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Berlin (ddp). Nach der erneuten Zuspitzung der Finanzkrise
Griechenlands sieht die Bundesregierung keinen Anlass, ihren Kurs zu
ändern. Die EU-Kommission erwartet, dass das milliardenschwere
Rettungspaket für Griechenland in den nächsten Tagen fertiggestellt
sein wird. Derweil erwägt der Internationale Währungsfonds (IWF)
einem Medienbericht zufolge die Aufstockung seiner Finanzhilfen um
zehn Milliarden Euro.
Die stellvertretende Regierungssprecherin Sabine Heimbach sagte am
Mittwoch in Berlin, die Verhandlungen der EU-Kommission, der
Europäischen Zentralbank (EZB) und des IWF mit Griechenland seien
noch nicht beendet, und es gebe keinen neuen Sachstand. Die
Verhandlungen liefen mit dem Ziel, ein belastbares Reformprogramm auf
den Weg zu bringen.
Die Bundesregierung habe immer deutlich gemacht, dass sie - wenn
nötig - handeln werde, um die Finanzstabilität in der Eurozone zu
sichern, sagte Heimbach weiter. Die Kritik aus dem Ausland an der
deutschen Position sei daher nicht nachvollziehbar.
Einem Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums zufolge will die
Bundesregierung im Bundestag Hilfen für Griechenland nicht nur für
2010, sondern auch für 2011 und 2012 beantragen. Wie die
Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires berichtete, soll der Bundestag
für das laufende Jahr eine Summe genehmigen, die dem Anteil
Deutschlands am Kapital der EZB entspricht, wobei Griechenland selbst
nicht mitgezählt wird. Das wären 27,92 Prozent, woraus entsprechend
der Hilfszusage von 30 Milliarden Euro eine Zahlung von 8,376
Milliarden Euro resultieren würde.
Für die Folgejahre werde in dem Entwurf noch keine Größenordnung
genannt. Konkretisiert werden sollten die Summen am kommenden
Wochenende, wenn Griechenland die Gespräche mit dem IWF
voraussichtlich abgeschlossen haben werde.
Die EU-Kommission erwartet, dass das milliardenschwere
Rettungspaket für Griechenland in den nächsten Tagen fertiggestellt
sein wird. «Die Kommission macht bei den Gesprächen zusammen mit dem
Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Zentralbank und den
griechischen Regierungsbehörden solide und schnelle Fortschritte»,
sagte ein Sprecher der EU-Behörde in Brüssel. Der Finanzbedarf
Griechenlands werde rechtzeitig gedeckt.
Ein Zahlungsausfall oder eine Restrukturierung der griechischen
Schulden sei hingegen keine Option, betonte der Sprecher. Dies sei
von den 16 Euro-Ländern so beschlossen worden. Die Möglichkeit eines
Zahlungsausfalls sei bei den Treffen zwischen dem Währungsfonds, der
Europäischen Zentralbank, der EU und den griechischen Behörden nicht
einmal diskutiert worden.
Griechenland hat angesichts der explodierenden Zinsen für seine
Staatsanleihen die Eurozone um Finanzhilfe gebeten. Die EU hatte sich
Ende März auf ein Paket für Griechenland verständigt, das neben
Hilfen des Internationalen Währungsfonds auch Kredite der Euroländer
umfasst. Bis zum 19. Mai muss Griechenland 8,5 Milliarden auftreiben,
um auslaufende Staatsanleihen abzulösen.
Die «Financial Times» (Mittwochausgabe) berichtete unter Berufung
auf hochrangige Bankmanager und Beamte in Washington und Athen, der
IWF habe bereits Gespräche über eine Erhöhung seiner Finanzhilfe für
Griechenland um zehn Milliarden Euro begonnen. Der IWF hat
Griechenland bereits im Rahmen des Hilfspakets mit der Eurozone 15
Milliarden Euro zugesagt.
Mehrere Politiker - darunter die Ministerpräsidenten von
Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, Jürgen Rüttgers (CDU) und
Kurt Beck (SPD), forderten am Mittwoch eine finanzielle Beteiligung
deutscher Banken an den Nothilfen für Griechenland.
Vize-Regierungssprecherin Heimbach sagte, Bundeskanzlerin Angela
Merkel teile die Position von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble
(beide CDU), dass die Banken dazu nicht herangezogen werden sollten.
Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums kündigte an, die
Berliner Entscheidung über Griechenland-Hilfen solle «möglichst
schnell bis zum 7. Mai fallen». Heimbach schränkte allerdings ein,
dies gelte nur dann, wenn bis dahin die Grundlagen für einen
nationalen Beschuss vorlägen. Die Kanzlerin habe die Ressortchefs
daher zu «maximaler Flexibilität bei der Kabinettsplanung gebeten».
Der von den Bonitätsherunterstufungen Portugals und Griechenlands
belastete deutsche Aktienmarkt reduzierte seine deutlichen Verluste
bis zum frühen Mittwochnachmittag. Der Leitindex DAX notierte nur
noch 0,2 Prozent im Minus, nach 2,0 Prozent am Mittag. Die wegen der
Finanzkrise besonders unter Druck stehenden Finanztitel erholten sich
etwas. Die Aktien der Deutschen Bank drehten sogar ins Plus.
Commerzbank-Papiere lagen nur noch ein halbes Prozent im Minus, am
Mittag waren es noch 5,5 Prozent. Auch der Euro legte wieder etwas zu
und notierte bei 1,3250 Dollar.
(ddp)
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