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Berlin (ddp). Eine Kostenbremse für Arzneimittel rückt näher. Das
Kabinett beschloss am Mittwoch in Berlin Eckpunkte für das geplante
Arzneimittel-Sparpaket. Mit Zwangsrabatten, einem Preisstopp und
verpflichtenden Preisverhandlungen will die Koalition die steigenden
Medikamentenkosten in den Griff bekommen. Bundesgesundheitsminister
Philipp Rösler (FDP) sagte, «das einseitige Preismonopol der
Pharmaindustrie» solle gebrochen werden. Den Arzneimittelherstellern
gehen die Pläne zu weit, der Linken dagegen nicht weit genug.
Medikamente sind Kostentreiber im Gesundheitssystem, insbesondere
neue, patentgeschützte Präparate. Bislang darf die Industrie die
Preise für solche Arzneien willkürlich selbst festlegen - die
Krankenkassen müssen zahlen. Das will die Koalition eindämmen.
So will die Regierung die Pharmafirmen gesetzlich zu
Preisverhandlungen mit den Krankenkassen zwingen. Werden sich beide
Seiten nicht einig, können die Hersteller die Arzneimittelpreise in
den ersten 15 Monaten nach Markteinführung aber weiter selbst
bestimmen.
Kurzfristig will die Koalition die Hersteller zu höheren Rabatten
gegenüber den Versicherern verpflichten. Der Abschlag soll befristet
von derzeit 6 auf 16 Prozent steigen. Außerdem sollen die
Arzneimittelpreise bis Ende 2013 auf dem Niveau von August 2009
eingefroren werden.
Die kurzfristigen Instrumente sollen den Plänen nach bereits
Anfang August in Kraft treten, die langfristigen zum 1. Januar 2011.
Die Zwangsrabatte und den Preisstopp will die Koalition in ein
laufendes Gesetzgebungsverfahren einflechten. Für die langfristigen,
strukturellen Veränderungen soll es einen eigenen Gesetzentwurf
geben. Dieser soll laut Rösler bis Ende Juni vorliegen.
Der Minister sagte, mit dem Paket werde sichergestellt, dass
Patienten auch künftig Zugang zu innovativen Medikamenten hätten.
«Aber wir bekommen auch gleichzeitig Instrumente in die Hand, um
Preise im Interesse der Versicherten besser zu kontrollieren, als das
bisher der Fall ist.»
Durch das Paket verspricht sich die Regierung jährliche
Einsparungen in Milliardenhöhe für die gesetzliche
Krankenversicherung. Der CDU-Politiker Michael Hennrich hatte zuletzt
dafür plädiert, auch die privaten Krankenversicherer in den Genuss
der Einsparungen kommen zu lassen. Rösler reagierte zurückhaltend auf
den Vorstoß. Die Regeln ließen sich nicht eins zu eins auf die
private Krankenversicherung übertragen, sagte er. Es werde aber
geprüft, welche Möglichkeiten es hier gebe.
Kritik an den Plänen kam vom Bundesverband der Pharmaindustrie.
Die Zwangsrabatte und das Preismoratorium seien «dirigistische
Eingriffe» und eine «Bedrohung» für viele Pharmafirmen, sagte
Verbandschef Bernd Wegener. Beides werde «viele Firmen in
wirtschaftliche Probleme bringen» und sei kein geeignetes Mittel, um
das Gesundheitswesen «nachhaltig» zu sanieren. «Im Gegenteil:
kurzfristige Einsparungen werden mit der Beschädigung des deutschen
Pharmastandortes erkauft.»
Die Linke bezeichnete die Regierungspläne dagegen als
«unzureichend und halbherzig». Im ersten Jahr nach der Zulassung
könnten die Hersteller die Preise für patentgeschützte Medikamente
weiter willkürlich festlegen, sagte die Linke-Gesundheitspolitikerin
Kathrin Vogler. Hier seien also weiter «astronomische Preise» zu
erwarten.
(ddp)
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