(Feature) «Vandalismus» unter der Motorhaube nimmt zu --Von ddp.djn-Korrespondent Norbert Michulsky-
Dienstag, 27. April 2010

Frankfurt/Main (ddp.djn). Mit Beißattacken von Mardern unter der Motorhaube ist in den kommenden Wochen verstärkt zu rechnen: «Marder sind im Frühjahr, kurz vor der Paarungszeit, und bis in den Spätsommer hinein besonders aktiv», sagt Albrecht Trautzburg vom AvD in Frankfurt am Main.

Parkende Autos werden dann häufig «Opfer» ihrer Territorialkämpfe. Denn Marder-Rüden markieren die Grenzen ihres Reviers mit Urin, um Nebenbuhler von ihren Weibchen fern zu halten. Parkt ein so markiertes Auto nun an anderer Stelle, im Revier eines anderen Marders, lebt der seine Aggressionen nicht selten im Motorraum aus. Durchgebissene Zündkabel oder Kühlwasserschläuche, beschädigte Achsmanschetten oder Isoliermatten sind die Folge. Fahrzeuge, die häufig an verschiedenen Orten geparkt werden, sind entsprechend besonders gefährdet.

Nach Angaben des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV) ist die Zahl der Marderschäden in den vergangenen Jahren gestiegen: 2007 lag sie noch bei knapp über 180 000, im Jahr darauf bei fast 199 000. «Die Kosten für die von Mardern verursachten Schäden stiegen im gleichen Zeitraum von knapp 40 Millionen auf über 46 Millionen Euro», teilt Trautzburg mit. Da nur die kaskoversicherten Fahrzeuge erfasst werden, geht der AvD davon aus, dass weit mehr Autofahrer betroffen sind.

Das sieht auch die Biologin und Marderforscherin Beate Ludwig aus Melsungen so: «Marder gibt es hierzulande überall, selbst wenn wir sie nicht sehen, und sie kommen mit der Zivilisation gut klar.» Wer die unliebsamen Gäste aus der Familie der hundeartigen Raubtiere aussperren will, hat allerdings Probleme.

Präventionsstrategien sind gefragt. Doch vieles, was dazu angeboten wird, gehört in die Kategorie Mumpitz. Der Arbeitskreis Wildbiologie an der Universität Gießen hatte vor einigen Jahren im Rahmen eines Marder-Forschungsprojekts Abwehrmittel und -maßnahmen unter die Lupe genommen. «Die Ergebnisse gelten unverändert», sagt die Marderforscherin. So hat sich gezeigt, dass sich Steinmarder gegenüber Geruchs- und Bitterstoffen als unempfindlich erweisen. Wirksame Abwehrmittel könnten durch mechanische Schutzvorrichtungen und Hochspannungsabwehrgeräte verwirklicht werden, notierten die Wildbiologen zusammenfassend.

Das sieht der AvD ebenso und bevorzugt das Weidezaun-Prinzip. Elektrische Geräte hätten sich als am effektivsten erwiesen. «Der Marder bekommt einen Schlag, der ihn zwar erschreckt, aber nicht verletzt; er flüchtet», sagt Marderkennerin Ludwig. Solche Geräte kosten rund 140 Euro. Eine weitere Prävention ist das Auslegen von Maschendraht unter dem Auto. «Der frei verlegte Draht vibriert immer ein wenig», verdeutlicht Ludwig das Prinzip. Dies irritiere die Tiere. Allerdings nur eine kurze Zeit.

Hauptsächlich fallen weiche Gummiteile wie Schläuche oder Lenkmanschetten Marder-Attacken zum Opfer, und die Folgen sind kostspielig, denn nicht immer springt die Fahrzeugversicherung in die Bresche. Da die Assekuranzen ihre Vertragsbedingungen frei gestalten, kann ein Marderbiss je nach Gesellschaft und Police unterschiedlich versichert sein - oder eben auch nicht.

Hat ein Marder zugebissen, sollte man neben den nötigen Reparaturen von einer Fachwerkstatt eine Motorwäsche durchführen lassen. Das eliminiert den Attacke-auslösenden Duft im Motorraum. Ansonsten kann schon in der nächsten Nacht die nächste Bissattacke folgen.

Trautzburg empfiehlt Autobesitzern, in den kommenden Monaten besonders auf Marderspuren zu achten und falls der Motor unrund läuft, Kabel und Schläuche zu kontrollieren. Gegebenenfalls sollte ein Fachmann in der Werkstatt hinzugezogen werden, der den Motorraum nach etwaigen Marderschäden durchforstet. Weitergehende Informationen bietet der Autoclub auf seiner Website an (avd.de/startseite/recht-wissen/infothek/schuetzen-sie-sich-vor-marde rn).

Vor einem brauchen sich Marder-gebeutelte Autobesitzer allerdings nicht zu fürchten. «An die Bremsanlage gehen Marder praktisch nicht», nennt Maximilian Maurer vom ADAC die Grenzen der Bissigkeit: «Bremsleitungen sind für den Marder schlecht erreichbar und bestehen überwiegend aus hartem Material.»

ddp.djn/nom/hoe

Zusätzliche Nachrichten aus unserem Portal:

ots: Oikocredit / Wenn Investitionen ein Gesicht bekommen / So geht ...

Bonn/Mainz (ots) - Die Wirtschaftskrise hat auch etwas Gutes: Die meisten Menschen, die Geld anlegen wollen, schauen sehr viel genauer hin, wem sie zu welchen Konditionen ihr ...

Bei Gartenhaus Genehmigungspflicht prüfen

Wer sich ein Gartenhaus kaufen möchte, sollte vorher klären, welche baurechtlichen Genehmigungen dazu nötig sind. Denn je nach Bundesland gelten unterschiedliche Bedingungen, ab wann aus einer einfachen Blockhütte ein genehmigungspflichtiges ...

KfW schreibt erneut Preis für energiesparendes Sanieren aus

Die bundeseigene Förderbank KfW schreibt erneut einen Preis für energiesparendes Sanieren aus. Der Wettbewerb steht unter dem Motto «Fitnessprogramm für die eigenen vier Wände - Wohneigentum energetisch sanieren und ästhetisch ...

Solidaritätszuschlag auf dem Prüfstand

Seit fast 20 Jahren wird mit kleinen Unterbrechungen der sogenannte Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 Prozent auf die Einkommensteuer und Körperschaftsteuer erhoben. Das Niedersächsische Finanzgericht (AZ: 7 K 143/08) wird ...

Teure Straßen fast überall in Europa

Anders als in Deutschland wird auf vielen Autobahnen und Schnellstraßen Europas Maut verlangt. Dabei gibt es zwei Systeme zur Erhebung der Straßenbenutzungsgebühr: Entweder muss eine Vignette gekauft werden, oder die ...

Berliner Wasserpreise sollen vom Bundeskartellamt überprüft werden

Die Berliner Wasserpreise werden ein Fall für das Bundeskartellamt. Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) gab am Mittwoch bekannt, die Behörde mit der Überprüfung der Preise beauftragt zu haben. ...


 
< zurück   weiter >

Zufallsartikel