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Hamburg (ddp). Noch vor ihrem offiziellen Amtsantritt hat die neue
niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) für Zündstoff in
der Union gesorgt. Özkan hatte sich in Interviews unter anderem für
ein Verbot von Kruzifixen an deutschen Schulen ausgesprochen. Zudem
forderte sie «ergebnisoffene Beitrittsverhandlungen» für einen
EU-Beitritt der Türkei und stellte sich damit gegen die Linie der
Partei. Kritik gab es insbesondere aus Reihen der CSU.
Der Integrationsbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und
Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Stefan
Müller, bezeichnete die Äußerungen der 38-Jährigen zum Kruzifixverbot
als «abwegig und erschreckend». «Politiker, die Kreuze aus Schulen
verbannen wollen, sollten sich überlegen, ob sie in einer
christlichen Partei an der richtigen Stelle sind», sagte Müller. Das
Kreuz stehe in der Union für das Fundament «unserer Identität,
unserer Kultur und unserer Werte», fügte er hinzu.
Özkan hatte in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin «Focus»
erklärt, dass christliche Symbole nicht an Schulen gehörten. «Die
Schule sollte ein neutraler Ort sein», sagte sie. Ein Kind müsse
selbst entscheiden können, wie es sich religiös orientiere.
Auch in ihren Ansichten zu einem EU-Beitritt der Türkei
provozierte Özkan Widerspruch. Dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel»
sagte die türkischstämmige Hamburgerin, dass die
Beitrittsverhandlungen weiter ergebnisoffen betrieben werden. Sie
sollten «nicht durch Diskussionen gestört werden, die versuchen, das
Ergebnis vorwegzunehmen». Deswegen sei sie «dagegen, der Türkei nur
eine privilegierte Partnerschaft anzubieten».
Müller hingegen lehnte eine Vollmitgliedschaft der Türkei am
Samstag erneut kategorisch ab. «Auch nach noch so langen
Verhandlungen wird die Türkei nie zu einem europäischen Staat», sagte
er. Auch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel lehnt eine
Vollmitgliedschaft der Türkei ab. Als Kanzlerin wurde sie bisher von
den Koalitionspartnern SPD und FDP gedrängt, die Verhandlungen «als
Prozess mit offenem Ende» zu führen.
Özkan ist die erste türkischstämmige Ministerin in Deutschland.
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte
die Muslimin am Montag für sein Kabinett als neue Sozial- und
Integrationsministerin vorgestellt. Am Dienstag soll sie im Landtag
in Hannover zusammen mit drei weiteren neuen Ministern vereidigt
werden.
Nach mehreren Drohungen gegen sie hat das Landeskriminalamt
Hannover bereits ein «abgestuftes Sicherheitskonzept» erstellen
lassen, das unter anderem Leibwächter vorsieht. In Niedersachsen
werden üblicherweise nur der Ministerpräsident und der Innenminister
von Personenschützern begleitet. In mehreren Emails und Foren hatten
nach der Berufung Özkans jedoch Unbekannte damit gedroht, dass etwas
passiere, wenn sie den Ministerposten annehme.
(ddp)
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