Krise drückt Zahlungsmoral
Donnerstag, 22. April 2010
Krise drückt Zahlungsmoral

Berlin (ddp). Das Zahlungsverhalten deutscher Unternehmen und Privathaushalte hat sich in den vergangenen Monaten verschlechtert. Nach der am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Frühjahrsumfrage des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) drückt die Rezession weiterhin die Zahlungsmoral.

Laut BDIU gaben 48 Prozent der befragten Branchenunternehmen an, dass Kunden Rechnungen schlechter bezahlten als noch vor sechs Monaten. Für 47 Prozent habe sich das Zahlungsverhalten nicht verändert, und fünf Prozent seien der Meinung gewesen, dass sich das Zahlungsverhalten gebessert hat.

BDIU-Präsident Wolfgang Spitz sagte, dass immer mehr Firmen in Zahlungsschwierigkeiten gerieten, weil sie fest eingeplante Aufträge nicht erhalten hätten oder bereits ausgeführte Aufträge nicht bezahlt worden seien. Wegen der anhaltenden Liquiditätsprobleme rechnet der BDIU in diesem Jahr mit einem Anstieg der Zahl der Unternehmensinsolvenzen von 32 687 im vergangenen Jahr auf bis zu 36 000. Besonders von der schlechten Zahlungsmoral ihrer Kunden betroffen sind laut Umfrage das Baugewerbe, die Dienstleistungsbranche und das Handwerk.

Laut BDIU hat auch die Rechnungstreue der öffentlichen Hand weiter nachgelassen. Gründe seien der teilweise dramatische Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen und die gleichzeitig deutlichen Kostensteigerungen im Sozialbereich. Gleichzeitig hätten die Kommunen Außenstände von mindestens zwölf Milliarden Euro, sagte Spitz.

Bei Verbrauchern seien in erster Linie Überschuldung sowie Arbeitslosigkeit die Gründe für ausbleibende Zahlungen. Insgesamt habe sich die Krise für die Verbraucher und deren Zahlungsverhalten wegen der nur gering gestiegenen Arbeitslosigkeit aber weniger stark ausgewirkt als befürchtet, so der Verband. Aufgrund der hohen Überschuldung würden die Verbraucherinsolvenzen dennoch weiter steigen. Der BDIU erwartet in diesem Jahr 105 000 Fälle - nach 101 102 im Vorjahr.

(ddp)

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