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Köln (ddp-nrw). Wenn Christian Lindner eine Pause von der Politik
macht, zieht er eine Uniform an. «Einmal im Jahr wechsele ich für ein
bis zwei Wochen komplett die Perspektive und leiste als
Reserveoffizier der Luftwaffe eine Wehrübung ab», sagt der
Oberleutnant. Seit Dezember ist der 31-Jährige Generalsekretär der
Bundes-FDP. Am Samstag wählte ihn der Bundesparteitag in Köln
offiziell zum Parteimanager.
Nach Lautsprecher Dirk Niebel, der das Amt für seine neue Aufgabe
im Entwicklungshilfeministerium aufgab, schlägt Lindner in der
politischen Debatte eher gemäßigte Töne an. «Ich bin jemand, der
gerne vor der Front operiert - allerdings weniger mit dem Säbel und
öfter mit dem Florett», beschreibt er sich selbst.
Der gebürtige Wuppertaler war im Jahr 2000 in den Düsseldorfer
Landtag eingezogen. Als Jungspund der Liberalen in
Nordrhein-Westfalen wurde Lindner vom damaligen FDP-Landeschef Jürgen
Möllemann scherzhaft «Bambi» getauft. 2004 wurde er Generalsekretär
der nordrhein-westfälischen FDP, seit vergangenem Herbst gehört er
dem Bundestag an. Sein Spitzname blieb.
Bei den ständigen Anspielungen auf seine Jugend verliert Lindner
zuweilen kurzzeitig den Humor. Spricht man ihn auf die Verballhornung
«Bambi» an, stöhnt er kurz auf und zuckt genervt mit den Schultern.
Im Landtag musste er sich von SPD und Grünen zuweilen als
«FDP-Bambini» verhöhnen lassen.
Vielleicht ist es der latente Dauervorwurf, zu jung in die Politik
gegangen zu sein, dass Lindner gern ausführlich die Inhalte der FDP
darlegt, und für liberale Ökonomen, wie Friedrich August von Hayek
schwärmt. «Mit Begeisterung lese ich immer wieder die Texte von
Hayek», sagt er. Der studierte Politologe hat eine Vorliebe für
Thesenpapiere, Bücher und lange Aufsätze - die er im Unterschied zu
anderen Politikern auch noch selbst schreibt. Dabei kennt Lindner
keine politischen Berührungsängste. So mahnte er bereits in einem
Debattenbeitrag für die SPD-Zeitschrift «Berliner Republik» mehr
Fairness in der Gesellschaft an.
In einem «taz»-Interview sagte Lindner einmal: «Mehr Demokratie
wagen - das war ja nicht nur Willy Brandt, sondern auch die FDP.» Ein
Sozialliberaler ist Lindner aber nicht. Von Steuersenkungen bis
Privatisierungen ist er voll im FDP-Mainstream. Als Parteimanager
wäre Lindner wohl gern eine Mischung aus Karl-Hermann Flach, Peter
Glotz und Heiner Geißler. Er kann den Partei-Intellektuellen geben,
aber auch verbal auf den politischen Gegner eindreschen. Rhetorisch
gilt Lindner als Ausnahmetalent und guter Debattenredner.
Neben seinen Reservisten-Einsätzen fährt der 31-Jährige in seiner
Freizeit gern schnelle Sportwagen oder schaut alte Filme mit dem
Schauspieler Steve McQueen. Mit Niederlagen musste er schon lernen,
umzugehen. Als ganz junger Mann war er mit einer Startup-Firma
gescheitert.
(ddp)
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