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Köln (ddp-nrw). Der FDP-Politiker Christian Lindner ist mit
überwältigender Mehrheit offiziell zum Generalsekretär seiner Partei
gewählt worden. Auf dem Kölner Bundesparteitag der Liberalen erhielt
der 31-Jährige am Samstag 95,6 Prozent der Delegiertenstimmen bei elf
Gegenstimmen und elf Enthaltungen. Lindner war von Parteichef Guido
Westerwelle im Dezember 2009 ins Amt berufen worden. Westerwelle
betonte in seiner Vorstellungsrede, Linder sei ein junger Mann, der
«bereits vorzüglich für unsere Partei wirkte».
Lindner selbst räumte in seiner mit viel Beifall bedachten Rede
Anfangsschwierigkeiten der schwarz-gelben Regierungskoalition ein.
«Der Start der neuen Koalition war ...», hob der Generalsekretär mit
einer Kunstpause hervor. Das hätten die Liberalen sich sparen können
und das wüssten sie auch selbst. Doch diese Zeit sei jetzt vorbei,
fügte er hinzu und zeigte sich überzeugt: «Die Tat ist stärker als
das Wort».
Zugleich pochte Lindner auf eine Steuerreform «so bald wie
möglich». Die Bürger hätten schon «viel zu lange auf diese
Jahrhundertreform gewartet». Dabei sei die Vereinfachung genauso
wichtig wie die Entlastung. Mit Blick auf die Forderung von CSU-Chef
Horst Seehofer nach Steuersenkungen bereits 2011 verlangte er von der
«lieben Union», auf einen Nenner zu kommen. Die FDP sei bereit, noch
vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen in konkrete Gespräche
dazu einzutreten.
Scharf kritisierte Lindner Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble
(CDU). In Interviews habe sich der Minister zur
Haushaltskonsolidierung in der Art eines Finanzphilosophen und nicht
als Sanierer geäußert. «Wir sind gespannt auf die Vorschläge
Schäubles. Unsere liegen auf dem Tisch», betonte Lindner.
Auch der FDP-Vize Andreas Pinkwart attackierte Schäuble. Wer
Griechenland Milliarden an Hilfen in Aussicht stelle und dann den
Arbeitnehmern in Deutschland sage, für sie sei kein Geld zur
Entlastung da, «der schlägt den Bürgern ins Gesicht». Die Liberalen
wollten hingegen an den richtigen Stellen sparen, konsolidieren und
an den richtigen Stellen investieren. Pinkwart rief Schäuble auf, die
Koalitionsvereinbarung umzusetzen.
Im Mittelpunkt des zweitägigen Treffens in Köln stehen Beratungen
der mehr als 600 Delegierten über das abgespeckte Steuerkonzept der
Parteispitze. Der Kompromissvorschlag an die Union sieht Entlastungen
in Höhe von 16 Milliarden Euro vor - deutlich weniger als im
Wahlkampf ursprünglich von der FDP gefordert. Statt in drei Stufen
soll der Steuertarif künftig in fünf Stufen verlaufen. Eingangs- und
Spitzensteuersatz bleiben in der bisherigen Höhe. Umgesetzt werden
soll das Ganze spätestens 2012.
Angesichts dürftiger Umfragewerte machte sich die FDP in Köln Mut
für die nordrhein-westfälische Landtagswahl in zwei Wochen.
NRW-FDP-Landeschef und Vize-Ministerpräsident Pinkwart verwies
darauf, dass die Liberalen vor fünf Jahren ebenfalls in Köln tagten
und es auch damals «ein Kopf-an-Kopf-Rennen» vor den Landtagswahlen
gab. Dann habe die FDP es in die Regierung geschafft. Auch diesmal
werde «mit dem Schwung» des Bundesparteitages dieses Ziel am 9. Mai
erreicht.
Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) räumte auf dem Parteitag
ein, dass die Liberalen derzeit nicht die Umfragewerte erzielen, «die
wir verdient haben". Pinkwart warnte eindringlich vor einem
rot-rot-grünen Regierungsbündnis in Düsseldorf: Mit Verweis auf die
deutsche Einheit - am 5. Mai jährt sich zum 20. Mal der Tag der
Aufnahme der 2+4-Gespräche - sagt der FDP-Vize: «Wir werden nicht
zusehen, dass vier Tage nach diesem 20. Jahrestag die Enkel von Erich
Honecker in Nordrhein-Westfalen an die Macht kommen.»
(ddp)
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