ots: FinanceScout24 / Rabatt fürs Öko-Auto noch nicht sehr verbreitet
Dienstag, 16. Februar 2010


München (ots) -

- Kfz-Policen: Nur knapp die Hälfte der Versicherer bietet
Spezialtarife für Hybrid-, Elektro- und Flüssiggas-Autos sowie
besonders schadstoffarme Fahrzeuge an
- FinanceScout24-Analyse zeigt: Rabatte orientieren sich am
CO2-Ausstoß, selten an der Antriebsart
- Öko-Tarife teilweise teurer als der günstigste Standard-Tarif

Die Autohersteller erkennen die Zeichen der Zeit: Sie investieren
kräftig in die Entwicklung schadstoffarmer Fahrzeuge, die mit
Elektrizität und Biokraftstoffen bewegt werden. Nur die
Autoversicherer reagieren auf diesen Trend noch zögerlich. Das hat
jetzt eine Analyse des Verbraucher- und Vergleichsportals
FinanceScout24 ergeben: Nicht einmal jeder zweite Versicherer lockt
umweltbewusste Kunden mit speziellen Ökotarifen. Und diese sind
keineswegs immer günstiger als die Standardtarife der günstigsten
Anbieter.

Belohnt werden Halter "grüner" Autos bis dato vor allem bei der
Steuer und an der Tankstelle. Die Versicherer hier zu Lande geben
dagegen meist nur kleine Rabatte. Anders zum Beispiel in der Schweiz:
Dort gewähren einige Autoversicherungen bis zu 25 Prozent
Prämien-Abschlag auf die Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung für
Hybridfahrzeuge. Auch Halter von Autos mit Biotreibstoff (Biogas,
Erdgas, Ethanol 85) werden mit ähnlich hohen Rabatten belohnt. Für
reine Elektroautos gibt es einer Analyse des Vergleichsportals
comparis.ch zufolge sogar bis zu 50 Prozent Abschlag.

In Deutschland dagegen haben nur knapp die Hälfte der von
FinanceScout24 befragten Versicherungen Öko-Rabatte im Angebot. Die
RheinlandVersicherungen geben zum Beispiel einen Rabatt auf die
Kfz-Prämie, wenn man weniger als 20.000 Kilometer im Jahr fährt
und/oder ein Jahresticket des öffentlichen Nahverkehrs besitzt. Ein
umweltfreundlicher Antrieb ist bei der Württembergischen Versicherung
und in der Kasko-Versicherung des ADAC ein Rabatt-Kriterium in Höhe
von jeweils zehn Prozent (beim ADAC nur für Mitglieder). Die meisten
Öko-Tarife richten sich aber einfach nach dem CO2-Ausstoß und sind
auf zehn Prozent begrenzt. Begründet werden die noch ausbaufähigen
Angebote unterschiedlich: Es gebe kaum Nachfrage nach solchen
Tarifen, ein klarer Trend zum Öko-Auto mit alternativem Antrieb sei
noch nicht erkennbar.

Lediglich die DEVK spricht von einer deutlich zunehmenden
Nachfrage. Die Aufbruchstimmung in der Automobilindustrie habe dazu
geführt, dass deutlich mehr "Öko-Fahrzeuge" zugelassen würden.
Deshalb habe die DEVK schon zur Abwerberunde Ende des Jahres 2008
einen Öko-Spar-Tarif eingeführt. "Wir haben damit sehr gute
Erfahrungen gemacht. Allerdings wird der Tarif relativ selten direkt
nachgefragt, da dieses Rabattmerkmal noch nicht so sehr bekannt ist",
erklärte ein Sprecher. Dennoch erhalte jeder Neukunde, der die
Voraussetzungen erfülle, den Öko-Rabatt automatisch. In der
Abwerberunde 2009/10 sei dieser rund 14 Prozent der Neukunden gewährt
worden.

