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Kiel (ddp-nrd). In Schleswig-Holstein ist ein Streit über einen
möglichen Verkauf des landeseigenen Universitätsklinikums (UK S-H)
mit mehr als 10 000 Beschäftigten zur Haushaltssanierung entbrannt.
Das Kieler Finanzministerium bestritt am Freitag zwar konkrete
Vorbereitungen der schwarz-gelben Koalition für einen Verkauf des
Klinikums mit den beiden Standorten Kiel und Lübeck. Laut
FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki würde jedoch «alleine die
Sanierung der maroden UK-S-H-Gebäude mehr als 800 Millionen Euro
Landesgeld verschlingen». Noch sei aber «nichts entschieden». Die
Gewerkschaft ver.di kündigte bereits massiven Widerstand an.
«Die Behauptung, es gebe ein Interessenbekundungsverfahren zum
Verkauf des UK S-H ist falsch», sagte der Finanzministeriums-Sprecher
Torsten Borchers. Dies hatten die «Lübecker Nachrichten»
(Freitagausgabe) unter Berufung auf Kubicki zuvor berichtet. «Ein
Beschluss der Landesregierung für ein solches Verfahren liegt nicht
vor«, sagte Borchers. In der Debatte um die Sanierung des
Landeshaushaltes stehe jedoch alles auf dem Prüfstand. «Es gibt keine
Tabubereiche und keine Denkverbote.»
Ende Mai sollen die Fraktionen über die Vorschläge der
Haushaltsstrukturkommission entscheiden. Darin erarbeiten die
Fraktionschefs und Finanzexperten der Koalitionspartner CDU und FDP
ein gemeinsames Sparkonzept. «Wir halten uns an die Absprache, dass
aus der Kommission nichts nach draußen dringt», sagte
CDU-Fraktionschef Christian von Boetticher. Nach ddp-Informationen
gibt es bereits potenzielle Interessenten für einen Kauf des UK S-H.
Der Vorstoß für einen Verkauf kam demnach von Wirtschaftsminister
Jost de Jager (CDU). Bereits vor zwei Jahren gab es in
Schleswig-Holstein Diskussionen über eine Teilprivatisierung des
Klinikums.
Laut dem Medienbericht ist auch ein einzelner Verkauf der
Standorte Kiel und Lübeck denkbar. Der Mediziner-Ausbildung in Lübeck
(1500 Studenten) drohe das Aus. Mit harten Einschnitten durch die
Haushaltsstrukturkommission müsse auch die Universität Flensburg
rechnen. Sie solle im Wesentlichen auf die Lehrerausbildung
beschränkt werden. Bereits beschlossen sei auch die Streichung des
für Eltern beitragsfreien dritten Kita-Jahres.
ver.di bezeichnete die Diskussion zum Verkauf des UK S-H als
«Schlag ins Gesicht» der mehr als 10 000 Beschäftigten in Kiel und
Lübeck. Landesfachleiter Steffen Kühhirt warf der schwarz-gelben
Koalition vor, die seit 2005 geleisteten Sanierungsbeiträge der
Beschäftigten in Höhe von elf Millionen Euro jährlich zu veruntreuen.
«Der angekündigte Verkauf ist eine gesundheitspolitische Offenbarung,
die die medizinische Zukunftsfähigkeit des Landes Schleswig-Holstein
in Frage stellt.»
Auch die Opposition im Kieler Landtag sprach sich gegen einen
Verkauf des Universitätsklinikums aus. Nach Ansicht des
Parlamentarischen Geschäftsführers der SPD, Jürgen Weber, wäre »ein
solcher Kahlschlag auch angesichts der Haushaltslage des Landes nicht
zu verantworten«. Der größte öffentliche Arbeitgeber im Land müsse
zumindest mehrheitlich in öffentlicher Hand bleiben. »Dass ein
Universitätskrankenhaus ohne Qualitätsverlust und die Aufgabe seiner
Standards verhökert werden kann, kann nur glauben, wer dem
Privatisierungswahn verfallen ist«, sagte Grünen-Fraktionschef Robert
Habeck.
Der SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner sagte, mit dem Ausverkauf
der Klinik würde auch die medizinische Landschaft zerstört. »Zu
sagen, man verramscht das Tafelsilber, erst dann wird investiert -
daraus wird nichts", betonte er.
Schleswig-Holstein drücken Schulden in Höhe von 24 Milliarden
Euro. Bis 2020 muss das Land das Defizit jährlich um etwa 125
Millionen Euro abbauen, um dann einen ausgeglichenen Haushalt
vorlegen zu können.
(ddp)
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