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Schwerin (ddp-nrd). Öffentliche Aufträge im Nahverkehr in
Mecklenburg-Vorpommern sollen künftig nur noch an tariftreue
Unternehmen vergeben werden. Die Landesregierung will bis zum Herbst
einen Gesetzentwurf erarbeiten, mit dem die Auftragsvergabe im
Personen- und Schienennahverkehr neu geregelt wird, wie das
Wirtschaftsministerium am Dienstag in Schwerin mitteilte. Mit dem
Gesetz solle verhindert werden, dass Niedrigstlöhne den Wettbewerb
verzerren, sagte Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU).
Bieter sollen sich demnach verpflichten, ihren Beschäftigten den
regionalen tariflichen Mindestlohn zu zahlen. Zudem soll
sichergestellt werden, dass nicht grundsätzlich der billigste
Anbieter genommen werde, sondern sich das wirtschaftlichste Angebot
durchsetzen könne, sagte Seidel. Angebote mit unangemessen hohen oder
niedrigen Preisen sollen keinen Zuschlag mehr erhalten können. «Wir
dürfen mit der Vergabe öffentlicher Aufträge und staatlicher Gelder
keine Dumpinglöhne unterstützen», sagte Seidel.
Dem Verfahren wird eine Marktanalyse des Personentransportgewerbes
im Land vorausgehen, in dem auch die bei den Transportunternehmen
gezahlten Löhne ermittelt werden sollen. Der Gesetzentwurf wird vom
Wirtschaftsministerium erarbeitet und dem Kabinett zugeleitet,
anschließend befasst sich der Landtag damit.
«Es ist gut, dass der Weg, den wir bereits bei der Ausschreibung
des Teilnetzes Warnow gegangen sind, mit einem Landesgesetz
nachvollzogen werden soll», sagte Verkehrsminister Volker Schlotmann
(SPD). Über die Vergabe werde im Sommer entschieden. Er hätte sich
gewünscht, dass noch mehr Branchen in das Gesetz einbezogen werden.
Auch die Gewerkschaft ver.di begrüßte die Tariftreue-Klausel. Sie
sei von besonderer Bedeutung vor dem Hintergrund der für 2011
vorgesehenen Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU, sagte die
stellvertretende Chefin von ver.di Nord, Karin Hesse.
Die Linke im Landtag warf der Koalition hingegen vor, mit dem
Vergabegesetz für den öffentlichen Nahverkehr nichts an der Tatsache
zu ändern, dass das Land Lohndrückerei weiterhin Vorschub leiste. Die
Linksfraktion werde deshalb nach der Sommerpause einen eigenen
Entwurf eines Vergabegesetzes in den Landtag einbringen, kündigte
Fraktionschef Helmut Holter an. Das solle regeln, dass alle
öffentlichen Aufträge nur noch an Unternehmen vergeben werden, die
tarifliche und soziale Standards einhalten.
(ddp)
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