Wirtschaft schaltet einen Gang höher
Freitag, 23. April 2010
Wirtschaft schaltet einen Gang höher

München (ddp). Das Geschäftsklima der gewerblichen Wirtschaft Deutschlands hat sich im April erneut kräftig verbessert. Wie das Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung am Freitag in München mitteilte, stieg der Geschäftsklimaindex auf 101,6 Punkte. Das ist das höchste Niveau seit Juni 2008. Volkswirte hatten für April eine Zunahme auf 98,9 Punkte erwartet. Der Aufwärtstrend hält damit seit März 2009 fast ununterbrochen an. Nur im Februar war der Index witterungsbedingt gesunken.

Die Unternehmen seien mit ihrer momentanen Geschäftssituation erheblich zufriedener als bislang, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch hinsichtlich des weiteren Geschäftsverlaufs in den nächsten sechs Monaten seien die Befragungsteilnehmer erneut optimistischer als im Vormonat. «Die deutsche Wirtschaft schaltet einen Gang höher», sagte Sinn. Der monatlich unter rund 7000 Unternehmen erhobene Ifo-Geschäftsklimaindex ist das wichtigste Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft.

Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger sprach von einer «kräftigen Frühjahrsbelebung». Von einem Durchbruch würde er noch nicht sprechen, weil weiterhin Risiken bestünden. «Aber es ist sehr positiv», sagte er. Die Risiken lägen vor allem darin, dass noch keine Klarheit bestehe, wann und in welchem Umfang die Politik ihre Stabilisierungsmaßnahmen zurückfahren und wie sie die Konsolidierung gestalten werde. «Daraus könnten sich noch dämpfende Wirkungen ergeben», sagte der Ifo-Experte.

Aus der Sicht von Bankvolkswirten spricht der Anstieg für eine kräftige Wachstumserholung im ersten Halbjahr. Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe sagte: «Die Ifo-Befragung stützt unsere Erwartung, dass die Wirtschaft im Sommerhalbjahr in die Wachstumsspur zurückfinden wird. Diese Sicht untermauern auch andere wichtige Klimaindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes und ZEW-Indizes sowie die Auftragslage.»

ING-Volkswirt Carsten Brzeski sagte, die Ifo-Zahlen seien ein weiterer Anhaltspunkt dafür, dass die Konjunkturschwäche um den Jahreswechsel herum nur eine vorübergehende Schwäche gewesen sei. «In Sachen Wirtschaftswachstum könnte das erste Quartal noch mal enttäuschend gewesen sein, obwohl immer noch eine gewisse Chance auf ein moderates Wachstum besteht», sagte Brzeski.«

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte am Freitag in einer Regierungserklärung zur Wirtschaftspolitik im Bundestag, Deutschland sei gut aufgestellt. Die Wirtschaft wachse wieder, im laufenden Jahr um 1,4 und im kommenden Jahr um 1,6 Prozent. «Deutschland ist nachhaltig zurück auf Wachstumskurs», sagte Brüderle. Allerdings gehe der Großteil des Wachstums 2010 auf die staatlichen Stabilisierungs- und Unterstützungsmaßnahmen zurück. Notwendig sei jedoch die Rückkehr zu einem selbsttragenden, nachhaltigen Wachstumsprozess, der nicht auf den Staat zähle, sondern auf Marktkräfte und Eigeninitiative vertraue.

(ddp)

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