|
Hannover (ddp). Nach heftiger Kritik aus der Union hat die
künftige niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) ihre
Forderung zurückgenommen, Kruzifixe aus Klassenzimmern zu verbannen.
Einen Tag vor ihrer Vereidigung im Landtag entschuldigte sich Özkan
am Montag vor der CDU-Landtagsfraktion. Offenbar hatte sie sich zuvor
harsche Worte von Regierungschef Christian Wulff (CDU) anhören
müssen. Dieser erklärte die Debatte anschließend für beendet. Özkan
wird die bundesweit erste türkischstämmige Ministerin.
Özkan habe akzeptiert, dass Kruzifixe an Schulen gehörten, sagte
Wulff. Das «Missverständnis» sei nun ausgeräumt und Özkan werde eine
«grandiose Ministerin». Die Wahl sei schließlich nicht auf sie
gefallen, «weil sie Muslimin ist, sondern weil sie eine hervorragende
Politikerin ist und auch Muslimin». Özkan selbst machte vor der
CDU-Fraktion klar, dass sie das umstrittene Interview voreilig und
ohne ausreichende Kenntnisse des Landes Niedersachsen gegeben habe.
Am Wochenende hatte Özkan sich gegen religiöse Symbole an Schulen
ausgesprochen und damit heftigen Unmut in der Union hervorgerufen.
Insbesondere Politiker aus der CSU hatten kritisiert, Özkan solle
sich überlegen, ob sie in einer christlichen Partei an der richtigen
Stelle sei.
Auch am Montag gab es weitere kritische Stimmen aus den Reihen der
Union. Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach sah insbesondere
Auswirkungen für die Wahl in Nordrhein-Westfalen. Özkans Äußerungen
stellten einen «fatalen Beitrag zur Verunsicherung» der Mitglieder
und Wähler dar.
CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt nannte ein Kruzifix-Verbot
eine «abstruse Idee». «Solche Verunsicherungen unserer Stammwähler
sind wirklich überflüssig», sagte er. Der Vorsitzende der
Schüler-Union, Younes Ouaqasse, sagte, Wulff habe in der
Personalfrage zu voreilig entschieden. Özkan stehe nicht für Werte
der CDU. «Da ändert auch eine Entschuldigung nichts.»
Derweil bemühte sich die Bundes-CDU, Zweifel an den christlichen
Wertevorstellungen der 38-Jährigen auszuräumen. Özkan habe wiederholt
deutlich gemacht, dass sie nicht trotz, sondern wegen der
Wertevorstellungen der CDU dort eine politische Heimat gefunden habe,
sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe in Berlin.
Die SPD kritisierte die Haltung der CDU in der Debatte. Berlins
Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sprach in diesem
Zusammenhang von Scheinheiligkeit und Doppelmoral. Die Union wolle
offenbar «nur Effekte, aber keine Inhalte». Die CDU-Politikerin habe
nichts anderes getan, als auf die geltende Rechtslage nach dem Urteil
des Bundesverfassungsgerichts zu verweisen.
Rückendeckung erhielt Özkan auch vom Zentralrat der Juden. «Wenn
alle religiösen Symbole im Klassenzimmer aufgehängt werden dürften,
hätte ich kein Problem damit - aber eines allein ist schon
problematisch», sagte Generalsekretär Stephan Kramer.
Nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Thomas Saalfeld dürfte
sich die Debatte um Özkan bald erledigt haben. Sollte die Muslimin in
ihrem Amt Erfolg haben und damit deutlich werden, dass es nützlich
und positiv sei, eine türkischstämmige Frau als Ministerin zu haben,
werde sich schnell ein «Gewöhnungseffekt» in der CDU einstellen. Dazu
müsse Özkan in den kommenden Wochen vor allem durch Sachpolitik
auffallen.
(ddp)
Unsere Redaktion präsentiert Ihnen in Zusammenarbeit mit div. Nachrichtenagenturen diese Nachricht. Die Grünen besitzen nach Einschätzung ihres Mitbegründers und
ehemaligen Vorsitzenden Ludger Volmer kein sozialpolitisches Profil
mehr. In der «Saarbrücker Zeitung» (Montagausgabe) kritisierte er,
die ursprüngliche sozialökologische Ausrichtung der Partei sei ... Die SPD in Thüringen ist nach Ansicht ihres Landesvorsitzenden
Christoph Matschie der «Reformmotor» in der Koalition mit der CDU.
Matschie sagte am Samstag auf dem Landesparteitag der Thüringer
Sozialdemokraten in ... Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Gregor Gysi hat der
Bundes regierung Versagen in der Finanzkrise vorgeworfen. Im
Hörfunksender MDR Info warf Gysi der Bundes regierung am Samstag vor,
sie drücke sich ... Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD)
fordert die uneingeschränkte Gleichstellung von Frauen im
Berufsleben. «Frauen müssen für gleiche Arbeit überall das gleiche
verdienen wie Männer - ohne Ausnahme», sagte Schwesig der ... Die Mehrheiten im Berliner Abgeordnetenhaus haben sich innerhalb
einer Woche zum zweiten Mal verschoben. Mit dem Austritt der
Grünen-Abgeordneten Bilkay Öney aus Partei und Fraktion geht der
gerade erst gestärkten ... SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hat die
Steuersenkungspläne von Union und FDP erneut scharf attackiert. Es
sei «Populismus», auf der einen Seite «dicke Steuersenkungen» zu
versprechen, und auf der anderen Seite zu ...
|