohl
sie sich hochwertige und innovative medizinische Dienstleistungen bei
sinkenden Kosten wünschen, sehen sie sowohl die finanzielle
Nachhaltigkeit des Systems als auch strukturelle Veränderungen im
Gesundheitswesen ambivalent", resümiert Olaf Radunz, Manager im
Bereich Gesundheit bei Deloitte. "Politik, Leistungserbringer und
Kostenträger sollten diesen Umstand als Chance für innovative und
gleichzeitig vertrauensbildende Initiativen zur Entwicklung des
Gesundheitssektors nutzen."

Den kompletten Report finden Sie unter
http://www.presseportal.de/go2/deloitte zum Download.

Ende

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