|
Berlin (ddp). In der Debatte um den Luftschlag von Kundus hat
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Fehler
eingeräumt und zugleich die Entlassung von zwei Spitzenbeamten
gerechtfertigt. Er könne «nicht akzeptieren», dass ihm «zentrale
Dokumente» nicht vorgelegt worden seien, sagte Guttenberg am
Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages in Berlin.
Die Opposition kritisierte, dies sei keine plausible Erklärung für
einen so schwerwiegenden Schritt.
Im Zuge der Kundus-Affäre hatte Guttenberg am 25. November sowohl
Staatssekretär Peter Wichert als auch Generalinspekteur Wolfgang
Schneiderhan ihrer Posten enthoben. Beide hatten in vorangegangenen
Ausschusssitzungen der Darstellung Guttenbergs widersprochen, sie
hätten dem Minister wichtige Dokumente zur Bewertung des von einem
deutschen Oberst befohlenen Luftschlages vorenthalten. Guttenberg
erwiderte: «Entscheidend war nicht der Inhalt der jeweiligen
Berichte, sondern die Erkenntnis, dass Berichte zum Luftschlag mir
gegenüber weder erwähnt wurden, noch vorgelegen haben.»
Guttenberg hatte zunächst am 6. November kurz nach seinem
Amtsantritt das Bombardement als «militärisch angemessen» bewertet,
musste dies aber knapp einen Monat später am 3. Dezember widerrufen.
Bei seiner ersten Bewertung habe er sich auf die militärischen und
politischen Spitzenbeamten verlassen, sagte Guttenberg. «Meine
Einschätzung beruhte auf einer eindeutigen, ummissverständlichen
Sachberatung, auf die ich in meiner ersten Amtswoche angewiesen war.»
Gleichzeitig betonte er: «Die abgegebene Fehleinschätzung habe ich
selbst zu verantworten.»
Zugleich unterstrich Guttenberg, der Luftschlag sei rückblickend
falsch gewesen. «Es steht außer Frage, das der Angriff nicht hätte
erfolgen müssen, ja nicht hätte erfolgen dürfen», sagte er. Bei
Bewertung aller Umstände sei klargeworden, dass die Bedrohungslage
damals nicht «so unmittelbar» gewesen sei, um in einem solchen Umfang
Verluste in Kauf zu nehmen. Dies habe Oberst Georg Klein aber zum
Zeitpunkt seiner Entscheidung am 4. September 2009 nicht gewusst.
Dieser habe zum Zeitpunkt des Angriffsbefehls davon ausgehen müssen,
dass der Luftschlag «militärisch angemessen» gewesen sei.
Die Opposition beklagte nach der Aussage des
Verteidigungsministers anhaltende Widersprüche. So habe der Minister
nicht «substanziell» erklären können, warum Wichert und Schneiderhahn
wirklich entlassen wurden, sagte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer
Arnold. Guttenberg habe auf «Basis einer Boulevardzeitung zwei
verdiente Mitglieder seines Hauses stillos und würdelos in die Wüste
geschickt». Linke-Obmann Paul Schäfer forderte eine Gegenüberstellung
der drei Beteiligten im Untersuchungsausschuss.
Vertreter der Koalition lobten derweil Guttenberg für seine
Aussage. CDU-Wehrexperte Ernst-Reinhard Beck sprach von einem
«überragenden Auftritt» Guttenbergs. Auch FDP-Wehrexperte Joachim
Spatz sagte, der Minister habe alle offenen Fragen «zur
Zufriedenheit» beantwortet. CSU-Wehrexperte Florian Hahn betonte, es
sei klargeworden, dass Guttenberg durch Wichert und Schneiderhan
«nicht ausreichend» informiert worden sei.
Der SPD-Verteidigungsexperte Johannes Kahrs sah hingegen die
Glaubwürdigkeit von Guttenberg «schwer beschädigt». «Die
entscheidende Frage war: Kann Guttenberg nachvollziehbar erklären,
warum er Staatssekretär und Generalinspekteur entlassen hat? Die
Antwort lautet: Er kann es nicht», sagte Kahrs. Für den
verteidigungspolitischen Sprecher der Grünen, Omid Nouripour, hat
sich der sonstige «Mister Klartext» nur weiter in Widersprüche
verwickelt.
Guttenberg wies dies zurück. Er lasse sich «nicht vorschreiben»,
wem er Vertrauen zu schenken habe. Die Grundlage einer engen
Zusammenarbeit auf Spitzenebene sei nicht mehr gegeben gewesen. Damit
sei aber weder ein «Infragestellen der fachlichen Kompetenz, noch
persönlicher Integrität» von Wichert und Schneiderhan verbunden.
(ddp)
Passende Nachrichtenmeldungen aus unseren Onlinerubriken: Entspannt wirkte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) beim
Verlassen seines Wahlkampf-Busses mit der Aufschrift «der Sachse».
Jüngsten Umfragen zufolge zeichnet sich für die Landtagswahl am 30.
August eine Mehrheit von CDU ... SPD und Linke in Brandenburg werden ab Mittwoch Verhandlungen zur Regierungsbildung führen. Nach der SPD stimmte am Dienstagabend auch die Linke der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen zu. Landesvorstand und Landesausschuss votierten ... Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt unterstützt die von der
schwarz-gelben Koalition geplanten Korrekturen beim Arbeitslosengeld
II. «Ich begrüßte, dass sich die Koalitionspartner darauf
verständigt haben, das Kombi-Einkommen beim Arbeitslosengeld II
weiterzuentwickeln«, sagte ... In der großen Koalition in Schleswig-Holstein herrscht erneut
Krisenstimmung. Nach den umstrittenen Äußerungen von SPD-Landeschef
Ralf Stegner zu Sonderzahlungen an den HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens
Nonnenmacher stellt Ministerpräsident Peter Harry Carstensen ... Gut drei Wochen nach der Einigung der Föderalismuskommission II
berät der Bundestag heute über das Reformpaket. Wesentlicher
Bestandteil ist die Schuldenbremse. Sie sieht vor, dass es
spätestens ab 2020 für ... Die Pläne der großen Koalition für eine Verschärfung des
Datenschutzes in der Wirtschaft stehen offenbar auf der Kippe. Wie
die «Neue Osnabrücker Zeitung» (Freitagausgabe) berichtet, stecken
die Verhandlungen von Union ...
|