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Stuttgart (ddp-bwb). Die SPD-Landtagsfraktion will durch mehr
Personal in der baden-württembergischen Steuerverwaltung jährliche
Steuereinnahmeausfälle «in dreistelliger Millionenhöhe» stoppen. Die
Landesregierung habe durch ihre Sparpolitik bewusst die Kritik des
Landesrechnungshofs ignoriert, wonach dem Land aufgrund der
unzureichenden Personalsituation in allen Bereichen der
Steuerverwaltung jedes Jahr hohe Millionenbeträge verloren gingen,
sagte SPD-Finanzexperte und designierter Spitzenkandidat Nils Schmid
am Montag in Stuttgart. Es sei unglaublich, dass der Landeshaushalt
durch «kurzsichtiges Spardenken» der Regierung «geschädigt» werde.
Zähle man die Berechnungen des Landesrechnungshofs zusammen, komme
man «locker» auf 500 Millionen Euro Steuerverlust, sagte Schmid.
Finanzminister Willi Stächele (CDU) warf der SPD eine «verzerrende»
Darstellung vor.
Die SPD-Fraktion fordert von der Landesregierung einen Kurswechsel
bei der Einstellungspolitik in der Steuerverwaltung. Bereits seit
1998 stehe Baden-Württemberg in Bezug auf die Personalausstattung in
diesem Bereich bundesweit an vorletzter Stelle, sagte Schmid. So sei
etwa nach Angaben der Landesregierung die Zahl der Betriebsprüfer von
2006 bis 2009 um 200 reduziert worden. Bei den Finanzämtern seien in
diesem Zeitraum 400 Stellen abgebaut worden. Dies bedeute ein Minus
von fast 2000 Stellen seit 1997. Eine geordnete Steuererhebung sei
nicht mehr gewährleistet.
Schmid kritisierte weiter, dass der Prüfturnus bei Betrieben
derzeit bei 15 Jahren liege und somit weit unter dem
Bundesdurchschnitt und weiter hinter dem Beschluss des Landtags,
einen Turnus von zehn Jahren anzustreben. Die Zahl der offenen
Fahndungsfälle betrage immer noch 2445, fast die Arbeit eines Jahres.
Darin seien die aktuell rund 4500 Selbstanzeigen nicht mit
inbegriffen. Schmid schlussfolgerte, dass die Chancen des Landes,
Steuerhinterziehungen aufzudecken, infolge der Personalsituation
geringer als anderswo seien.
Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Ingo Rust (SPD), fügte
hinzu, eine Qualitätsverbesserung sei allein deshalb nötig, um für
eine gerechte Besteuerung sorgen zu können, die die Grundlage für
eine Akzeptanz der Steuerpolitik in der Bevölkerung sei.
Stächele hielt der SPD entgegen, von Einsparungen seien Bereiche
betroffen, wo durch EDV-Modernisierung rationalisiert werden konnte.
Die Kernbereiche wie die Steuerfahndung, die Betriebsprüfung sowie
die Außenprüfung sei personell verstärkt worden. Bei Großbetrieben
sei der Prüfungsturnus seitdem kürzer als im Bundesdurchschnitt. Der
Bestand offener Fälle der Steuerfahndung sei in den vergangenen zwei
Jahren halbiert worden.
Die SPD-Fraktion will laut Schmid als Sofortmaßnahme 100
zusätzliche Stellen für Steuerfahnder einrichten. Für den
Nachtragshaushalt werde die SPD als ersten Schritt 200 neue Stellen
beantragen. Bislang hätten Landesregierung sowie die
Regierungsfraktionen aus CDU und FDP alle bisherigen Anträge
abgelehnt. Die Grünen-Fraktion kritisierte, die Landesregierung habe
ihre Initiative abgelehnt, sich für eine konzertierte Aktion der
Bundesländer bei der Personalausstattung einzusetzen. Dann gelte auch
das Argument nicht mehr, dass die Mehreinnahmen eines einzelnen
Landes immer zu einem großen Teil in den Länderfinanzausgleich
flössen, sagte Grünen-Finanzexperte Eugen Schlachter.
Laut Schmid würde die Personalaufstockung rund fünf Millionen Euro
pro Jahr kosten. Ein Betriebsprüfer treibe jedoch Studien zufolge ein
Zehnfaches der Personalkosten durch Mehrerträge ein. Künftig müsse
außerdem einem Nachwuchsproblem in der Steuerverwaltung
entgegengewirkt werden, indem vor allem für bessere
Aufstiegsperspektiven gesorgt werde. Die bisher üblichen zehn bis 15
Jahre Wartezeit bis zu einer ersten Beförderung müssten verkürzt
werden, fügte er hinzu.
(ddp)
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