Euro-Raum droht Krise
Mittwoch, 28. April 2010
Euro-Raum droht Krise

Berlin (ddp). Die Finanzkrise Griechenlands droht den gesamten Euro-Raum in eine Krise zu stürzen. Die Ratingagentur Standard & Poor´s (S&P) senkte am Mittwoch ihre Bonitätseinschätzung auch für Spanien, nachdem sie einen Tag zuvor bereits Griechenlands und Portugals Bonität abgestuft hatte. Zudem wurde bekannt, dass der griechische Finanzbedarf noch höher sein dürfte als bislang bekannt. Der Euro sackte auf ein Jahrestief ab. Die Bundesregierung hofft nun auf eine Einigung für Hilfen an Griechenland Anfang Mai.

Mit der Absenkung des Langfrist-Ratings Spaniens dürften sich die Refinanzierungskosten des hoch verschuldeten Landes weiter erhöhen. Der Euro fiel daraufhin bis 17.30 Uhr auf 1,3116 US-Dollar, dem tiefsten Stand seit Ende April 2009. Neben der Abstufung Spaniens sorgten auch Meldungen über griechischen Finanzbedarf für Unruhe.

Nach einem Krisentreffen der Bundesregierung mit den Spitzen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank sagte ein Teilnehmer, das Hilfspaket für Griechenland könne über drei Jahre ein Volumen von rund 120 Milliarden Euro haben. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) schloss in Sao Paulo eine solche Summe nicht aus. Er verwies darauf, dass die Hilfsaktion auf drei Jahre angelegt sei. Die bisher vorgesehenen 15 Milliarden Euro vom IWF und 30 Milliarden Euro aus der Europäischen Union seien auf ein Jahr bezogen. «Wenn man das auf drei Jahre bezieht, hat man natürlich eine Zahl mit dem Faktor drei», sagte Brüderle.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bemühte sich derweil um den Kurs für das Rettungspaket Griechenlands. Deutschland stehe zu seinen europäischen Verpflichtungen bei der Bewältigung der Griechenland-Krise, denn es gehe letztlich um die Stabilität des Euro-Raumes, sagte Merkel nach einem Treffen mit IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in Berlin. Allerdings mache Deutschland seine Entscheidungen vom Ergebnis der Verhandlungen der griechischen Regierung mit den internationalen Finanzinstitutionen abhängig, fügte Merkel hinzu. Voraussetzung für eine massive Finanzhilfe sei ein ambitioniertes Programm Griechenlands, um das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen.

Strauss-Kahn rechnet mit einem zügigen Abschluss dieser Gespräche mit Athen. Schließlich würden angesichts der Probleme «schnelle Entscheidungen» gebraucht. Zudem gehe es nicht allein um Griechenland, sondern um die gesamte Euro-Zone. Auf die Frage, ob der IWF mit der Rückzahlung der Hilfsgelder rechnet, sagte Strauss-Kahn: «Es gibt kein IWF-Programm, das in der Vergangenheit nicht zurückgezahlt worden wäre.»

Auch die EU-Kommission erwartet, dass das milliardenschwere Rettungspaket für Griechenland in den nächsten Tagen fertiggestellt sein wird. «Die Kommission macht bei den Gesprächen zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Zentralbank und den griechischen Regierungsbehörden solide und schnelle Fortschritte», sagte ein Sprecher der EU-Behörde in Brüssel. Der Finanzbedarf Griechenlands werde rechtzeitig gedeckt.

Ein Zahlungsausfall oder eine Restrukturierung der griechischen Schulden sei hingegen keine Option, betonte der Sprecher. Dies sei von den 16 Euro-Ländern so beschlossen worden. Die Möglichkeit eines Zahlungsausfalls sei bei den Treffen zwischen dem Währungsfonds, der Europäischen Zentralbank, der EU und den griechischen Behörden nicht einmal diskutiert worden.

(ddp)

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