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Peking (ddp-bay). So akribisch wie auf seinen ersten Besuch in
China hat sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nach
eigener Aussage noch nie auf ein Thema vorbereitet. Sonst nehme er
sich allenfalls Minuten für das Aktienstudium, räumte Seehofer am
Montag bei seiner Ankunft in Peking überraschend ein. Diesmal habe er
hingegen einige Stunden darauf verwendet, um «kiloweise» Papiere zu
lesen, wie er sich ausdrückte.
Gelernt habe er dabei letztlich, dass er sich im Umgang mit seinen
politischen Gesprächspartnern in China «nicht viel umstellen» müsse.
Wichtig sei vor allem, seine gewohnte «Einfühlsamkeit» auszuspielen,
lautete für den CSU-Chef das Resultat der Recherchen über die so
fremde Kultur. Aus Furcht jedenfalls habe er sich nicht so intensiv
auf die neuen Eindrücke vorbereitet. «Es gibt wirklich nicht mehr
viel, was mir Angst einjagt», versicherte der 60-Jährige.
Nach einer von vielen Beobachtern als «provinziell» und recht
trocken vorgetragenen Rede an der Tsinghua-Universität wurde er am
Nachmittag im Regierungssitz immerhin vom chinesischen Vizepremier
Zhang Dejiang empfangen. In einem in traditioneller Holzbauweise
errichteten, bunt bemalten Pavillon unterhielten sich die so ungleich
mächtigen Männer über die Entwicklung Chinas und die wirtschaftlichen
sowie ökologischen Herausforderungen.
Insgesamt war die Gesprächsatmosphäre dabei recht nüchtern. «Es
geht sehr formvollendet und stilgerecht vor», formulierte es der
CSU-Chef positiv. Einen Sympathievorsprung genießt Bayern in China
offenbar nicht. Die Chinesen setzten sehr stark auf den Wettbewerb,
stellte Seehofer fest. Auch die Übermittlung von Grüßen «unserer
Bundeskanzlerin» half nicht so recht weiter.
Nur einmal, so erzählte der Ministerpräsident hinterher, habe er
es geschafft auf Seiten der Chinesen «Emotionen zu wecken» - und
zwar, als er an den Besuch von Franz Josef Strauß 1975 beim damaligen
Partei- und Regierungschef Mao Zedong erinnerte. Strauß sei sein
politisches Vorbild, sagte Seehofer dem Vizepremier und dessen
Mannen. Da habe es viel «zustimmendes Kopfnicken» gegeben.
Ohne diesen Schwenk auf die Vergangenheit wäre es wohl noch
schwerer für den bayerischen Ministerpräsidenten geworden, mit seinen
Gastgebern ins Gespräch zu kommen. Schließlich sei Bayern aus
chinesischer Sicht lediglich «eine deutsche Provinz», musste Seehofer
feststellen. Er sei mit dem erklärten Ziel nach China gekommen, die
traditionellen Beziehungen zu «festigen und vertiefen».
Doch wie hart selbst das werden kann, zeigte die Reaktion Zhangs,
auf die von Seehofer ausgesprochene Einladung zum Gegenbesuch in
München zu bayerischem Bier und einem Spiel des FC Bayern. Der
Vizepremier nahm das mit einem Lächeln zu Kenntnis, ließ aber nicht
durchblicken, ob er das Angebot annimmt. Politische Freundschaft sei
eben etwas, das man erst aufbauen müsse, sagte Seehofer später
tapfer. Immerhin habe aber das erste Gespräch mit 70 Minuten etwas
länger gedauert, als ursprünglich geplant.
Um den Gastgebern zu schmeicheln, hat der Ministerpräsident nun
doch noch einen Besuch der sogenannten Verbotenen Stadt, des früheren
Kaiserpalasts, in sein Programm aufgenommen. «Respekt vor der Kultur
ist total wichtig», betonte Seehofer.
Der Vizepremier habe es sehr bedauert, dass sein Gast diesen von
der bereits vorgereisten Delegation am Sonntag absolvierten Rundgang
wegen verspäteter Ankunft ausfallen lassen musste. Solche Themen
dürften nicht als verzichtbares Sightseeing abgetan werden, hat nun
auch Seehofer erkannt. Da hat man von ihm früher im Zusammenhang mit
Reisen seiner Kabinettsmitglieder in alle Welt deutlich kritischere
Formulierungen gehört.
(ddp)
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