ots: Deloitte / Das Glück der Tüchtigen / Einbruch am Arbeitsmarkt bleibt aus ...
Dienstag, 1. Dezember 2009


München (ots) - Der deutsche Arbeitsmarkt übersteht die
Wirtschaftskrise besser als erwartet. Die Beschäftigtenzahlen werden
zwar weiter zurückgehen, allerdings nicht so stark wie befürchtet. Zu
diesem Schluss kommt die Deloitte-Studie "Siegt der Weitblick?", der
zufolge die Arbeitslosenrate in den kommenden zwei Jahren nicht über
zehn Prozentpunkte steigen wird, denn die deutsche Wirtschaft ging
gut gerüstet in die Krise. Eine geringe Verschuldung von Staat,
Unternehmen und Haushalten, viele gut aufgestellte Firmen sowie
weltweite Handelsbeziehungen bildeten schon zu Beginn der Krise einen
Puffer. Staatshilfen an Banken und Betriebe, die Verlängerung der
Kurzarbeitsregelung und die dadurch robust bleibende
Verbrauchernachfrage gaben der Wirtschaft Stabilität. Die Unternehmen
handeln bislang umsichtig - sie nutzen Rücklagen und staatliche
Hilfen vor allem, um Mitarbeiter zu halten und Geschäftsabläufe
anzupassen, denn dies ist für den kommenden Aufschwung grundlegend.

"Vor allem der demografische Wandel sorgt dafür, dass es sich
niemand leisten kann, gute Leute gehen zu lassen. Der heute schon
harte Wettbewerb um Talente wird bald noch härter werden, in den
nächsten elf Jahren wird Deutschland allein durch Überalterung 1,5
Millionen Arbeitskräfte verlieren. Jemanden, den ich heute entlasse,
kann ich morgen nicht einfach wieder einstellen", erläutert Dr.
Elisabeth Denison, Leiterin Research Deutschland bei Deloitte.

Gut vorbereitet in und durch die Krise

Deutschlands Unternehmen kommen schneller auf die Beine als
erwartet: Sie hatten sich schon vor der Krise effizient aufgestellt.
Niedrige Schulden sorgten für ausreichende Geldreserven, leere Lager
für Spielraum in auftragsschwachen Zeiten und auch die aufgebauten,
weitverzweigten Handelsbeziehungen der Unternehmen helfen. Zwar geht
die Nachfrage aus Spanien oder den Niederlanden noch zurück, doch aus
China kommen schon wieder Aufträge. Überdies hat die deutsche
Regierung einiges unternommen, um Krisen entgegenzuwirken:
Arbeitsmarktreformen senkten schon im Vorfeld der Krise die
Sockelarbeitslosigkeit, Staatshilfen verhinderten ein massives
Einbrechen des Kreditangebots und das Kurzarbeitergeld entlastete
zahlreiche Betriebe, vor allem in den beschäftigungsintensiven
Industrien wie Maschinen- und Anlagenbau, Automobil oder Chemie.
Diese Maßnahmen stützen den Arbeitsmarkt und damit die
Binnennachfrage entscheidend und schaffen so eine solide Grundlage
für die derzeit einsetzende Erholung auf der Exportseite.

Arbeitsmarkt stärker als in früheren Krisen Dass diese Maßnahmen
der derzeitigen Krise tatsächlich die Spitze genommen haben, zeigt
der Vergleich mit vergangenen Rezessionen (1973, 1980, 1992, 1995 und
2002). Diese hatten in Deutschland immer eine Steigerung der
Sockelarbeitslosigkeit zur Folge, was wiederum die Krise verschärfte.
Doch Regierung und Wirtschaft haben dazugelernt und eine Reihe von
Arbeitsmarktreformen vorgenommen, dank derer die
Sockelarbeitslosigkeit seit 1998 zurückgeht - während der derzeitigen
Krise haben bislang 40.000 Erwerbstätige pro Quartal ihre Anstellung
verloren, in den vergangenen fünf waren es noch durchschnittlich
70.000. Die Arbeitslosenrate stieg im vergangenen Jahr um 0,7 Punkte
auf 9,5 Prozent, während der vergangenen fünf Wirtschaftskrisen
betrug der Anstieg durchschnittlich 3,45 Prozent.

Beschäftigung nimmt dennoch weiter ab

Aber auch die Unternehmen haben Anteil an der positiven
Entwicklung der Lage. Statt Stellen abzubauen, setzen die Betriebe
vor allem auf Kurzarbeit, deren Laufzeit vor Kurzem auf 24 Monate
verlängert wurde, außerdem werden Maßnahmen wie der Abbau von
Überstunden, Urlaub oder Arbeitszeitkonten angewandt. Wenn doch
Entlassungen vorgenommen werden müssen, geschieht dies häufig zuerst
in ausländischen Niederlassungen, nicht an deutschen Standorten. Die
Unternehmen verwenden die damit erzielten Einsparungen meist zur
Überbrückung auftragsschwacher Zeiten oder für die strategische
Neuausrichtung ihrer Geschäfte, Gewinnmitnahmen bleiben die Ausnahme.
Es gilt, sich auf die kommende Erholung vorzubereiten. Gelingt dies
noch vor dem Auslaufen der Kurzarbeitsregelung, werden die meisten
Kurzarbeiter ihre Anstellung behalten.

"Wir rechnen bedingt durch Konsolidierung und Abwicklung einiger
Unternehmen zwar mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit ab dem
Frühjahr 2010. Sollte sich die Wirtschaft jedoch weiter so entwickelt
wie bisher, wird dies nicht zu einer Überschreitung der
Fünf-Millionen-Marke führen. Mit Auslaufen der Kurzarbeitsregelung im
Januar 2011 wird die Arbeitslosenrate vermutlich zehn Prozentpunkte
erreichen - das ist hart, aber längst nicht so schlimm wie
befürchtet", fasst Dr. Elisabeth Denison zusammen.

Den kompletten Report erhalten Sie auf Anfrage.

Ende

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