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Hamburg (ots) - 20. Oktober 2009 - Offen wie nie hat der ehemalige
Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke über seine Zeit an der Konzernspitze
gesprochen. "Ich war in meinem Leben noch nie so unfrei wie in den
letzten Jahren bei der Telekom", sagte Ricke in einem Interview für
das Buch "Die da oben". Das Wirtschaftsmagazin 'Capital' (Ausgabe
11/2009, EVT 22. Oktober) druckt das Interview vorab. Er habe damals
Freiheit mit Macht verwechselt, so Ricke. Dabei bedeute Freiheit,
unabhängig zu sein. Wenn man das geschafft habe, gehe es einem gut.
Dazu müsse man berücksichtigen, dass im übergeordneten Sinne nichts
wichtig ist, auch man selbst nicht.
Der ehemalige Vorstandsvorsitzende berichtet über eine Kultur des
Misstrauens in den Topetagen. "Je höher man steigt, um so
misstrauischer muss man sein, weil jeder, der um die Ecke kommt, im
Zweifel etwas will." Misstrauen müsse dabei nicht in erster Linie den
Verrat von Geschäftsgeheimnissen bedeuten, sondern häufig viel
profanere Dinge: "Dass man bei jedem, mit dem man zu tun hat,
irgendeinen Hintergedanken vermuten muss. Man kriegt ja von überall
her E-Mails, wird dauernd von irgendwem benutzt." Da fange man an,
sich abzuschotten. "Dann wird es potenziell einsam", so Ricke. Bei
all dem müsse man sich davor hüten, in der Unternehmensführung sein
Verhalten nicht als Schauspielkunst zu begreifen, dann werde es
gefährlich.
Als großes Glück bezeichnete Ricke, der heute Mitglied in
verschiedenen Aufsichtsräten ist und für Private Equity-Firmen
arbeitet, dass er "den Job relativ jung machen durfte und gesund
wieder herausgekommen" sei. Einer von Rickes Vorstandskollegen war
seinerzeit im Alter von 47 Jahren einem Herzinfarkt erlegen.
Im Rückblick zeigte sich Ricke dennoch froh, die Aufgabe als
Vorstandsvorsitzender übernommen zu haben: "Es ist eine
Riesenerfahrung, ist ein Segen, wirklich ein Segen. Ein unglaubliches
Glück." Selbstkritisch fügte er hinzu, dass man die Rolle, die man
bekommen hat, auch ausfüllen wollen müsse: "Ich war nicht verliebt
genug in die Rolle des Telekom-Chefs. (...) Ich hätte meine
Persönlichkeit stärker (...) zur Schau stellen sollen."
Das Buch "Die da oben" von Jan Heidtmann und Barbara Nolte
erscheint Ende Oktober im Suhrkamp Verlag.
Originaltext: Capital, G+J Wirtschaftsmedien
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Pressekontakt:
Claus Gorgs, Redaktion G+J Wirtschaftsmedien,
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