|
Rostock (ddp-nrd). Mit einem deutlichen Votum für mehr
Investitionen in Kinder und Familien hat Mecklenburg-Vorpommerns SPD
ihre ersten Ziele im Wahlprogramm 2011 formuliert. Auf dem
Landesparteitag in Rostock stimmten die Delegierten am Samstag für
einen Leitantrag des Parteivorstandes, der im Falle eines erneuten
Wahlsieges weitere millionenschwere Finanzspritzen für die
frühkindliche Bildung, Kinderbetreuung in Kita und Grundschule sowie
in die Familienförderung vorsieht.
Das sei ein gewaltiges Wahlversprechen, sagte Parteivorsitzender
Erwin Sellering auf dem Parteitag. Allein dieser Posten bedeute 40
Millionen Euro mehr aus dem Landeshaushalt, «Jahr für Jahr, und das
in schwierigen Zeiten.» Konkret sollen Eltern von zu hohen
Krippenbeiträgen entlastet werden, sukzessive werde es eine
kostenlose Mittagsverpflegung für alle Kinder in den Kitas, bei
Mithilfe durch den Bund auch in der Grundschule geben. Außerdem soll
der Personalschlüssel in der Kinderbetreuung verbessert und das
Angebot individueller Hilfen für Familien ín sozialen Brennpunkten
ausgebaut werden. Das lasse sich nur Schritt für Schritt bis 2016
verwirklichen, betonte Sellering.
Die Grundzüge des von der SPD als Regierungsprogramm 2011 bis 2016
ausgewiesenen Konzepts beinhalten auch die Schwerpunkte Wirtschaft
und Arbeit, Bildung sowie mit Blick auf die ländlichen Räume «Zukunft
vor Ort». Förderung soll sich auf Zukunftsbranchen wie
Gesundheitswirtschaft und erneuerbare Energien konzentrieren. Um den
gesundheitlichen Bedürfnissen der älteren Generation besser gerecht
zu werden, soll im Land ein Lehrstuhl für Geriatrie eingerichtet
werden. Ferner beschlossen die Delegierten, dass sich die SPD gegen
Neubauten von Kohlkraftwerken wie auch gegen ein Atommülllager Lubmin
einsetzen will.
Der Leitantrag des Parteivorstandes war mit mehr als 200
Änderungswünschen diskutiert worden. Jetzt sollen die Schwerpunkte in
der Basis vorgestellt und ergänzt werden, bevor das Programm im April
vom Parteitag verabschiedet wird. Dass die SPD bereits jetzt,
eineinhalb Jahre vor den nächsten Landtagswahlen 2011, mit Leitlinien
für ein Wahlprogramm in die Öffentlichkeit geht, bezeichnete
Sellering als Zeichen für mehr Glaubwürdigkeit in der Politik. Es sei
ein gutes Aufbruchsignal, eine Initialzündung für 2011, bei der die
SPD «viel besser» dastehen werde, als das letzte
Bundestagswahlergebnis ausgefallen war.
Auf Landesebene müsse die derzeitige SPD-CDU-Koalition einen
Vergleich mit der schwarz-gelben Bundesregierung nicht scheuen, sagte
Sellering weiter. Union und FDP hätten auf Bundesebene einen
miserablen Fehlstart hingelegt. Man könne sich an drei Fingern
abzählen, dass man nicht gleichzeitig Steuergeschenke machen, mehr
Ausgaben für Bildung beschließen und Schulden abbauen könne. Diese
Rechnung gehe niemals auf, sagte Sellering. Für nötig halte er
strenge Regeln für die Finanzmärkte wie auch Strafbestimmungen für
jene, die fahrlässig Milliarden Euro in den Sand setzten und Tausende
Arbeitsplätze vernichteten.
Der Parteitag positionierte sich auch zum Auslandseinsatz der
Bundeswehr in Afghanistan. Unter Beifall der Delegierten forderte
Sellering eine neue Abstimmung im Bundestag zu der Frage: «Wollen wir
diesen Krieg wirklich noch jahrelang führen? Ich sage Nein.» Er
wisse, dass diese Haltung zu harten Reaktionen führe, aber es habe
bisher keine ernsthafte Diskussion darüber gegeben, ob Deutschland
Krieg führen sollte und warum, sagte Sellering. Bisher sei von einem
ganz anderen Einsatz die Rede gewesen. Die deutschen Truppen sollten
weder jahrelang in Afghanistan bleiben, noch aufgestockt werden und
den Kampf verschärfen.
(ddp)
Optionale Meldungen und News aus weiteren Themengebieten: Der SPD-Kanzlerkandidat Frank Walter Steinmeier hat der Finanzwelt vorgeworfen, bisher keine Lehren aus der Krise gezogen zu haben. «Das Casino ist weltweit wieder eröffnet», sagte Steinmeier der «Thüringer Allgemeinen».
... Die baden-württembergischen Grünen haben ihre bisherige Spitze
abgewählt. Auf dem Landes parteitag in Biberach setzten sich am
Samstag bei Kampfabstimmungen Silke Krebs und Chris Kühn als neue
Landesvorsitzende durch. Sie lösen ... Der rheinland-pfälzische FDP-Chef Rainer Brüderle ist auf
Parteitagen seines Landesverbands künftig nicht mehr
stimmberechtigt. Auf einer Sitzung seines FDP-Kreisverbandes Mainz
wurde der Bundeswirtschaftsminister am Mittwochabend nicht mehr als
Delegierter zu ... Das Wahljahr 2009 hat FDP und Grünen einen Rekordzulauf von
Neumitgliedern beschert. Während die bisherigen Volks parteien CDU
und SPD nach einer Umfrage der «Frankfurter Rundschau»
(Mittwochausgabe) weiter schrumpften, legten die ... Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy ( SPD), lehnt eine Grundgesetzänderung zur besseren Bekämpfung von Piraten als überflüssig ab. «Die Forderungen der Bundeskanzlerin und des Bundesinnenministers nach einer Grundgesetzänderung zur Piratenbekämpfung ... Die Berliner CDU hat angeblich ein neues Wahl plakat-Motiv ihrer
Direktkandidatin im Bundestagswahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg,
Vera Lengsfeld, gestoppt. Die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin wollte
nach dem umstrittenen Plakat, das sie mit tiefem Dekolleté neben ...
|