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Berlin (ots) - Verbindliche Regeln für das Internet, vergleichbar
den Verkehrsregeln, an die sich User, Service- und Contentanbieter
sowie Provider orientieren können, wurden am heutigen Dienstag auf
zwei Expertenpodien des Kongresses der medienwoche@IFA im ICC
gefordert. Sowohl die Rechte der Urheber als auch die Daten der User
sollen durch eine solche Internet-Charta besser geschützt werden.
Diese Charta müsse von allen Partnern des Internets vereinbart
werden, rechtlich durchsetzbar sein und gleichzeitig auch
internationale Relevanz besitzen.
Kontroverse Debatte über Anpassung des Urheberrechts an die
Anforderungen der digitalen Welt
In seiner Keynote stellte der US-amerikanische Juraprofessor
Michael W. Carroll die Plattform Creative Commons vor, mit der
Urheber selbst die rechtlichen Rahmenbedingungen ihrer Werke
bestimmen und sowohl über eine kommerzielle als auch nicht
kommerzielle Verwertung entscheiden können. Dieses Modell stieß in
der anschließenden Debatte auf große Sympathie, da allein der Urheber
mittels einer Lizenz entscheidet, ob seine Inhalte für eine
wirtschaftliche Verwertung genutzt werden dürfen. Diese müsse dann
auch vergütet werden. Zu einer kontroversen Debatte kam es dagegen
über die Aktion Googles, vergriffene und "verwaiste" Bücher
einzuscannen und über das Internet zu verbreiten. Während Annette
Kroeber-Riel von Google diese Internetverbreitung als
kulturpolitischen Meilenstein bezeichnete, kritisierte Alexander
Skipis vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dass Google weder
das amerikanische noch das deutsche Urheberecht akzeptieren würde.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels lehne die jüngsten
Kompromissvorschläge von Google ab, weil damit das Urheberrecht ins
Gegenteil verkehrt werden würde. Auf Widerspruch der Vertreter der
Musik- und Filmwirtschaft stießen auch die Thesen von Jens
Seipenbusch, Vorsitzender der Piratenpartei Deutschlands, der eine
Revision des Urheberrechts forderte, das die Rechte "der kleinen
Urheber gegen die großen Medienkonzerne" besser schützen soll. Er
verstehe nicht, so Seipenbusch, dass die Medienunternehmen
Internetnutzer "als Verbrecher und nicht als Kunden" behandeln. Dem
widersprachen Prof. Dieter Gorny vom Bundesverband Musikindustrie und
Martin Moszkowicz von Constantin Film vehement, die darauf verwiesen,
dass die Musiker und Urheber wie Regisseure, Komponisten oder
Bühnenbildner ebenfalls unter der Piraterie zu leiden hätten. Deshalb
müsse das geltende Urheberrecht auch durchgesetzt werden. Einer
Forderung, der auch Jens Seipenbusch nicht widersprach.
Mit einem besseren Datenschutz, der illegalen Weitergabe von
Nutzerdaten und einer größeren Transparenz der Datenerfassung
befasste sich der "20. Transatlantische Dialog"
In sozialen Netzwerken bestehe nach wie vor ein großes Risiko für
persönliche Daten, so Andreas Poller vom Fraunhofer Institut. Dieses
Risiko ließe sich durch eine größere Transparenz und eindeutige
Kennzeichnung der Datenverwertung mit Piktogrammen vermindern. Auch
müsse der Nutzer die Möglichkeit haben, seine Daten, Kommentare oder
Bilder wieder zu löschen. Der Nutzer müsse weiter der Herr seiner
Daten sein, so Poller. Wie sich das realisieren lässt, erläuterte Per
Meyerdierks von Google plastisch praktisch anhand der
Datenschutzhinweise bei der Googlesuche.
Auf die großen Schwierigkeiten einer internationalen Regelung
verwiesen mehrere Redner. Weltweit würde etwa nur in einem Drittel
aller Länder, ein "halbwegs vertretbarer" Datenschutz existieren. Zu
den problematischen Ländern zählten auch die USA. Mark S. Melodia,
Urheberrechtler aus den USA, betonte jedoch, dass in den USA ein
Umdenken einsetze und man dabei sei, sich der Rechtsposition der
Europäischen Union zu nähern, die weltweit über die restriktivsten
Regelungen verfüge.
Fotos: www.medienwoche.de/pressefotos .
Video-Stream des Urheberrechtspodiums: www.medienwoche.de/stream .
Originaltext: Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH
Digitale Pressemappe: http://www.presseportal.de/pm/55091
Pressemappe via RSS : http://www.presseportal.de/rss/pm_55091.rss2
Pressekontakt:
Dr. Kathrin Steinbrenner
Medienboard Berlin-Brandenburg
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Tel. 0331 743 8771
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