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Dienstag, 2. März 2010


Frankfurt am Main (ots) -

- Großes Innovationspotential dank guter Forschungslandschaft und
Systemwissen
- Defizite bei Forschungsfinanzierung und Umsetzung von Ideen in
Produkte

Die Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologien
(IKT) als Wirtschaftsfaktor und Innovationstreiber wächst weiter.
Bereits heute zählt die IKT-Branche, die im OECD-Durchschnitt etwa
zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet, mit etwa
750.000 Arbeitsplätzen und einem jährlichen Umsatz von rund 150
Milliarden Euro in Deutschland zu den Schlüsselbranchen. Die
Hebeleffekte sind weitaus größer. In vielen Märkten werden künftig
weit mehr als 50 Prozent aller neuen Produkte durch den Einsatz von
IKT entstehen. Dank einer guten Forschungslandschaft und einer
international ausgerichteten IKT-Industrie nimmt Deutschland bei
Fest- und Mobilfunknetzen und den "Embedded Systems" eine führende
Innovationsposition ein. Damit eröffnet sich die Chance, dringend
benötigte Komponenten, Systeme und Anwendungen "Invented and
engineered in Germany" für den Weltmarkt bereitzustellen: für
energieeffiziente Hochgeschwindigkeitsnetze, "intelligente"
Kommunikationsendgeräte und IKT-Lösungen in nahezu allen Industrie-
und Dienstleistungsbereichen.

Allerdings müssen zur Erreichung dieser Ziele die
Forschungsförderung und Erfindungseffizienz in Deutschland verbessert
werden. Zu diesem Schluss kommt das neue VDE-Positionspapier "IKT
2020: Fakten - Trends - Positionen" - basierend auf Expertenanalysen
der Informationstechnischen Gesellschaft (ITG) im VDE: "Der
Weiterentwicklung der IKT in allen drei Teilbereichen des magischen
IKT-Dreiecks - Komponenten, Systeme und Anwendungen - kommt eine
strategische Bedeutung gerade in einem Industrieland wie Deutschland
zu. Nur durch die effiziente Verknüpfung von Wissenschaft und
industrieller Innovationskraft können weltmarktfähige Produkte
entstehen. Dazu ist gleichermaßen eine leistungsfähige
IKT-Infrastruktur wie eine erstklassige Ausbildung in Schulen und
Hochschulen notwendig", so Prof. Dr.-Ing. Ingo Wolff, Mitglied im
VDE-Präsidium und Vorsitzender der VDE|ITG.

Neue Herausforderungen für die IKT-Systeme

Das Internet entwickelt sich zur globalen multimedialen
Kommunikationsplattform für eine wachsende Zahl von Anwendungen
weiter. Der Datenverkehr in den Netzen verzeichnet seit über 15
Jahren einen Zuwachs um 50 bis 100 Prozent. Die Systeme müssen
deshalb den wachsenden Bandbreitenanforderungen langfristig angepasst
werden, um eine Versorgung der Teilnehmer mit einer Datenrate von
mindestens 1 Gbit/s zu ermöglichen. Zugleich gilt es, den
Energieverbrauch der Kommunikationstechnik erheblich zu reduzieren.
Die millionenfach benötigten Einrichtungen sind hochkomplexe Produkte
der IKT-Industrie und ein Eckpfeiler der wirtschaftlichen
Wertschöpfungskette, insbesondere in Deutschland. Mit der steigenden
Verarbeitungsgeschwindigkeit der Mikro- und Optoelektronik, den
wachsenden Speicherkapazitäten sowie der vertikalen Verlagerung der
Realisierung von Funktionen in Hardware und Software geht ein
dramatischer Wandel in den Systemkonzepten für Netz- und
Endeinrichtungen einher. Neue Systemlösungen sind gefragt und
erfordern umfangreiche und intensive Forschungs- und
Entwicklungsarbeiten. An diesem Punkt treten die Stärken und
Schwächen, Chancen und Herausforderungen des IKT-Standorts
Deutschland besonders deutlich zu Tage.

Stärken in der Forschung, Schwächen bei der Nutzung

Aufgrund der leistungsfähigen Forschungslandschaft und der
erfolgreichen Forschungskooperationen zwischen Industrie,
Forschungsinstituten und der Hochschulen verfügt Deutschland über
eine führende Innovationsposition bei Mobilfunk- und
Festnetztechologien. Allerdings stellt der Ende 2009 vom
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie herausgegebene
Monitoring-Report Digital fest, dass die FuE-Ausgabenquote für IKT in
Deutschland mit 0,29 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu
gering ist. Gefordert werden bessere Rahmenbedingungen: die Reduktion
des administrativen Aufwands, eine steuerliche Forschungsförderung
und die Steigerung der FuE-Ausgaben für den Wirtschaftsbereich IKT um
jährlich 15 Prozent bis 2015. Darüber hinaus liegt der IKT-Standort
Deutschland im Vergleich mit 15 internationalen, im IKT-Bereich
führenden Länder-Standorten nur im Mittelfeld auf Platz 7. Als großer
Nachteil wird angeführt, dass aus einer führenden
Innovationsposition heraus nicht genügend schnell und nicht genügend
viele marktfähige Produkte generiert werden.

