Politikwissenschaftler: Özkan steht für Wandel in der Union
Montag, 26. April 2010
Politikwissenschaftler: Özkan steht für Wandel in der Union

Bamberg/Hannover (ddp-nrd). Die Kritik an den Kruzifix-Äußerungen der neuen niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) zeigt nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Thomas Saalfeld die Probleme der Union bei ihrem Wandlungsprozess. «Das ist für die Union immer noch sehr schwierig. Dieser Wandlungsprozess geht eben nur sehr langsam», sagte Saalfeld im Interview mit der Nachrichtenagentur ddp. Sobald es um Fragen gehe, die an der Identität der CDU kratzten, werde es solche Diskussionen geben.

Nach Saalfelds Meinung steht Özkan für eine moderne CDU, die von vielen an der Parteibasis so noch nicht akzeptiert werde, da sie auch eine gewisse «Sozialdemokratisierung» bedeute. Sollte die Muslimin in ihrem Amt aber Erfolg haben und damit deutlich werden, dass es nützlich und positiv ist, eine türkischstämmige Frau als Ministerin zu haben, werde sich schnell ein «Gewöhnungseffekt» einstellen.

Die Ernennung Özkans ist Saalfeld zufolge aber trotz der Debatte eine «gute Strategie» des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU). Durch solche Personalien könne es gelingen, das Wählerpotenzial von türkischstämmigen Deutschen auszuschöpfen, sagte Saalfeld, der unter anderem das Wahlverhalten von Zuwanderern erforscht. «Es ist ja schon ein starkes Stück, dass 80 Prozent der türkischstämmigen Deutschen SPD, Grüne oder Linke wählen, während diese Gruppe ja wertemäßig oft sehr nahe bei der CDU liegt.» Wenn die CDU solche Wähler aber langfristig gewinnen wolle, müsse sie einen schnellen Wandel schaffen. Diskussionen wie die vom Wochenende schadeten dabei eher.

(ddp)

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