Wulff lächelt Kritik weg
Dienstag, 27. April 2010
Wulff lächelt Kritik weg

Hannover (ddp-nrd). Es war schon ein ungewöhnlicher Vergleich, den Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) am Dienstag vor der Vereidigung der neuen Minister im Landtag bemühte. In zwanzig Jahren werde man über die Irritationen um die erste muslimische Ministerin in Deutschland genauso lachen wie über Hildegard Knefs nackten Busen.

«Die hat ja vor 50 Jahren zwanzig Sekunden im Fernsehen gestanden und dann haben die Leute gesagt, die Geräte müssen abgeschafft werden. Und heute wundert man sich darüber», sagte Wulff. So ungewöhnlich dieser Vergleich auch anmuten mag, Wulff machte damit klar: Die Kruzifix-Debatte um Aygül Özkan (CDU) sollte seiner Meinung nach nicht zu ernst genommen werden. Schon am Morgen hatte er die Kritik für überzogen erklärt.

Özkan wurde am Dienstag vor dem niedersächsischen Landtag vereidigt - als erste muslimische Ministerin in Deutschland. Für Wulff schien dieser Akt eine Erleichterung nach der Debatte der letzten Tage gewesen zu sein. Wieder sichtlich besser gelaunt als in den vergangenen Tagen zeigte er sich im Landtag, plauderte mit Journalisten und knüpfte an seine Stimmung an, die er verbreitet hatte, als er in der vergangenen Woche die Namen der neuen Minister bekannt gegeben hatte. Da war noch von «Überraschungscoup» und «großer Wurf» die Rede gewesen.

Am Wochenende kam dann die Ernüchterung. Einzelne Kommentatoren bescheinigten Wulff bereits einen «Fehlstart». Grund war die als «Vorzeige-Migrantin» bezeichnete Özkan. Weil sie in einem Interview ein Verbot von Kruzifixen in Schulen gefordert hatte, sorgte die türkischstämmige Politikerin auch in ihrer eigenen Partei für Aufregung.

Insbesondere Politiker aus der CSU hatten Özkan aufgefordert, sie solle sich überlegen, ob sie in einer christlichen Partei an der richtigen Stelle sei. Am Montag zog die 38-Jährige ihre Aussagen schließlich zurück und entschuldigte sich vor der Fraktion. Zuvor soll sie sich harsche Worte von Wulff hat anhören haben.

Dementsprechend kleinlaut präsentierte sich Özkan auch am Dienstag. Ganz anders als ihr Regierungschef wollte sie bei ihrer Ankunft im Landtag am Mittag zunächst nichts sagen. Die Juristin ließ die zahlreich auf sie gerichteten Kameras links liegen - und verlief sich dabei. Später fand sie dann doch noch den Raum, in dem die vier neuen Minister mit ihren Familien zusammenkamen.

Nach ihrer Vereidigung schien sie schließlich gelöster, beim gemeinsamen Gruppenfoto konnte sie schon wieder lachen. Um halb vier schließlich wagte sie dann doch noch den Gang vor die Journalisten. Selbstbewusst erklärte sie dort, warum sie sich bei der Fraktion entschuldigt und dass sie gelernt habe, die Auswahl von Medien, mit denen sie spreche, noch besser zu treffen. Mit der Aussage, dass es nach der Aussprache in der Fraktion keinen «Dissens» mehr gebe, will auch sie die Debatten um sie beenden.

Für Wulff ist das zu diesem Zeitpunkt bereits geschehen. Schließlich ließ er es sich nicht nehmen, seine neuen Minister erneut als Teil eines «Neustarts der Regierungsarbeit» zu bezeichnen. Von einem Fehlstart wollte er nichts wissen. Schließlich könne ja auch jemand, der «bei einem vierfachen Rittberger auf dünnem Eis ins Rutschen kommt, immer noch Olympiasieger werden», sagte Wulff. Und einen Maulkorb werde Özkan auch nicht bekommen, stellte er klar. «Frau Özkan kann zu allem ihre Meinung sagen. Da wird es noch die eine oder andere interessante Anregung geben.»

(ddp)

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