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Peking (ddp). Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU)
traute am Mittwoch im chinesischen Patentamt in Peking seinen Ohren
kaum. Aus den Lautsprechern erklangen plötzlich vertraute Weisen. «Im
Frühtau zu Berge» schallte es fröhlich und eine einheimische
Mitarbeiterin des Amts stimmte spontan mit ein. «Ist das nicht
beschämend», sagte Seehofer und gab zur Ehrenrettung selbst ein paar
Zeilen des Liedes zum Besten - mit schwankender Textsicherheit.
«Sie haben unser Eigentum», stellte der Regierungschef scherzhaft
fest. Und der Präsident der Technischen Universität (TU) München,
Wolfgang Herrmann, fügte hinzu: «Und zwar unser geistiges!» Womit man
auch gleich beim Thema des Treffens war, dem Schutz geistigen
Eigentums bayerischer Unternehmen, ihrer Patente und Markennamen, vor
dem Klau durch chinesische Betriebe.
Gastgeber Tian Lipu setzte angesichts dieser schwierigen Fragen
aber zunächst die Charmeoffensive fort. Im original oberbayerischen
Trachtenjanker erschien der hervorragend Deutsch sprechende Präsident
der Patentbehörde zu dem Treffen mit der Delegation aus dem
Freistaat. «Heute ist mein Amt sehr bayerisch», freute sich Tian
sichtlich über die seltene Gelegenheit, den Janker in der
chinesischen Hauptstadt einmal zu tragen. Bevor er Chef von 9100
Mitarbeitern wurde, lebte er drei Jahre in München.
Und er sparte nicht mit Lob für den CSU-Chef. «Das ist eine
wichtige Partei und sie sind ein wichtiger Mann», schmeichelte Tian
seinem Gast, was dieser freudig zur Kenntnis nahm: «Da muss ich
hierher fahren, dass ich das auch mal höre.» Offenbar verfing die
Taktik des chinesischen Patentamtschefs. Denn von den drängenden
Problemen der heimischen Wirtschaft mit dem mangelnden Schutz des
geistigen Eigentums in China war in Seehofers Beiträgen zur
Diskussion fast nichts zu hören.
Tian stellte dar, dass Patente in China inzwischen eine immer
wichtigere Rolle spielten. Bis 1999 habe es den Begriff «geistiges
Eigentum» noch nicht einmal in Wörterbüchern gegeben. Das Land wandle
sich «von einem Nachahmungsland zu einem innovativen Land», sagte der
Staatsbeamte. Firmen könnten dort «beruhigt produzieren und
investieren».
Das wollte TU-Präsident Herrmann dann doch nicht so stehenlassen.
Am wichtigsten für den tatsächlichen Schutz von Patenten sei der
Rechtsweg. Hier sei fraglich, ob sich Ausländer in China vor Gericht
durchsetzen könnten. Und der deutsche Botschafter Michael Schaefer
ergänzte, er wisse von ausländischen Firmen, die eine Patentanmeldung
in China scheuten, da die dafür erforderliche Offenlegung der
technischen Details geradezu zur Selbstbedienung durch Konkurrenten
einlade.
Tian beteuerte, in seinem Land würden bei Patentverstößen durchaus
Strafen im Bereich von umgerechnet bis zu einer Million Euro
verhängt. Er sei aber auch noch nicht völlig zufrieden mit der
Situation. In zehn bis 15 Jahren werde das chinesische System zum
Schutz geistigen Eigentums wohl reif sein, schätzt er. Für manche aus
der bayerischen Delegation klangen deshalb - trotz aller
Freundlichkeit und Bayerntümelei - die zum Abschied eingespielten
Liedzeilen ein wenig unpassend: «Wir wandern ohne Sorgen singend in
den Morgen...»
(ddp)
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