Chancen für klassische Schlüsselindustrien und innovative
Anwendungen

Bereits die Innovationsrate der IKT-eigenen Produktsegmente
(Computersysteme, Software, Telekommunikation, Medientechnik) ist
anhaltend hoch. Darüber hinaus führt der Einsatz der IKT in vielen
anderen Wirtschaftsbereichen zu einem erheblichen Strukturwandel mit
vielen Innovationen. Besonders deutlich wird dieser Trend im
Maschinenbau, in der Automobilindustrie und in der Medizintechnik.
Hier haben "eingebettete" IKT-Mikrosysteme die Systemarchitekturen
revolutioniert und machen heute einen beträchtlichen Teil der
Wertschöpfung aus. Der wachsende Anteil der Automobilelektronik (zum
Beispiel Fahrerassistenzsysteme) im Kraftfahrzeugbau zeigt dies
deutlich. So besitzt ein Oberklassewagen heute bis zu 40 Prozent
computergesteuerte Komponenten. Doch auch in der Medienwirtschaft, im
Bildungswesen und anderen Dienstleistungszweigen sowie in der
Energietechnik (eEnergy) und in der Logistik bestimmt der IKT-Anteil
zunehmend die Innovation.

IKT-Technologien sichern damit die Spitzenposition der
traditionell starken Wirtschaftszweige Deutschlands. Die
"eingebetteten" IKT-Systeme spielen dabei eine wichtige Rolle. Da sie
im Unterschied zu den "traditionellen" IKT-Systemen (zum Beispiel
Endgeräte oder PCs) weitgehend unsichtbar sind, wird ihre
volkswirtschaftliche Bedeutung oft unterschätzt. Sie bilden jedoch
neben den konvergenten Fest- und Mobilfunknetzen sowohl technisch als
auch wirtschaftlich den Kern vieler industrieller Anwendungen und
Dienste von der Industrieautomation bis zum Telemonitoring.

Wichtige zukünftige Anwendungs- und Entwicklungsfelder der IKT
liegen laut VDE-Positionspapier in den Bereichen "Future Internet",
Anwendungen in der Logistik, Ambient Assisted Living,
interdisziplinäre Technologiefelder wie Medizin- und
Automatisierungstechnik, Verkehrs- und Satellitentechnik, Smart
Grids, serviceorientierte Architekturen, softwarebasierte Anwendungen
und Embedded Systems. Für alle IKT-Systeme, die in der Zukunft in
innovativen Feldern eingesetzt werden, gilt die deutliche Forderung,
dass sie einen reduzierten Energieverbrauch haben.

Strategische Innovationsförderung für Deutschland und Europa

Um die Chancen in der IKT sowie die Hebeleffekte für Anwendungen
und Dienste auch künftig zu nutzen, sind aus VDE-Sicht große
Forschungsanstrengungen erforderlich. Der Forschungsverbund mit der
Wirtschaft, besonders mit den mittleren und kleinen Unternehmen,
sollte auf nationaler und insbesondere auch auf europäischer Ebene
verstärkt werden, da sich die Industrieunternehmen zunehmend
international organisieren. Darüber hinaus gilt es laut
VDE-Positionspapier, europaweit vergleichbare Förderregeln zu
schaffen. Viele Staaten gewinnen Unternehmen, indem sie steuerliche
Anreize für Wirtschaftsunternehmen gewähren, die vor Ort Forschung
betreiben wollen. Von den richtigen Weichenstellungen hängt aus
VDE-Sicht viel ab: "Die IKT hat als Querschnittstechnologie für
nahezu alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche eine
Treiberfunktion und ist für die Volkswirtschaft von größter
strategischer Bedeutung. Dies gilt sowohl für das Wirtschaftswachstum
als auch für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands insgesamt."

Die Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG) engagiert
sich mit 12.000 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik für
die Förderung der Informationstechnik, ihrer Anwendungen und für den
technisch-wissenschaftlichen Nachwuchs. Der VDE, Verband der
Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik, ist mit 35.000
Mitgliedern, davon 1.300 Unternehmen, einer der großen
technisch-wissenschaftlichen Verbände Europas.

Hinweis für die Redaktion: Die Studie kann für 250 Euro unter
www.vde.com bestellt werden. Für VDE-Mitglieder und für Journalisten
ist sie kostenlos.

Originaltext: VDE Verb. der Elektrotechnik Elektronik
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/9158
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Pressekontakt:
Melanie Mora, Telefon: 069 6308-461, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie es sehen können

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