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Frankfurt (ots) - Die Ignoranz der EU-Kommission und namentlich
der Wettbewerbskommissarin, was das deutsche Bankensystem angeht, ist
erschreckend. Das Dreisäulenmodell aus Privatbanken,
Genossenschaftsbanken und Sparkassen sei "überholt", so Neelie Kroes.
Sie wünscht sich "ein paar einflussreiche Banken", die auch
international eine Rolle spielen, nennt als Vorbild für moderne
Strukturen die aus säulenübergreifenden Fusionen entstandene
italienische Unicredit Group ("heute einer der Großen") und bringt
den Umstand, dass die Deutschen ihre Bank gerne "gleich um die Ecke
haben", in kausalen Zusammenhang mit der Notwendigkeit,
milliardenschwere Bankenrettungspakete zu schnüren.
Bizarrer lässt sich kaum noch argumentieren. Sind etwa die
Säulenstruktur und die Kleinteiligkeit der deutschen Geldbranche
schuld an der Finanzkrise? Wünscht Kroes sich mehr Große der
Kategorie Commerzbank, Hypo Real Estate oder vielleicht Lehman
Brothers, die "too big to fail" sind oder, wenn die Regierungen sie
dann doch einmal fallen lassen, deren Pleite das globale Finanzsystem
und die Weltwirtschaft mindestens an den Rand des Abgrunds bringt?
Plädiert ausgerechnet Europas oberste Wettbewerbshüterin für
oligopolistische Strukturen, die - wie in Großbritannien - zu einer
eklatanten Unterversorgung weiter Landesteile und
Bevölkerungsschichten mit Finanzdienstleistungen führen, aber nicht
verhindert haben, dass dort die halbe Bankenprominenz vom
Steuerzahler aufgefangen und verstaatlicht werden musste?
Dass man in einem Land mit der Wirtschaftskraft Deutschlands froh
sein kann, einen starken und risikobewussten Global Player wie die
Deutsche Bank zu haben: logisch. Aber davon abgesehen: Von den
Sparkassen und den Volksbanken ist die Krise nicht ausgegangen.
Gerade die in der EU-Hauptstadt traditionell herablassend behandelten
dezentralen Verbünde haben sich dank ihrer Struktur und
Geschäftsphilosophie als Felsen in der Brandung bewährt. Und auch
manch kleineres Privatbankhaus, für das es in Kroes' Bankenweltbild
wohl ebenfalls keinen Platz gibt, darf man zu den eher
stabilisierenden Streben des Systems zählen. All diese
Strukturelemente des nach der absonderlichen Brüsseler Logik
"überholten" deutschen Bankenwesens sorgen für gesunden Wettbewerb
und für die Versorgung mit Konten und Krediten auch in Regionen, aus
denen sich die Unicredits dieser Welt längst zurückgezogen haben.
Originaltext: Börsen-Zeitung
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