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Hannover (ddp-nrd). Es war schon ein ungewöhnlicher Vergleich, den
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) am Dienstag
vor der Vereidigung der neuen Minister im Landtag bemühte. In zwanzig
Jahren werde man über die Irritationen um die erste muslimische
Ministerin in Deutschland genauso lachen wie über Hildegard Knefs
nackten Busen.
«Die hat ja vor 50 Jahren zwanzig Sekunden im Fernsehen gestanden
und dann haben die Leute gesagt, die Geräte müssen abgeschafft
werden. Und heute wundert man sich darüber», sagte Wulff. So
ungewöhnlich dieser Vergleich auch anmuten mag, Wulff machte damit
klar: Die Kruzifix-Debatte um Aygül Özkan (CDU) sollte seiner Meinung
nach nicht zu ernst genommen werden. Schon am Morgen hatte er die
Kritik für überzogen erklärt.
Özkan wurde am Dienstag vor dem niedersächsischen Landtag
vereidigt - als erste muslimische Ministerin in Deutschland. Für
Wulff schien dieser Akt eine Erleichterung nach der Debatte der
letzten Tage gewesen zu sein. Wieder sichtlich besser gelaunt als in
den vergangenen Tagen zeigte er sich im Landtag, plauderte mit
Journalisten und knüpfte an seine Stimmung an, die er verbreitet
hatte, als er in der vergangenen Woche die Namen der neuen Minister
bekannt gegeben hatte. Da war noch von «Überraschungscoup» und
«großer Wurf» die Rede gewesen.
Am Wochenende kam dann die Ernüchterung. Einzelne Kommentatoren
bescheinigten Wulff bereits einen «Fehlstart». Grund war die als
«Vorzeige-Migrantin» bezeichnete Özkan. Weil sie in einem Interview
ein Verbot von Kruzifixen in Schulen gefordert hatte, sorgte die
türkischstämmige Politikerin auch in ihrer eigenen Partei für
Aufregung.
Insbesondere Politiker aus der CSU hatten Özkan aufgefordert, sie
solle sich überlegen, ob sie in einer christlichen Partei an der
richtigen Stelle sei. Am Montag zog die 38-Jährige ihre Aussagen
schließlich zurück und entschuldigte sich vor der Fraktion. Zuvor
soll sie sich harsche Worte von Wulff hat anhören haben.
Dementsprechend kleinlaut präsentierte sich Özkan auch am
Dienstag. Ganz anders als ihr Regierungschef wollte sie bei ihrer
Ankunft im Landtag am Mittag zunächst nichts sagen. Die Juristin ließ
die zahlreich auf sie gerichteten Kameras links liegen - und verlief
sich dabei. Später fand sie dann doch noch den Raum, in dem die vier
neuen Minister mit ihren Familien zusammenkamen.
Nach ihrer Vereidigung schien sie schließlich gelöster, beim
gemeinsamen Gruppenfoto konnte sie schon wieder lachen. Um halb vier
schließlich wagte sie dann doch noch den Gang vor die Journalisten.
Selbstbewusst erklärte sie dort, warum sie sich bei der Fraktion
entschuldigt und dass sie gelernt habe, die Auswahl von Medien, mit
denen sie spreche, noch besser zu treffen. Mit der Aussage, dass es
nach der Aussprache in der Fraktion keinen «Dissens» mehr gebe, will
auch sie die Debatten um sie beenden.
Für Wulff ist das zu diesem Zeitpunkt bereits geschehen.
Schließlich ließ er es sich nicht nehmen, seine neuen Minister erneut
als Teil eines «Neustarts der Regierungsarbeit» zu bezeichnen. Von
einem Fehlstart wollte er nichts wissen. Schließlich könne ja auch
jemand, der «bei einem vierfachen Rittberger auf dünnem Eis ins
Rutschen kommt, immer noch Olympiasieger werden», sagte Wulff. Und
einen Maulkorb werde Özkan auch nicht bekommen, stellte er klar.
«Frau Özkan kann zu allem ihre Meinung sagen. Da wird es noch die
eine oder andere interessante Anregung geben.»
(ddp)
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