Bewegende Trauerfeier für Afghanistan-Gefallene
Samstag, 24. April 2010
Bewegende Trauerfeier für Afghanistan-Gefallene

Ingolstadt (ddp-lsa). Mit einer Trauerfeier im Münster von Ingolstadt hat Deutschland am Samstag Abschied von den vier am 15. April in Afghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten genommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verfolgte sichtlich bewegt die Zeremonie. Anwesend waren auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP), der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und sein baden-württembergischer Amtskollege Stefan Mappus (CDU) sowie SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD).

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bat in einer emotionalen Rede die Angehörigen der Toten um «Verzeihung». Er versicherte zugleich: «Unsere Zusage an das afghanische Volk gilt - wir wollen dieser geschundenen Nation helfen, ihr Land zu befrieden.» Dies diene «unserer eigenen Sicherheit». Wie eng beide Länder miteinander verbunden seien, zeige die Anwesenheit des afghanischen Außenministers Zalmai Rassoul bei der Trauerfeier.

Die Särge der vier Gefallenen waren im Münster aufgebahrt. Große Fotos erinnerten an die Getöteten, von denen einer aus Sachsen-Anhalt stammt. Der Mann hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Bei den Opfern handelt sich um einen 24-jährigen Stabsunteroffizier und einen 32-jährigen Hauptfeldwebel aus dem Standort Ingolstadt sowie um einen 38-jährigen Major aus Weiden in der Oberpfalz. Der vierte Gefallene ist ein 33-jähriger Oberstabsarzt aus Ulm. Die Soldaten waren bei einem Talibanangriff in der nordafghanischen Provinz Baghlan getötet worden.

An der Trauerfeier im Münster nahmen rund 1000 Menschen teil. Weitere circa 3000 Menschen gedachten vor der Kirche der Toten. Der Ingolstädter Oberbürgermeister Alfred Lehmann (CSU) sagte in seiner Rede, die vier Soldaten hätten «für Deutschland» ihr Leben gelassen.

Militärgeneralvikar Walter Wakenhut sprach von «Trauer, Betroffenheit, aber auch Wut über die Hinterhältigkeit des Anschlags» in Afghanistan. Man könne der Frage nach dem Sinn des Todes der vier Männer nicht ausweichen. Wenn aber das Ziel einer gerechteren Welt ein Stück näher gerückt sei, dann sei dieser Tod nicht umsonst gewesen.

Guttenberg erinnerte daran, dass erst vor zwei Wochen im niedersächsischen Selsingen eine Trauerfeier für drei am Karfreitag bei Gefechten ums Leben gekommene Soldaten stattgefunden hatte. Der Verteidigungsminister sagte: «Die Osterwoche nach einem entsetzlichen Karfreitag sollte Hoffnung geben - ist diese Hoffnung mittlerweile im Ingolstädter Münster zerrissen? Nein!»

Guttenberg fügte hinzu, die vier Getöteten seien «nicht allein für eine zerstörte Hoffnung» gestorben - «sondern für die Gewissheit, ihre und unsere Freiheit, das Leben unserer geborenen wie ungeborenen Kinder, unserer Familien zu schützen - auch und gerade in Afghanistan.» Die Soldaten wüssten um die Gefahren im «Kriegsgebiet» und erfüllten dennoch «tapfer» ihren Auftrag.

Offen betonte der Verteidigungsminister: «Tod und Verwundung sind Begleiter unserer Einsätze geworden. Und sie werden es auch in den nächsten Jahren sein - wohl nicht nur in Afghanistan.» Dies verpflichte die Bundesregierung besonders, solche Einsätze «in unserem Denken niemals, wirklich niemals zur Routine werden zu lassen».

Guttenberg fügte hinzu: «Es mögen im 21. Jahrhundert immer noch viele nicht hören, aber es stimmt, dass in Afghanistan für unser Land, für dessen Menschen, also für jeden von uns gekämpft und gestorben wird.» Keine politische Verantwortung könne jedoch den Schmerz jener bemessen, denen ein geliebter Mensch «für immer entrissen wird».

Bei diesen Worten hatte die Bundeskanzlerin Tränen in den Augen. Zum Abschluss der Trauerfeier erklang die Nationalhymne. Anschließend wurden die Särge von Kameraden der Getöteten aus dem Münster getragen. Seit Beginn des Einsatzes am Hindukusch vor gut acht Jahren kamen insgesamt 43 Bundeswehrangehörige in Afghanistan ums Leben, 24 davon wurden bei Anschlägen und Gefechten getötet.

(ddp)

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