Fernduell ohne Gegner
Sonntag, 25. April 2010
Fernduell ohne Gegner

Köln (ddp-nrw). FDP und Grüne sind sich an diesem Sonntag ungewohnt nah. Schlappe neun Kilometer liegen zwischen dem Bundesparteitag der Liberalen in der Kölner Messehalle und dem kleinen Parteitag der Grünen in Köln-Ehrenfeld. Während die FDP die Parallelveranstaltung großzügig ignoriert, arbeiten sich die Grünen leidenschaftlich an den Liberalen ab. Die Partei von Guido Westerwelle ist den Grünen immer noch der liebste Feind.

Als die FDP-Delegierten am Sonntagmorgen gegen 9.00 Uhr in der Messehalle in Köln Platz nehmen, werden in der Vulkanhalle neun Kilometer weiter noch Verlängerungskabel verlegt und Stühle gerückt. Grünen-Chefin Claudia Roth läuft eine Stunde später in bester Laune ein.

Die Grünen sind an diesem Tag beflügelt von günstigen Umfragewerten und dem Rückenwind der Anti-Atomkraftbewegung. Mit einer 120 Kilometer langen Menschenkette protestierten Kernkraftgegner einen Tag zuvor gegen die geplante Abkehr vom Atomausstieg - 120 000 Menschen gingen für das Ur-Thema der Grünen auf die Straße. Die Anti-Atomkraft-Sonne lächelt auch heute von vielen Pullovern.

Atom steht in Köln zwar mit auf der Tagesordnung, aber das ganz große Thema lautet: Attacke gegen Schwarz-Gelb. In der Vulkanhalle flimmert stumm Westerwelle über einen Bildschirm, während die Grünen-Delegierten allmählich ankommen. Auf grünen Tischdecken liegt Lektüre der besonderen Art: «Die Räuber in Schwarz-Gelb - Ein Trauerspiel in sieben Akten», ein Faltheft in klassischem Reclam- oder FDP-Gelb.

Während Westerwelle in der Messehalle über Steuern und Leistungsbereitschaft referiert, tritt in Ehrenfeld Claudia Roth ans Rednerpult und lästert über die politische Konkurrenz. Die FDP sitze ein paar Kilometer weiter «hoch auf ihrer gelben Wagenburg», spottet sie. Die Liberalen wollten nicht mehr den «totalen Wahnsinn» von 24 Milliarden Euro Steuersenkungen, sondern «nur noch» den «absoluten Wahnsinn» von 16 Milliarden Entlastung. «Steuerirrsinn» sei das, ein «Staatsbankrott-Programm» und «skrupellose Umverteilungspolitik».

Nach Roth zerpflückt ein Redner nach dem anderen die schwarz-gelbe Politik - insbesondere die Wunschprojekte der FDP: Steuerreform und Kopfpauschale. Von Lobbyismus und Klientelpolitik ist da die Rede, von Ungerechtigkeit und «Sozialdemagogie».

Gesine Agena formuliert es einfacher. «Schwarz-Gelb macht insgesamt ganz schön viel Mist», sagt die Sprecherin der Grünen Jugend. Insbesondere die FDP beweise jeden Tag, dass sie keine Konzepte habe.

Grünen-Chef Cem Özdemir wettert, in der Wirtschaft sei das Thema FDP «fast schon eine Beleidigung». Wenn man bei Firmen den Namen von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erwähne, müsse man schleunigst nach einem Fluchtweg Ausschau halten. Das FDP-Bundestagswahlergebnis von 14 Prozent sei hoffentlich ein «einmaliger statistischer Ausreißer» gewesen, der sich nicht wiederhole.

Gegen die FDP lässt sich leichter schießen als gegen die CDU. Auch wenn die Grünen in Nordrhein-Westfalen auf ein Bündnis mit der SPD hinarbeiten, halten sie sich Schwarz-Grün als Option offen. So kurz vor der Wahl reden die Grünen darüber ungern. Alles auf Rot-Grün, lautet die offizielle Botschaft. Eine neue Umfrage bescheinigt dieser Konstellation erstmals seit Jahren eine Mehrheit im Düsseldorfer Parlament. Diese Stimmung wollen sich auch die Grünen nicht durch Schwarz-Grün-Fantasien kaputtreden - sondern bekunden lieber lautstark ihre Distanz zur FDP.

«Mit euch geht nichts», sagt Özdemir an die Adresse der Liberalen und betont: Auch wenn die «geografische Nähe» an diesem Tag da sein möge, könnten sich Grüne und FDP politisch nicht ferner sein.

(ddp)

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