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Berlin (ddp). Die risikoreiche neue Afghanistan-Strategie der
Bundeswehr lässt neben den Opferzahlen auch die Kosten des Einsatzes
in die Höhe schnellen. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu
Guttenberg (CSU) will den Afghanistan-Etat für das laufende Jahr um
227 Millionen Euro auf 1,059 Milliarden Euro aufstocken, wie ein
Sprecher am Samstag ankündigte. Derweil läuft die Gewerkschaft der
Polizei (GdP) Sturm gegen die gefährlichen neuen Einsatzbedingungen
für deutsche Polizeibeamte am Hindukusch.
Der Sprecher des Verteidigungsressorts sagte, die Mehrkosten seien
der «neuen Situation» geschuldet und würden durch Umschichtungen im
eigenen Etat gegenfinanziert. Insgesamt kostet das deutsche
Afghanistan-Engagement den Steuerzahler dieses Jahr nun rund 1,5
Milliarden Euro.
250 Millionen Euro stellt das Entwicklungshilfeministerium bereit
- fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Das Auswärtige Amt will 181
Millionen Euro für den Krisenherd ausgeben, das Innenministerium 12
Millionen Euro. Die weitere Ausgabenentwicklung entzieht sich nach
den Worten von Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter (CDU) «mangels
Vorhersehbarkeit der weiteren Rahmenbedingungen des Einsatzes einer
seriösen Prognose».
Unterdessen hat die GdP ihre Kritik an der neuen NATO-Strategie
für Afghanistan verschärft. Es gehöre nicht zu den Aufgaben der
deutschen Polizisten, sich vermehrt gemeinsam mit Bundeswehrsoldaten
und afghanischen Sicherheitskräften im Straßenbild zu zeigen, stellte
GdP-Chef Konrad Freiberg klar. «Das halten wir für das falsche
Konzept und lehnen es vehement ab.»
Die Polizeigewerkschaft besteht darauf, dass es bei der Ausbildung
afghanischer Kollegen in den gesicherten Feldlagern der Bundeswehr
bleibt. Andernfalls könnten auch Polizisten in Schusswechsel geraten
und getötet werden. Die deutschen Polizeikräfte seien zu
Ausbildungszwecken entsandt worden und keine «Bürgerkriegspolizei».
Die Linkspartei verlangte, künftig das Parlament über
Auslandseinsätze der Polizei entscheiden zu lassen. «Über den Einsatz
von Soldaten streitet der Bundestag, über den Einsatz von Polizisten
herrscht Funkstille», monierte Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau.
«Das ist ein Unding. Allemal, wenn Polizisten künftig als
Soldaten-Double agieren sollten.»
Der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat,
wertete die derzeitige Afghanistan-Politik der Bundesregierung als
«völlig konfus». Er habe den Eindruck, dass die Regierung «selbst
nicht weiß, was sie macht». So werde für Afghanistan »weder gesagt,
was wir dort erreichen wollen, noch wird gesagt, was die Konsequenzen
wären, wenn wir rausgingen. Sondern wir befinden uns in einem
Schwebezustand.« Dies sei ein »Durchwurschteln«, sagte der ehemals
höchste deutsche Militär. Statt selbst Politik zu machen, lasse sich
Deutschland treiben. Wenn US-Präsident Barack Obama «A» sage, "dann
sagen wir auch A. Aber wir sind ein souveränes Land.»
(ddp)
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