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München (ddp-bay). Der ehemalige bayerische Ministerpräsident
Edmund Stoiber (CSU) hat offenbar frühzeitig vom maroden Zustand der
Kärntner Bank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) gewusst. Er soll nach
einem Zeitungsbericht kurz nach dem Kauf der österreichischen
Kreditanstalt durch die Bayerische Landesbank (BayernLB) Ende Mai
2007 mindestens zweimal über mögliche Risiken informiert worden sein.
Nach Ansicht der stellvertretenden Vorsitzenden der
Landesbank-Kontrollkommission, Inge Aures (SPD), hätte Stoiber zu
diesem Zeitpunkt «noch die Notbremse ziehen können».
Wie die «Süddeutsche Zeitung» (Samstagausgabe) berichtete, erhielt
die Staatskanzlei im Juni 2007 eine erste Warnung aus dem
Finanzministerium. Damals hatten Medien aus einem geheimen
Prüfbericht der Österreichischen Nationalbank zum Zustand der HGAA
zitiert, der wenige Tage nach dem Kauf der HGAA am 22. Mai vorgelegt
wurde. Einen Monat später soll Stoiber erneut über den Bericht
informiert worden sein, in dem der Kärntner Bank «massive Mängel» und
«wesentliche Gesetzesverletzungen» vorgeworfen wurden.
Auf Anfrage der Zeitung soll der damalige Ministerpräsident
Stoiber erklärt haben, er könne sich «an keine interne Bewertung
erinnern, die das Vorgehen der Landesbank und ihrer Organe in Frage
gestellt hätten». Auch die Staatskanzlei soll nach eigenen Angaben
erst aus der Presse von dem kritischen Prüfbericht erfahren haben.
Aures warf dem «Sonnenkönig Stoiber», wie sie den damaligen
Ministerpräsidenten titulierte, «maßlose und offenbar blinde
Machtgier» vor. Aus ihrer Sicht sei es kaum glaubhaft, dass Stoiber
nicht genau über die Risiken des Bankendeals Bescheid gewusst habe.
Er habe stets alle Fäden in der Hand gehalten und sich über alles
informieren lassen. Da dem Freistaat durch den Kauf der maroden HGAA
ein finanzieller Schaden von 3,75 Milliarden Euro entstanden war,
warf sie Stoiber vor, «als der größte Schuldenmacher des Landes in
die Geschichte» einzugehen.
Ein Sprecher Stoibers wies die Vorwürfe am Wochenende zurück:
«Alle Informationen aus der Staatskanzlei oder dem Finanzministerium,
an die sich der damalige Ministerpräsident erinnern kann, gingen
davon aus, dass die BayernLB etwaige Probleme mit der HGAA lösen
werde und im Griff habe.» Stoiber habe den für die BayernLB
Verantwortlichen vertraut.
Die SPD-Politikerin forderte eine rasche Vernehmung des früheren
Ministerpräsidenten im Landesbank-Untersuchungsausschuss, dem sie
auch angehört. Dort solle Stoiber erklären, warum er nicht
vorsichtiger mit dem Volksvermögen Bayerns umgegangen sei, sagte
Aures.
(ddp)
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