ots: Booz & Company / Finanzkrise eröffnet neue Chancen für Versicherer
Mittwoch, 29. April 2009


München (ots) - Vermögensverluste der Lebensversicherer durch
Anlageformen / Neugeschäft bei fondsgebundenen Angeboten um die
Hälfte eingebrochen / Beharren auf alten Geschäftsmodellen gefährdet
Existenz / Ausländische Akteure drängen mit innovativen Produkten auf
deutschen Markt

Nach einem überaus erfolgreichen Jahr 2008 stehen die Versicherer
in Deutschland nun vor nie da gewesenen Herausforderungen. Die
Verbraucher zeigen sich immer stärker verunsichert. Alleine bei den
fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen ist das Neugeschäft
seit Anfang des Jahres um bis zu 50% gegenüber dem Vorjahr
eingebrochen. Die klassische Kapitallebensversicherung hingegen zeigt
sich vergleichsweise stabil im Angesicht der weltweiten Rezession.
Aktueller Gewinner sind die so genannten Variable Annuities. Aus
Sicht der Untersuchung von Booz & Company zum deutschen
Versicherungsmarkt ergibt sich hier in den nächsten drei bis fünf
Jahren ein Marktpotenzial von bis zu 70 Mrd. Euro.

Neben der Etablierung von neuen Produkten, müssen die Versicherer
auch ihre eigenen Anlagen in den Griff bekommen. Die deutschen
Aktienmärkte, an denen die Lebensversicherer einen Teil der Einlagen
ihrer Kunden investieren, sind um mehr als 40% eingebrochen. Auch
wenn viele Versicherer ihre Aktienbestände rechtzeitig reduziert
haben, kommt es dennoch zu gravierenden Vermögensverlusten. In ersten
Reaktionen reduzieren die Versicherer weiter Überschussbeteiligungen,
erhöhen ihre Rückversicherungsdeckung und optimieren die Kostenbasis.
Dies ist jedoch nur der erste Schritt. "Ohne eine grundlegende
Anpassung ihrer Geschäftsmodelle können die Unternehmen sich am Markt
nicht mehr langfristig behaupten", sagt Johannes Bussmann,
Geschäftsführer bei Booz & Company. Grundsätzlich gilt: "Die
Verunsicherung der Konsumenten führt zu einer beschleunigten
Veränderung ihrer Bedürfnisse."

Die dritte Herauforderung für die deutschen Versicherer entsteht
durch ausländische Wettbewerber, die mit intelligenten neuen
Produkten auf den lukrativen Markt einbrechen. "Diese haben mit
innovativen, fondbasierten Garantieprodukten schlicht mehr Erfahrung.
Und diese werfen sie nun in die Wagschale, um auf dem deutschen Markt
Fuß zu fassen", erklärt Bussmann weiter.

Chancen durch die Krise: Versicherer können auf Kosten der Banken
gewinnen

Die Booz & Company Untersuchung zeigt, dass die deutschen
Versicherer die Folgen der Finanzkrise zwar deutlich langsamer als
die Banken spüren, aber am Ende mit kaum weniger dramatischen Folgen
für ihr Geschäftsmodell rechnen müssen. Die Versicherungsunternehmen
müssen daher auf die aktuelle Situation rasch mit den geeigneten
operativen und strategischen Lösungsansätzen reagieren. So können sie
sogar vom aktuellen Vertrauensverlust und Kapitalabfluss bei den
Banken profitieren.

Auf strategischer Ebene müssen Versicherungen spartenübergreifende
Angebote konzipieren, die gezielt auf die Anforderungen spezifischer
Kundensegmente eingehen. Um mehrere Geschäftsmodelle parallel
betreiben zu können, ist eine ausgefeilte Kundensegmentierung die
Voraussetzung. Dazu sind Faktoren wie Vermögensverhältnisse und
Lebensphase sowie auch verhaltensorientierte Differenzierungen der
Kunden Erfolg versprechende Ansatzpunkte. Wie viele Segmente eine
Versicherung entwickeln sollte, ist von der Relation zwischen Umsatz
und Kosteneffizienz der Leistungserbringung abhängig. Erfahrungen von
Booz & Company zufolge, können selbst große Versicherungen neben
einem Basissegment bislang nur wenige zusätzliche Segmente abdecken.

Die Finanzkrise eröffnet den Lebensversicherern aktuell die
Chance, sich im Segment der gehobenen Privatkunden nachhaltig zu
positionieren. Auch hier könnte die Lebensversicherung als sichere
Anlage vermehrt Absatz finden. In Deutschland verfügen 4,7 Millionen
Personen über ein Vermögen von rund 860 Mrd. Euro. Jede von ihnen
generiert im Durchschnitt einen mehr als dreimal so hohen Umsatz wie
im klassischen Retail-Geschäft. Bisher haben sich die deutschen
Versicherer jedoch kaum um diesen Markt bemüht.

Um dieses lukrative Segment zu erschließen, ist eine qualitativ
hochwertige Beratung erforderlich. Dem Vertrieb kommt auch bei der
Umsetzung der neuen strategischen Konzepte die Schlüsselrolle zu. Er
hat einen hohen Anteil an der Wertschöpfung der Versicherer. Diese
stehen vor der Aufgabe, ihre Vertriebskanäle entsprechend zu
qualifizieren und weiter zu entwickeln. Die klassischen Direktkanäle
können laut der Untersuchung auch in Zukunft nur zu einem kleinen
Teil die persönliche Beratung ersetzen.

"Die Basisdaten müssen allerdings ebenfalls stimmen", sagt
Christian Reber, Mitglied der Geschäftsleitung bei Booz & Company.
"Ohne eine stärkere Disziplin im Kostenmanagement, kann es den
Versicherern nicht gelingen, ihren Vertrieb ideal zu positionieren.
Einsparpotenziale sind in Administration und Operations sowie in der
Schadensbearbeitung gegeben, wo ausländische Versicherer durch
professionelles Case Management substanzielle Einsparungen erzielen.
Davon können die deutschen Versicherungen lernen."

Über Booz & Company:

Booz & Company ist mit mehr als 3300 Mitarbeitern in 59 Büros auf
allen Kontinenten eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Zu
den Klienten gehören erfolgreiche Unternehmen sowie Regierungen und
Organisationen.

Unser Gründer Edwin Booz formulierte bereits 1914 die Grundlagen
der Unternehmensberatung. Heute arbeiten wir weltweit eng mit unseren
Klienten zusammen, um die Herausforderungen globaler Märkte zu
meistern und nachhaltiges Wachstum zu schaffen. Dazu kombinieren wir
einzigartiges Marktwissen sowie tiefe funktionale Expertise mit einem
praxisnahen Ansatz. Unser einziges Ziel: unseren Klienten jederzeit
den entscheidenden Vorteil zu schaffen. Essential Advantage.
Informationen zu unserem Management-Magazin strategy+business finden
Sie unter: www.strategy-business.com .

www.booz.com/de

Originaltext: Booz & Company
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