Seehofer erlebt reservierte chinesische Gastgeber
Montag, 26. April 2010
Seehofer erlebt reservierte chinesische Gastgeber

Peking (ddp-bay). So akribisch wie auf seinen ersten Besuch in China hat sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nach eigener Aussage noch nie auf ein Thema vorbereitet. Sonst nehme er sich allenfalls Minuten für das Aktienstudium, räumte Seehofer am Montag bei seiner Ankunft in Peking überraschend ein. Diesmal habe er hingegen einige Stunden darauf verwendet, um «kiloweise» Papiere zu lesen, wie er sich ausdrückte.

Gelernt habe er dabei letztlich, dass er sich im Umgang mit seinen politischen Gesprächspartnern in China «nicht viel umstellen» müsse. Wichtig sei vor allem, seine gewohnte «Einfühlsamkeit» auszuspielen, lautete für den CSU-Chef das Resultat der Recherchen über die so fremde Kultur. Aus Furcht jedenfalls habe er sich nicht so intensiv auf die neuen Eindrücke vorbereitet. «Es gibt wirklich nicht mehr viel, was mir Angst einjagt», versicherte der 60-Jährige.

Nach einer von vielen Beobachtern als «provinziell» und recht trocken vorgetragenen Rede an der Tsinghua-Universität wurde er am Nachmittag im Regierungssitz immerhin vom chinesischen Vizepremier Zhang Dejiang empfangen. In einem in traditioneller Holzbauweise errichteten, bunt bemalten Pavillon unterhielten sich die so ungleich mächtigen Männer über die Entwicklung Chinas und die wirtschaftlichen sowie ökologischen Herausforderungen.

Insgesamt war die Gesprächsatmosphäre dabei recht nüchtern. «Es geht sehr formvollendet und stilgerecht vor», formulierte es der CSU-Chef positiv. Einen Sympathievorsprung genießt Bayern in China offenbar nicht. Die Chinesen setzten sehr stark auf den Wettbewerb, stellte Seehofer fest. Auch die Übermittlung von Grüßen «unserer Bundeskanzlerin» half nicht so recht weiter.

Nur einmal, so erzählte der Ministerpräsident hinterher, habe er es geschafft auf Seiten der Chinesen «Emotionen zu wecken» - und zwar, als er an den Besuch von Franz Josef Strauß 1975 beim damaligen Partei- und Regierungschef Mao Zedong erinnerte. Strauß sei sein politisches Vorbild, sagte Seehofer dem Vizepremier und dessen Mannen. Da habe es viel «zustimmendes Kopfnicken» gegeben.

Ohne diesen Schwenk auf die Vergangenheit wäre es wohl noch schwerer für den bayerischen Ministerpräsidenten geworden, mit seinen Gastgebern ins Gespräch zu kommen. Schließlich sei Bayern aus chinesischer Sicht lediglich «eine deutsche Provinz», musste Seehofer feststellen. Er sei mit dem erklärten Ziel nach China gekommen, die traditionellen Beziehungen zu «festigen und vertiefen».

Doch wie hart selbst das werden kann, zeigte die Reaktion Zhangs, auf die von Seehofer ausgesprochene Einladung zum Gegenbesuch in München zu bayerischem Bier und einem Spiel des FC Bayern. Der Vizepremier nahm das mit einem Lächeln zu Kenntnis, ließ aber nicht durchblicken, ob er das Angebot annimmt. Politische Freundschaft sei eben etwas, das man erst aufbauen müsse, sagte Seehofer später tapfer. Immerhin habe aber das erste Gespräch mit 70 Minuten etwas länger gedauert, als ursprünglich geplant.

Um den Gastgebern zu schmeicheln, hat der Ministerpräsident nun doch noch einen Besuch der sogenannten Verbotenen Stadt, des früheren Kaiserpalasts, in sein Programm aufgenommen. «Respekt vor der Kultur ist total wichtig», betonte Seehofer.

Der Vizepremier habe es sehr bedauert, dass sein Gast diesen von der bereits vorgereisten Delegation am Sonntag absolvierten Rundgang wegen verspäteter Ankunft ausfallen lassen musste. Solche Themen dürften nicht als verzichtbares Sightseeing abgetan werden, hat nun auch Seehofer erkannt. Da hat man von ihm früher im Zusammenhang mit Reisen seiner Kabinettsmitglieder in alle Welt deutlich kritischere Formulierungen gehört.

(ddp)

Kreditori.de: Nachrichten aus den Bereichen Wirtschaft, Versicherung und Finanzen

Bayerns Innenminister nennt Schweizer Minarett-Abstimmung Warnsignal

Die Schweizer Volksabstimmung gegen den Bau von Minaretten sollte nach Ansicht des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) in Deutschland als «Warnsignal» verstanden werden. Herrmann sagte am Montag in München, Stimmungen ...

Müller wirbt in China um Unterstützung für Münchner Olympia-Bewerbung

Zum Auftakt ihrer China-Reise hat die bayerische Europaministerin Emilia Müller (CSU) bei der Regierung in Peking darum geworben, die Olympiabewerbung Münchens um die Winterspiele 2018 zu unterstützen. ...

600 Menschen demonstrieren auf Ostermärschen für den Frieden

In Hessen haben am Samstag mehrere Hundert Menschen auf Ostermärschen für eine Welt ohne Atomwaffen und Krieg demonstriert. An dem Odenwälder Ostermarsch nach Michelstadt hätten sich etwa 250 Menschen beteiligt, ...

Streit in Bayerns Koalition über Gentechnik

In der bayerischen schwarz-gelben Koalition gibt es Streit über die grüne Gentechnik. Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) kritisierte am Wochenende die ablehnende Haltung der CSU in dieser Frage. Zwar müsse man ...

Bayern vereinbart enge Zusammenarbeit mit Irak

Die Staatsregierung sieht im Wiederaufbau des Irak eine Chance für bayerische Unternehmen. «Der Wiederaufbau des Irak ist das Mega-Thema der nächsten Jahre für die Wirtschaft im Nahen und im Mittleren ...

Bayerns Wissenschaftsminister gegen CSU-Kurs bei grüner Gentechnik

In der schwarz-gelben Koalition in Bayern bahnt sich ein Konflikt um die grüne Gentechnik an. Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) hat die einseitige Kritik an der grünen Gentechnik durch die ...


 
< zurück   weiter >

Zufallsartikel