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Peking (ddp-bay). Wenn Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) an
China denkt, sind es nicht nur die Absatzchancen für die bayerische
Wirtschaft, die ihn umtreiben. Es ist auch die Sorge um einen
«gewaltigen Konkurrenten» für die heimische Automobilwirtschaft, wie
er auf seiner China-Reise einräumte. Angesichts der Fortschritte der
Chinesen bei Elektromobilen und Batterietechnik könnte die
Automobilindustrie im Freistaat das gleiche Schicksal ereilen, wie
dereinst die Steinkohlebergwerke im Ruhrgebiet - wenn nicht schnell
gegengesteuert wird.
Der Präsident der Technischen Universität München (TU), Wolfgang
Herrmann, sieht das ähnlich. «Die deutsche Automobilindustrie hat die
Elektromobilität verschlafen», beklagte Herrmann, der zu Seehofers
derzeit in China weilenden Delegation gehört. «Die Chinesen sind auf
dem Gebiet sehr weit. Da müssen wir nachholen», mahnte der
Wissenschaftler.
Dem widersprach Audi-Finanzvorstand Axel Strotbek, der ebenfalls
mit Seehofer in Peking unterwegs war. Eine Bedrohung für den
Automobilstandort Bayern durch die chinesischen Fortschritte in der
Elektromobilität sieht er nicht. Bedeutender als die Festlegung auf
Elektroantrieb als Zukunftskonzept, sei die Effizienz. «Wichtig ist
mir die Physik. Autos haben eine große Masse.» Deswegen bleibe der
Leichtbau in Zukunft ein zentrales Thema.
Außerdem seien Elektroantriebe für sein Unternehmen nichts Neues.
«Wir hatten bei Audi schon vor zehn Jahren einen Hybrid, aber da war
unser ´Vorsprung durch Technik´ zu groß. Wir waren zu schnell und zu
früh.» Nun sei man aber gut dabei. Außerdem seien Stromautos noch
lange kein Massenprodukt. «Binnen zehn Jahren wird es mit Sicherheit
keinen Umstieg komplett auf Elektroantriebe geben. Die Batterien, die
Infrastruktur, das ist alles noch nicht in großem Maßstab technisch
realisierbar.»
Die Chinesen beweisen - im Kleinen - das Gegenteil. Seit einigen
Jahren sind in der Innenstadt von Peking keine stinkenden und
knatternden Mofas oder Roller mit Benzinmotor mehr unterwegs. Mit
standardisierten, abnehmbaren Akkus, die sich zuhause an der
Steckdose aufladen lassen, sausen die lautlosen Flitzer herum.
Bei Autos wäre der flächendeckende Umstieg auf Strombetrieb zwar
deutlich aufwändiger, aber der deutsche Botschafter in Peking,
Michael Schaefer, hat keine Zweifel an der entsprechenden
Zielstrebigkeit seines Gastlandes: «Die Chinesen planen, den gesamten
öffentlichen Nahverkehr inklusive Taxis auf Elektro umstellen.»
Sie hätten sehr frühzeitig erkannt, «dass Elektromobilität ein
Zukunftsthema ist und wirtschaftliche Wachstumspotenziale bietet».
Bei Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge seien chinesische
Forscher inzwischen führend. «Das ist eine Schlüsseltechnologie für
Mobilität in Großstädten», betonte der Botschafter.
TU-Chef Herrmann möchte diesbezüglich von den Chinesen lernen und
hat deshalb bei der Reise ein Partnerschaftsabkommen mit der Pekinger
Tsinghua-Universität unterzeichnet. Die Hochschulen wollen ein
gemeinsames Forschungslabor für Elektromobilität aufbauen. Sonst sei
immer von der Wissensabwanderung nach China die Rede. «In dem Fall
kann Deutschland profitieren», hofft Herrmann.
Botschafter Schaefer führt die über Jahre hinweg zögerliche
Haltung in Deutschland gegenüber Elektrofahrzeugen auch auf
Mentalitätsunterschiede zurück. «Bei uns ist vielleicht der eine oder
andere wegen der geringeren Reichweite und Sportlichkeit der Autos
skeptisch. Für die Chinesen, die ja ihre Elektro-Mofas fahren, ist
ein Elektromotor bereits eine alltägliche Sache.»
Und womöglich hängt es auch mit den staatlichen Weichenstellungen
zusammen. In China fördert die Regierung die Elektromobilität
großzügig. Bayerns Oppositionschef Markus Rinderspacher (SPD) spricht
von einer Milliarde Euro pro Jahr. In Bayern seien dafür im Haushalt
hingegen lediglich fünf Millionen Euro vorgesehen.
(ddp)
Zusätzliche Nachrichten aus unserem Portal: In einem Punkt sind sich die meisten Delegationsmitglieder der
ersten Chinareise von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) einig:
er hat im Umgang mit seinen Gastgebern keine groben Fehler gemacht.
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