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München (ddp-bay). Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef
Horst Seehofer dringt trotz des Widerstands aus der Schwesterpartei
CDU auf eine weitere steuerliche Entlastung der Bürger bereits im
nächsten Jahr. Seehofer mahnte am Wochenende, die schwarz-gelbe
Bundesregierung müsse «solide Haushaltspolitik und Steuerentlastung
unter einen Hut bringen». Schon 2011 müsse die Koalition «bei der
Steuer mit dem Abbau der kalten Progression anfangen».
Dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» zufolge lehnt der CSU-Chef
Pläne aus dem Kanzleramt und vom Koalitionspartner FDP ab, erst 2012
die Steuern zu senken. Seehofer habe «in internen Sitzungen» darauf
verwiesen, dass Union und FDP im Koalitionsvertrag den Bürgern mehr
Netto vom Brutto versprochen hätten. Diese Zusage müsse das
schwarz-gelbe Bündnis nun auch einhalten. Seehofer ließ den Angaben
zufolge den bayerischen Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) ein
Konzept ausarbeiten, das eine moderate Steuerentlastung von 2,5
Milliarden Euro vorsieht und schon zum 1. Januar 2011 in Kraft treten
könnte.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU)
betonte dagegen: «Es ist jetzt klar, dass es keine Steuersenkungen in
diesem Jahr und im Jahr 2011 geben wird.» Unions-Fraktionschef Volker
Kauder (CDU) sagte: «Ich gehe davon aus, dass wir im Jahr 2012 die
Entlastung bekommen können.« Im Jahr 2011 müsse man den
Konsolidierungskurs vorantreiben.
Bayerns CSU-Fraktionschef Georg Schmid forderte derweil mehr
Offenheit gegenüber den Bürgern in der Debatte um die schwierige
Finanzlage von Bund, Ländern und Kommunen. Angesichts der gesunkenen
Steuereinnahmen müssten «Prioritäten» gesetzt werden, sagte Schmid
der Nachrichtenagentur ddp. Zugleich müsse man mit den Bürgern noch
viel mehr als bisher diskutieren, «was sofort und was erst später
umgesetzt werden kann».
Schmid mahnte: «Alle öffentlichen Kassen in Deutschland haben
schwierige Zeiten vor sich.» Dies stelle die politisch
Verantwortlichen vor große Herausforderungen.
Der CSU-Fraktionschef fügte hinzu: «Gerade wenn das Füllhorn nicht
überquillt, braucht es politische Führungs- und Gestaltungskraft.»
Die Sanierung der öffentlichen Haushalte und der sozialen
Sicherungssysteme habe zwar hohe Priorität. Dies heiße aber nicht,
«dass Politik nicht mehr gestalten darf».
Schmid betonte: «Allein mit Sparen wird die finanzielle Sanierung
nämlich nicht gelingen.» Notwendig sei vielmehr auch Wachstum - und
hierfür seien Investitionen unerlässlich. Der CSU-Fraktionschef fügte
hinzu: «Hier sind Entscheidungen gefordert, die nicht selten eine
schwierige Gratwanderung darstellen. Wir brauchen Gestalter und nicht
nur Verwalter in der Politik.»
(ddp)
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