Die Württembergische Versicherung gewährt bei Kfz-Haftpflicht,
Voll- und Teilkasko (als weiches Tarifmerkmal) einen Nachlass von
zehn Prozent für Fahrzeuge mit einem der folgenden umweltfreundlichen
Antriebe: Hybrid, Elektro, Brennstoffzelle, Wasserstoff, Erdgas und
Biogas. Der Anteil an "Öko-Fahrzeugen" am Gesamtbestand beträgt bei
der Württembergischen 1,1 Prozent (Stand 12/2009). Der Trend gehe
definitiv in Richtung umweltfreundliche Antriebe. Mit dem Rabatt
wolle man umweltfreundliches Kaufverhalten unterstützen.

Der Ökotarif der ERGO-Kfz-Versicherung ist ebenfalls bis zu zehn
Prozent günstiger als herkömmliche Kfz-Policen in Haftpflicht und
Kasko. Er gilt für etwa 40 Fahrzeugmodelle, vom Kleinstwagen bis zum
Großraum-Van, sofern diese Autos einen besonders geringen CO2-Ausstoß
aufweisen. Die Auswahl erfolgt unabhängig vom Antriebskonzept, allein
auf Basis der Emissionswerte. Bei Dieselmodellen setzt die ERGO
allerdings einen serienmäßigen Partikelfilter voraus. Die Liste wird
regelmäßig überarbeitet, um die hinterlegten Grenzwerte dem
technischen Fortschritt anzupassen.

Auch bei der HUK24 gibt es einen CO2-Rabatt von zehn Prozent bei
der Kfz-Haftpflicht, ebenso bei directline (und deren Vermittler
Ontos). Die AXA entwickelt derzeit einen Tarif, der auch die Art des
Kraftstoffs und des Antriebs berücksichtigt. Auf den Markt kommen
soll dieser "K-Tarif" jedoch erst im Herbst. Die Ford-Versicherung
gewährt einen Rabatt von zehn Prozent auf alle Flexifuel-Modelle von
Ford, die bei der Ford-Bank versichert werden. Diesen Rabatt bietet
auch Volvo an.

Einen eigenen Weg geht die Allianz: Deren ECOmotion-Tarif gewährt
einen Nachlass für "grüne" Autos, die bestimmte Kriterien erfüllen
müssen. Allerdings wird dieser Rabatt nicht an die Kunden
weitergegeben, sondern kommt Umweltschutzprojekten zugute.

"Autohalter sollten bedenken, dass Öko-Rabatte noch keine günstige
Versicherungsprämie garantieren", rät Dr. Errit Schlossberger, CEO
von FinanceScout24. Dies zeigten Rechenbeispiele für die
verschiedensten Regional- und Typklassen. "Entscheidend ist derzeit
noch die Grundtarifstruktur der Versicherung, nicht so sehr der
Öko-Rabatt. Wer solchen Abschlägen blind vertraut, muss das unter
Umständen mit höheren Prämien bezahlen", so Schlossberger weiter. Ein
Vergleich lohne sich deshalb immer.

Der FinanceScout24-Geschäftsführer vermutet, dass auch die unklare
Definition eines "Öko-Autos" zu der Zurückhaltung der Versicherer
beitrage. "Bis dato hat der Gesetzgeber nur für die Berechnung der
Kfz-Steuer klar festgelegt, welche Kriterien ein, Öko-Auto' erfüllen
muss", erklärt Schlossberger. Bei der im Juli 2009 in Kraft
getretenen Reform wurde neben der Hubraum-Steuer erstmals eine
Kohlendioxid-Steuer eingeführt. Von dieser befreit sind Autos mit dem
Prädikat ,schadstoffarm', die pro Kilometer weniger als 120 Gramm
Kohlendioxid freisetzen. Jedes weitere Gramm kostet zwei Euro. Ab
2012 wird die Freigrenze für Neufahrzeuge auf 110 Gramm CO2 gesenkt,
ab 2014 sogar auf 95 Gramm. Als schadstoffarm und energieeffizient
würden somit auch viele Autos gelten, die mit einem normalen Otto-
oder Dieselmotor fahren: "Natürlich profitieren auch Hybrid- und
Erdgasfahrzeuge von der Neuregelung, da diese noch deutlich weniger
CO2 ausstoßen. Und Elektro-Autos mit Batteriebetrieb verursachen gar
keine CO2-Emissionen, wenn die Elektrizität aus erneuerbaren Energien
stammt", so Schlossberger.

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Originaltext: FinanceScout24
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