«Bambi» wird General
Samstag, 24. April 2010
«Bambi» wird General

Köln (ddp-nrw). Wenn Christian Lindner eine Pause von der Politik macht, zieht er eine Uniform an. «Einmal im Jahr wechsele ich für ein bis zwei Wochen komplett die Perspektive und leiste als Reserveoffizier der Luftwaffe eine Wehrübung ab», sagt der Oberleutnant. Seit Dezember ist der 31-Jährige Generalsekretär der Bundes-FDP. Am Samstag wählte ihn der Bundesparteitag in Köln offiziell zum Parteimanager.

Nach Lautsprecher Dirk Niebel, der das Amt für seine neue Aufgabe im Entwicklungshilfeministerium aufgab, schlägt Lindner in der politischen Debatte eher gemäßigte Töne an. «Ich bin jemand, der gerne vor der Front operiert - allerdings weniger mit dem Säbel und öfter mit dem Florett», beschreibt er sich selbst.

Der gebürtige Wuppertaler war im Jahr 2000 in den Düsseldorfer Landtag eingezogen. Als Jungspund der Liberalen in Nordrhein-Westfalen wurde Lindner vom damaligen FDP-Landeschef Jürgen Möllemann scherzhaft «Bambi» getauft. 2004 wurde er Generalsekretär der nordrhein-westfälischen FDP, seit vergangenem Herbst gehört er dem Bundestag an. Sein Spitzname blieb.

Bei den ständigen Anspielungen auf seine Jugend verliert Lindner zuweilen kurzzeitig den Humor. Spricht man ihn auf die Verballhornung «Bambi» an, stöhnt er kurz auf und zuckt genervt mit den Schultern. Im Landtag musste er sich von SPD und Grünen zuweilen als «FDP-Bambini» verhöhnen lassen.

Vielleicht ist es der latente Dauervorwurf, zu jung in die Politik gegangen zu sein, dass Lindner gern ausführlich die Inhalte der FDP darlegt, und für liberale Ökonomen, wie Friedrich August von Hayek schwärmt. «Mit Begeisterung lese ich immer wieder die Texte von Hayek», sagt er. Der studierte Politologe hat eine Vorliebe für Thesenpapiere, Bücher und lange Aufsätze - die er im Unterschied zu anderen Politikern auch noch selbst schreibt. Dabei kennt Lindner keine politischen Berührungsängste. So mahnte er bereits in einem Debattenbeitrag für die SPD-Zeitschrift «Berliner Republik» mehr Fairness in der Gesellschaft an.

In einem «taz»-Interview sagte Lindner einmal: «Mehr Demokratie wagen - das war ja nicht nur Willy Brandt, sondern auch die FDP.» Ein Sozialliberaler ist Lindner aber nicht. Von Steuersenkungen bis Privatisierungen ist er voll im FDP-Mainstream. Als Parteimanager wäre Lindner wohl gern eine Mischung aus Karl-Hermann Flach, Peter Glotz und Heiner Geißler. Er kann den Partei-Intellektuellen geben, aber auch verbal auf den politischen Gegner eindreschen. Rhetorisch gilt Lindner als Ausnahmetalent und guter Debattenredner.

Neben seinen Reservisten-Einsätzen fährt der 31-Jährige in seiner Freizeit gern schnelle Sportwagen oder schaut alte Filme mit dem Schauspieler Steve McQueen. Mit Niederlagen musste er schon lernen, umzugehen. Als ganz junger Mann war er mit einer Startup-Firma gescheitert.

(ddp)

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